Herrn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Da ladet der
wilde Ordensvogt auf Lenzenberg am frischen Haff eine Schar
verdaͤchtiger preußischer Edlen zu sich, zuͤndet die Burg uͤber
ihren Häuptern an. Die erbitternde Kunde fliegt durch die
Lande, im September steht das gesamte Volk in Waffen, verbrennt
die Ordensburgen, erschlägt die Bauleute. Eine ungeheure
Gefahr, furchtbarer als jene der Vernichtung durch die
Tataren, welcher das Land zwanzig Jahre zuvor durch ein
glückliches Ungefähr entrann! Soeben erst ist der livländische
Meister von den Litauern aufs Haupt geschlagen, Kurland hat
sich befreit, und die wendischen Fürsten im Westen senden bereitwillig
Hilfe wider die verhaßten Deutschen. Alle Greuel der
vergangenen Kriege verschwinden gegen das Entsetzen dieses
Kampfes. Es geschieht, daß der gefangene deutsche Herr in
dreifacher Eisenrüstung dem Donnergotte zum Opfer verbrannt
wird, oder daß die Heiden ihm den Nabel an einen Baum
nageln und ihn dann mit Peitschenhieben um den Stamm
treiben, bis der ausgeweidete Leib zusammenbricht.
Nach zehn Jahren, da die deutsche Herrschaft nahezu vernichtet
ist, kommen dem Orden wieder Tage des Siegs durch den entschlossenen
Landmarschall Konrad von Thierberg, von dem wir
leider nur den Namen kennen, und nach abermals zehn Jahren
ist unter Mordbrand und Verwüstung die Herrlichkeit der
Deutschen hergestellt. Denn zwar Zucht und Waffengewandtheit
haben die gelehrigen Barbaren von dem überlegenen
Sieger gelernt, doch nicht das Eine, Entscheidende — die einheitliche
Leitung des Krieges in allen Gauen. Am längsten währt
der Kampf in der südöstlichen Landschaft Sudauen, wo an Seen
und in ungeheuren Wäldern ein wohlhabendes Volk gesessen
war, mit zahlreichem berittenem Adel, abgehärtet in der Jagd
auf Auerochs, Bär und Elen. Endlich (1283) verheert der letzte
Sudauerhäuptling Skurdo mit den Getreuen seine Heimat und
zieht hinüber zu den Heiden nach Litauen. Sein Fluch ist der
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