458 Antiseptische Mittel — Aphonie.
bruch, nur einfache Pflanzenkost und verbrachte täglich eine Stunde im Walde.
Er blieb zum Stolze der Mutter frei vom Keuchhnsten — der einzige im Hause!
Antiseptische Mittel. Sepsis heißt Fäulnis, und unter antiseptischen
Mitteln versteht man fäulniswidrige. Genauere Untersuchungen
haben erwiesen, daß wie bei der Gärung auch bei der Zersetzung Organismen die
Grundursache sind: pflauzliche, sogenannte Pilze bei ersterer, tierische, die bekannten
Bakterien bei letzterer. Bald hatte die Erfahrung gelehrt, daß es auch
Mittel gibt, welche die Entwicklung dieser hindern. Die Schulmedizin gebrauchte
daher vor kurzer Zeit bei Verbänden und Operationen, wo Fäulnis abgehalten
werden mußte, mineralische Lösungen, Sublimat, Karbol usw. und ging jetzt zu
milderen über (Lysol), weil sich Vergiftungserscheinungen durch dieselben eingestellt
hatten. Wir empfehlen, insbesondere zum Hausgebrauch, den Wasserdampf,
sehr heißes Wasser, für Wunden abgekochtes und abgekühltes Wasser,
ferner trockene Hitze, Zitronenwasser, und wo dies nicht ausreicht, einen
Zusatz von Wasserstoff-Superoxyd, und warnen vor der Benützung der
mineralischen Lösungen. Zum Reinigen der Wäsche und zur Abtötung solcher
Keime in ihr wirkt heißes Sodawasser sehr gut; für Abtritte und Leibstühle
Chlorkalk, grüne Seife für Fußböden. Keimtötend sind ferner auch verdünnte
Säuren, wie Essig-, Borsäure und andere. Wissen muß man
bei jedem der angegebenen Mittel, wie und wo man es anzuwenden hat.
Apathie ist Teilnahms= und Gefühllosigkeit. Sie tritt als Begleiterscheinung
ernsterer Erkrankungen auf und wird auch bei Gemütskranken
selten fehlen. Gründlicher Wechsel der Lebensverhältnisse, neue Lebensreize,
wie kräftigere Luft, Wald, erheiternde Eindrücke, Wechsel der Kost usw. werden
oft ungeahnte Wirkung haben. Beleichsüchtige Mädchen verfallen nicht selten
in solche apathische Zustände.
Apfel. Getrocknete Früchte, die fast wasserfrei sind, haben bedeutenden
Nährwert und enthalten wertvolle Säuren, Zucker, Stärke, Salze und Stickstoff.
Frische Früchte sind für Kinder unentbehrlich; Apfelmus ist für Kranke
und Verdauungsschwache das mildeste und wirksamste Obst, da es keine
reizenden Nebenwirkungen hat. (Siehe Ernährung unter „Obst“ I. Teil.)
Apfelwein wird in Österreich und Süddeutschland viel getrunken,
wirkt erfrischend und die Verdauung anregend, enthält aber im ausgegorenen
Zustand oft über 4% Alkohol. Daher darf er keineswegs zu den „unschuldigen"
Getränken gerechnet werden. Der alkoholfreie aber sei warmempfohlen.
Aphonie heißt Tonlosigkeit der Stimme und entsteht durch Erkrankung
oder nervöse Störung der Stimmbänder. Bei Kehlkopfkatarrhen,
bei Verdickungen der Stimmbänder, bei hysterischen Lähmungen verlieren
Frauen für kürzere oder auch längere Zeit ihre Stimme, was für Sängerinnen
sehr ernst werden kann.
Behandlung. Bekämpfung des ursächlichen Leidens, zuweilen Dampf-Einatmungen
(Inhalationen), Erschütterungsmassage des Kehlkopfes,