611 Drucker — Druse.
Goethe d. Müllerin Verrath; wollte . #zich abseits
drucken Keller Sinnged. 54. 4) drucken im gewerb-
lichen Sinne für drucken, in älterer Spr., namentlich
bei mitteld. Schriststellern des 17. Ih. nicht selten (vgl.
auch abdrucken 5), mundartlich in Hessen, Thüringen,
Obersachsen bis jetzt. Bei Malern drucken Drucker
(s. d. 2) aufsetzen.
Drucker, m. 1) druckende Person, kattun-, stein-,
zeug-drucker u. a.; namentlich seit 15. Ih. — buch-
drucker: die trucker Brant Narrensch. 18; drucker
und verleger einer sebrift. 2) bei Malern tieserer
Schatten, um Helldunkel und Licht lebhafter vortreten
zu lassen (Jacobsson); 2erfahrene, hier und da mit
druckern arbeitende technik (in der Aquarellmalerei)
Gegenwart Bd. 32, 207. — Zusammensetzungen nach #:
Druckerballen, m. lederner Ballen zum Austragen der
Druckerfarbe. — Druckerbursche, m. Laufbursche eines
Druckers. — Druckersarbe, k. Farbe, wie sie der Drucker
braucht. — Druckerhecr, m. Besitzer einer Druckerei,
büchtrucker, truckerherr Maaler. — Druckerkuusft, k.
Kunst wie sie der Drucker ausübt, namentlich Kunst des
Buchdrucks. — Druckerlohn, m. Lohn für einen Drucker.
3 kuclerschwärze, I. schwarze Farbe des Druckers zum
uchdruck.
Drücker, m. der da drückt, drückende Person; schinder
und drucker des volkes, vgl. bedrucker; in neuer Spr.
auch der sich drückt (vgl. drücken 3); übertragen auf
Worte, Thaten, Zeichen, die einen Druck ausüben:
gegen jemand einen drucker anwenden; Gerät zum
Drücken, Thürklinke; Feder die man niederdrückt, in der
Münze Werkzeug zum Ausschneiden der Münzen, u. a. —
Druckerei, k. Kunst zu drucken, namentlich Bücher, buch-
druckerei, auch kattun-, stein-, zeugdruckerei u. a.;
der truckery .. Iro Brant Narrensch. 27; die druckerei
erlernen, ausuben; Werkstatt des Druckers: truckerei
offieina kynpogyaptica Maaler; etwas in die druckerei
geben; hier aus der druckerei das probeblatt Frey-
lag Journ. 1, 2. — drucksen, wiederholt drücken, zu-
rückhaltend, langsam sein (vgl. drucken 2 und 3), be-
zogen auf Rede, Arbeit, Zahlen, von Avelung als
neues Frequentativ zu drücken und der niedrigen Sprech-
art eigen bezeichnet, aus süd= und mitteld. Mundarten
ausgekommen: die noth der armen dichter .. wie sie
drucksten und schwitzten Wieland Abd. 3, 3; wenn
er klagt und druckst Goethe Jery; er druckste lange,
endlich gab er dech das geld her. — Drucdser, m. der
da druckst, langsamer Arbeiter, Zahler.
Drude, 1. Here, Zauberin, spätmhd. trute, däu.
drude, mit dem altnord. brüör, Name einer Schlacht-
jungfrau zusammengebracht. — Drudenfuß, m. Figur
aus zwei gleichseitigen mit einander verschränkten Drei-
ecken gebildet, zum Schutz gegen Druden angebracht;
ursprünglich wohl als die in einander geschränkten Füße
einer Drude gedacht.
Drum, (. darum.
Drunten, unten auf entgegengesetzter Seite, Ver-
kürzung aus dar unten (dir untini Anno 451); bezogen
auf einen tiefer liegenden Raum, Ort: das beer. . lag
drunden fur jm im grunde Richt. 7, 8; drunten nech
jemand Schisler Ränb. 4, 5; ich will drunten holen
im schrank 5, 1; drunten im unterland Volkslied; aus
die Hölle: die helle drunden Jes. 14, 9; verstärkt da,
dort drunten. — drunter, s. darunter.
Drusch, m. Handlung des Dreschens, neu aufgekom-
menes, noch von Campe nicht verzeichnetes Wort:
dreschflegel, die sich besonders für den drusch dos
waizens eignen; vgl. aus-, erdrusch.
Druse, -. 1) verwittertes löcherichtes Erz, Bergmanns-
wort schon des 16. Ih.: dariu die hitze das gestcin
ausderret, das grosze drusen und holer werden Ma-
thesius Sarept. 1575; auch Gestein das sich in Höh-
lungen findet. 2) auderes druse, Pferdekrankheit mit Aus-
Drüse — du. 612
fluß aus Maul und Nase; eins mit dem folgenden. —
Drüse, f. lockerer und schwammiger Körperteil zur Ab-
sonderung von Feuchtigkeiten, ahd. druosi, mhd. druos
und drüese, mund. drose und druse, in andern Dialecten
sehlend, dunller Herkunst: schweinen fleisch vol mandelen
und drüsen, so am hals beim stich stehet Henisch;
als Krankheit geschwollene drusen haben, an den drüsen
leiden; auch eichelartige Geschwulst, Beule, im 16./17.
Ih. pestartige Krankheitserscheinung, mit dem Sing. drus,
Plur. druse: der herr wird dich sehlahen mit drusen
Egypti 5. Mos. 28, 27; ein pflaster von feigen. auf
seine drus legen Ses. 38, 20; pestilenz drues und peul
Aventin 1,18; später nur in heutiger Form: epanische
blattern, französische gräütze und italienische driesen
Simpl. 4, 361; jetzt drusen haben, an Skropheln leiden,
auch drusenkrankbeit baben.
Drusen, k. Bodensatz, Hefe; aus ahd. truosana, truo-
sina, mhd. truosen, nieberd. druse und dros; säubern.
den honig von aller unreinigkeit und drusen Sebiz
397; oberdeutsch noch jetzt lebend, unterschieden nament-
lich bier- branntwein-, öl-, weindrusen, der Sing, zu
druse, schweiz. truesc, zurückgegan en.
Drusicht, drusig, bergmännisch, voll Drusen: dru-
siges gestein, drusiger gang Jacobsson. — drüsig,
Drüsen habend: drusiges fleisch; mit der Drüsenkrauk-
heit behaftet, fkrophulös.
Drüssel, m. k. Schlund, Kehle, Gurgel; s. dressel 2.
Du, Fürwort der zweiten Person; dem ältesten indo-
german. Sprachgute zugehörig, im Deutschen als goth.
altnord. altengl. bu, ahd. mit du austretend; Gen.
dein und deiner, Dat. dir, Acc. dich (Plur. andern
Stammes, s. ihr). 1) Nom. du in allgemeiner Anrede,
eingeschränkt durch den Gebrauch der Höflichkeit, der in
gewissen Fällen Sie, teilweise lhr (s. d.) gebietet; du gilt
für vertraute und untergeordnete Personen, aber auch
in seierlicher, dichterischer Rede und für das Gebct.
Wenn dem Verbum folgend, verliert du den Anlaut,
im Sprechen stets bis heute (gibstu, kommstu u. s. w.,
niemals gibst du. Kkommst du gesprochen), im Schreiben.
seit ahd. mhd. Zeit, in der Bibelsprache noch Regel
(vie heisestt .. warum fragestu 1. Mos. 32, 29), seit
dem 17. Ih. selten, im t8. abkommend (aber noch Gott-
sched schreibt säbestu, wüsztestu, hättestu Sprachk. 296);
in solchem Falle auch Wegfall des Fürworts, schon mhd.
und im ältern Nhd.: dag koufest an uns heiden arm.
Heinr. 662; den sunder nicht verschmehet hast Luther
8, 358; in neuerer Spr. noch in volksmäßiger, necki-
scher, kurz angebundener, kosender Nede, u. ähnl.: hast
nichts von Barbelchen gehört? Goethe Faust 1; fullest
wieder buseh und thal an d. Mond; bist unsinnig?
bist toll!? Tieck Oct. 201; Stellung hinter dem Im-
perativ nur bei besonderem Nachdruck: sei du etilll;
geh du nur immerhin Geibel 1, 165; Anrede mit du
in nachdrücklichem Ausruf: du lieber gett! ei du lieber
himmel!; im Selbstgespräch, namentlich nicht in höherer
Sprechart: da denke ich, du darfst dich nicht fangen
lassen, u. a. 2) Gen. in alter Spr. din, daneben im
Mhd. erst auskommend dines und diner, Fortsetzung des
letzteren uhd. deiner, das bei Luthec nur einmal er-
cheint: erburme sich deiner 5. Mos. 13, 17, sonst stets
dein; die neuere Sprache verwendet beide Formen, dein
mehr in gehobener, deiner mehr in gewöhnlicher Rede.
3) Dat. dir, neben seiner gewöhnlichen Stellung auch
nur zur Belebung der Rede verwendet (Dativus ethicus):
da hatten wir dir respekt Schiller Räub. 1, 2; (ich)
war dir ein armer hungriger tropf 2, 3; das ist dir
M
eine lust! u. a. 4) Acc. dich; eigentümlich in schwei-
zerischer Anwendung: ich ginge jetzt nieht eimmal bin.
wenn ien dich würe JG-Gotthelf Schuldenb. 392; für
gemeindeutsches wenn ieh du wure. 5) substantive Ver-
wendung des Fürworts, als Neutr.: einem das bruder--
liche du antragen; wie mich dein erstes du begruszt