376 Manteuffels Antwort an Buol. Megentschaftsfrage. Wahlen.
batte, gefolgt war, ohne mich zu erreichen. Wenn E. E. von mir ein Gutachten über die
Beantwortung des Briefes an Gr. Buol) erfordert hätten, so würde ich jfehr mit mir
zufrieden sein, wenn ich die Antwort grade so vorgeschlagen bätte, wie sie gegeben worden
ist. Der dreisten Stirn, mit der Gr. Buol die östreichische Strebsamkeit für Selbstver-
läugnung und verjföhnliche Gesinnung ausgiebt, ist mit der Macht der Wahbrbeit fest ent-
gegengetreten und dabei doch unfrerseits jede mögliche Verträglichkeit an den Tag ge-
legt, indem wir uns bereit erklären, den wirklichen status quc ante, d. h. die TChat-
sache der östreichischen Occupation ohne beschlußmäßige Anerkennung berzustellen und
binnen Jahr und Tag nicht anzufechten. Es wäre wohl gut, daß dieses unser Anerbieten
bekannt würde. Sch glaube nicht, daß Gr. Buol seine Drohung wahr macht und zum
Mojoritätsbeschluß schreitet, nachdem er aus E. E. Antwort gesehn bat, daß wir fest
balten; besonders der Schluß derselben wird seine Wirkung nicht verfehlen. Aber wahr-
scheinlich wird er doch nicht ohne Weitres auf den diesseitigen Vorschlag eingehn, son-
dern noch neue Versuche machen, ob er uns nicht etwas abdringen kann, und zu diesem
Bebuf im Militär-Ausschuß die Haltung annehmen, als wolle man nunmehr rückesichts-
los vorgehn. Aber unsre Position bleibt unangreifbar, so lange wir sie nicht räumen.
Ich darf die weitre Besprechung der Sache wohl auf meine Anwesenbeit in Berlin
verschieben, wo ich am Sonntag früh mit der Ostbahn einzutreffen boffe. Es feblt mir
Jogar an geeignetem Schreibmaterial, wie E. E. aus diesem Sormat-) entnehmen wollen.
Ich babe hier eine Anzahl Mitglieder beider Häuser gesehn: Below, Berg, Blan-
kenburg, Osten, Rexin, Somnitz, Duttktamer und Andre. Bei denselben fand der von der
Berliner Nevue mitgetheilte Gedanke viel Anklang, die bisberigen Abgeordneten Be-
hufs Ordnung der Negentschaftsfrage nochmals zu berufen"“) und das Dementi, welches
derselbe in der Kreuz#eitung?) erbielt, wurde beklagt. Auch ich glaube, daß die Ne-
girung mit einer bessern Position und mit mehr Erfolg in die neuen Wahdlen eintreten
würde, wenn jene Angelegenheit vorber abgeklärt würde. Daß überbhaupt das Pro-
visorium in der Stellvertretung Sr. Majestät aufbören werde, nimmt man bier allgemein
als sicher an, und jene Mitglieder der Landesvertretung, von denen einige in ausge-
dehnter Correspondenz mit Genossen verschiedner Parteien stehn, waren der Meinung,
daß der Landtag die Regulirung der Regentschaftsfrage von allen Parteien dringlich an-
regen werde, wenn sie nicht vorber von Seiten der NRegirung in Angriff genommen
werde. Ueber das Befinden Sr. Majestät fehlen bier alle MNachrichten, soweit sie nicht
in den Seitungen stehn.
Die Wahlen dürften bier, nach allem, was ich höre, siemlich genau so ausfallen, wie
die früheren; nur sagt man mir, daß die Wiederwahl Gerlachs in MAeustettin wweifelhaft
sei, und Arnim-Heinersdorf ihr namentlich entgegen wirke.
Meine Frau und meine Schwiegermutter sagen E. E. ihren verbindlichsten Dank für
das freundliche Andenken, welchels) Sie ihnen bewahren, und ich bitte, Ihrer Srau Ge-
malin unfre ebrerbietige SEmpfehlung auszjurichten. Mit der ausgezeichnetsten Ver-
ehrung
*:) B nmnbm August 18568. Abgedrucktt bei Poschinger, Denkwürdigkeiten des Ministerprösidenten von
Manteuffel 288
an * er Brief iji auf wei ## Ofteobogen geschrieben, während B. mu soinen Privatbriefen an den
Minitter v pe wbnlich Quartbogen
Oktober 16.2m 1. die ertretung des Prinjen von Hrsuhen ab.
Neue Preuhische Zeitung vom 31. August 1858 unter „Oeutschlan