Metadata : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

rung  sich  ein  unverhältnismäßlg  höheres  Opfer  auferlegte  als  der  Mann  des
Voites,  der  In  einfacheren  Lebensbedingungen  aufgewachsen  war.  Aber  dieses
Oofer  hätten  wir  eben  bringen  müssen.  Und  es  kann  den  obersten  Fübrer--stellen
  ble  in  die  höchsten  Spitzen  hinein  der  Vorwurf  nicht  erspart  werden,  daß
sie  uns  in  dieser  Hinsicht  weder  eln  persönliches  Vorbild  gegeben,  noch  une  wirksam
  und  nachdrücklich  auf  die  entscheldende  Bedeutung  und  Notwendigkeit
dleses  Opfere  hingewlesen  haben.

Mit  diesem  offenen  Bekenntnie  einer  persönlichen  und  einer  Standesschuld
soll  keineswegs  die  Berechtigung  der  ekelhaften  „Offlziershetze“  anerkannt
werden,  die  im  letzten  Kriegeabschnitt  eingesetzt  hat  und  heute  noch  nicht  verstummt
  ist.  Sle  bedeutet  ein  ungeheures  Unrecht  an  einer  Käörperschaft,  die,
aus  den  führenden  Schichten  unferes  Volkes  hervorgegangen,  ihre  Führer--pflichten
  in  elner  Weise  erfüllt  hat,  ohne  welche  der  lange  und  furchtbare  Wider--stand
  unseres  Volkes  gegen  die  Welt  in  Waffen  einfach  undenkbar  gewesen  wäre.
Der  Prozentsatz  der  Verluste,  den  das  Offizlerkorps  des  aktiven  wie  des  Beurlaubtenstandes
  zu  dem  großen  Volkbopfer  belgesteuert  hat,  spricht  beredt  von
seinem  belspiellosen  Heldenmut.  Wir  waren  keine  Engel,  wir  deutschen  Offizlere
  im  Weltkrieg.  Aber  unser  Ehrenschild  ist  rein.  Eln  paar  Schufte  hat  es
auch  Iin  unserem  Kreise  gegeben,  das  ist  natürlich.  Aber  zeigt  mir  das  Offiziertorps
  der  Welt,  das  anndhernd  Ahnliches  geleistet  hat  wie  wir!

Die  Offizlershetze  wird  an  lbrer  grenzenlosen  Gemeinheit  und  Verlogenbeit
  zugrunde  gehen.  Aber  unser  DVolk  hat  an  une  gutzumachen.  Ee  ist  uns  Genugtuung
  schuldig.  Ob  wir  älteren  Mitkämpfer  sle  noch  erleben  werden?  Die
Weitgeschlchte  wird  sie  une  nicht  vorenthalten.  Um  so  weniger,  se  bereitwilliger
wir  anerkennen,  daß  wir  dlesese  und  jenes  noch  besser  hätten  machen  können,
machen  müssen.  Der  Gedanke  des  Volkeheeree,  des  Bolkekriegee,  wie  er  in  dlesem
Umfange  von  nlemand  auch  nur  annähernd  hatte  vorausgesehen  werden  können,
bat  uns  trotz  der  langen  Kriegedauer  nicht  in  unserer  tiefsten  Seele  erfaßt.  Das
tst  unser  Schuldanteil  —  das  —  und  das  alleln.  Wer  sich  für  selne  Person  reln
welß  von  Schuld,  wohl  ihm.  Gewiß  hat  es  auch  solche  durchaus  vorbildlichen
Naturen  unter  uns  in  Menge  gegeben.  Für  den  Durchschnitt  trifft,  was  ich
sagte,  nach  melner  festen  Uberzeugung  zu.

2.

Zu  Bergeshöhen  aber  schwilit  die  Schuld  des  Vaterlaundes  gegenüber  seinen
Offizleren  wle  gegenüber  der  Gesamtpeit  seines  Heeres,  wenn  man  unsere
Leistung  mißt  an  dem  Verhalten  elnes  großen  Teile  der  Dabeimgebliebenen.

Gewiß,  nicht  nur  die  „Besatzung“,  auch  die  „Bürgerschaft“  der  belagerten
Riesenfeste  hat  Ungeheures,  Beispielloses  ertragen  und  geleistet.  Ale  Gesamterschelnung
  ist  die  Haltung  des  deutschen  Volkes  im  Weltkrieg  höchsten  Ruhmes
würdig.  Aber  der  Kriegsausgang  hat  schlleßlich  doch  bestätigt,  was  jeder  Wissende
dumpf  beklommen  vorgeahnt  hatte:  das  deutsche  Volk  ist  dem  UÜbermaß  der
Anforderungen,  dle  dleser  Krieg  lhm  zugemutet  hat,  schließlich  doch  erlegen,  ohne
daß  man  ihm  nachrühmen  dürfte,  es  habe  an  Kraft,  Willen  und  Opfermut  seln
Außerstes  bingegeben.

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