rung sich ein unverhältnismäßlg höheres Opfer auferlegte als der Mann des
Voites, der In einfacheren Lebensbedingungen aufgewachsen war. Aber dieses
Oofer hätten wir eben bringen müssen. Und es kann den obersten Fübrer--stellen
ble in die höchsten Spitzen hinein der Vorwurf nicht erspart werden, daß
sie uns in dieser Hinsicht weder eln persönliches Vorbild gegeben, noch une wirksam
und nachdrücklich auf die entscheldende Bedeutung und Notwendigkeit
dleses Opfere hingewlesen haben.
Mit diesem offenen Bekenntnie einer persönlichen und einer Standesschuld
soll keineswegs die Berechtigung der ekelhaften „Offlziershetze“ anerkannt
werden, die im letzten Kriegeabschnitt eingesetzt hat und heute noch nicht verstummt
ist. Sle bedeutet ein ungeheures Unrecht an einer Käörperschaft, die,
aus den führenden Schichten unferes Volkes hervorgegangen, ihre Führer--pflichten
in elner Weise erfüllt hat, ohne welche der lange und furchtbare Wider--stand
unseres Volkes gegen die Welt in Waffen einfach undenkbar gewesen wäre.
Der Prozentsatz der Verluste, den das Offizlerkorps des aktiven wie des Beurlaubtenstandes
zu dem großen Volkbopfer belgesteuert hat, spricht beredt von
seinem belspiellosen Heldenmut. Wir waren keine Engel, wir deutschen Offizlere
im Weltkrieg. Aber unser Ehrenschild ist rein. Eln paar Schufte hat es
auch Iin unserem Kreise gegeben, das ist natürlich. Aber zeigt mir das Offiziertorps
der Welt, das anndhernd Ahnliches geleistet hat wie wir!
Die Offizlershetze wird an lbrer grenzenlosen Gemeinheit und Verlogenbeit
zugrunde gehen. Aber unser DVolk hat an une gutzumachen. Ee ist uns Genugtuung
schuldig. Ob wir älteren Mitkämpfer sle noch erleben werden? Die
Weitgeschlchte wird sie une nicht vorenthalten. Um so weniger, se bereitwilliger
wir anerkennen, daß wir dlesese und jenes noch besser hätten machen können,
machen müssen. Der Gedanke des Volkeheeree, des Bolkekriegee, wie er in dlesem
Umfange von nlemand auch nur annähernd hatte vorausgesehen werden können,
bat uns trotz der langen Kriegedauer nicht in unserer tiefsten Seele erfaßt. Das
tst unser Schuldanteil — das — und das alleln. Wer sich für selne Person reln
welß von Schuld, wohl ihm. Gewiß hat es auch solche durchaus vorbildlichen
Naturen unter uns in Menge gegeben. Für den Durchschnitt trifft, was ich
sagte, nach melner festen Uberzeugung zu.
2.
Zu Bergeshöhen aber schwilit die Schuld des Vaterlaundes gegenüber seinen
Offizleren wle gegenüber der Gesamtpeit seines Heeres, wenn man unsere
Leistung mißt an dem Verhalten elnes großen Teile der Dabeimgebliebenen.
Gewiß, nicht nur die „Besatzung“, auch die „Bürgerschaft“ der belagerten
Riesenfeste hat Ungeheures, Beispielloses ertragen und geleistet. Ale Gesamterschelnung
ist die Haltung des deutschen Volkes im Weltkrieg höchsten Ruhmes
würdig. Aber der Kriegsausgang hat schlleßlich doch bestätigt, was jeder Wissende
dumpf beklommen vorgeahnt hatte: das deutsche Volk ist dem UÜbermaß der
Anforderungen, dle dleser Krieg lhm zugemutet hat, schließlich doch erlegen, ohne
daß man ihm nachrühmen dürfte, es habe an Kraft, Willen und Opfermut seln
Außerstes bingegeben.
19- 291