243 Schädelnabt — schädigen.
Lehre von der Gestalt und Beschaffenheit des Schädels.
— Schädelnaht, k. nahtförmige Verbindung der ein-
zelnen Schädelknochen. — Schädelspalten, n. das Spalten
der Schädel im Kampfe: nun soll es an ein schedel-
spalten Goethe Faust I. — Schädelstätte, L. Ort der
Schädel; Verdeutschung von Golgatha Matth. 27, 33;
dasz das feld von der teinde heer gleich einer schedel-
stat geblieben Weckherlin 371.
Schaden, Schaden bringen oder zufügen; gemein-
germ., ursprünglich starkes Verbum, so goth. skabjan
(Prät. skoöp), und altengl. sccaban (Prät. scod, sceöd),
aber schon in der alten Spr., zum Teil ausschließlich,
auch schwacher Conjugation folgend, altnord. skeja
und skaöa, altengl. skeôdan, altfries. skuthia, ahd.
seadõn, mhd. mud. schaden; im frühen Nhd. tauchen
starke Formen wieder auf, Prät. schnede, Part. pe-
schaden Zimm. Chron. 4, 225; vorber schon ein Prät.
schied nach Art der reduplizierten Verben Weinhold
mhd. Gramm.-, 464, die jedoch nicht Fuß fassen. Bed.
von dem Begriff der Verletzung ausgehend, gemäß dem
Sinne des Subst. verlaufend; mit persönlichem Subj.,
— im feindlichen Ansturm verwunden: si ne scadeten
niwit mér sider, wen daz si di trünt irträten, so si
dunnen gäheten (sich in eilige Flucht wendeten) Lam-
precht Alexand. 4441; verletzen: si (meine Herrin)
schndct ir vinde niht, und tuot ir triunden wẽ Walther
59, 25; (der Igel) beslenzt sich umb und umb mit
seinen dornen, wenne man im schaden wi! Megen-
berg 138, 6; in allgemeinerer und gemilderter Bed.,
Schaden, Leid, Nachteil zufügen, mit perfönlichem Dat.:
swer mir schade an miner freuwen Minnes. Frühl.
58, 11; so würde der feind doch dem könige nicht
schaden Esther 7, 4; wer ist, der euch schnden kundte
l. Petr. 3, 13; refl.: ein solcher giftiger mensch, schadet
jm selber Sir. 6, 4; sich bei cinem schuden; ohne Dat.:
das sio (böse Geisier) nicht mehr schaden können Tob.
6, 9; es ist der bösen art, dasz sie zu schaden suchen
1Uz 2, 109; weil ihm (dem Empörer) die kraft zu
schaden genemmen war Freytag Bild. 1, 187; — mit
sächlichem Subj., Nachteil bringen: Aus schüt ir nibt
und ist mir iemer guot Minnes. Frühl. 215, 18; schweigen
schadct dir nicht Sir. 19, 7; was schads dem Ennio,
wann ihme schon der neidig tropf Horat .. beschuldigt,
Garg. 37; ein wenig geiz schadct dem weibe nichts
Goethe 15, 286; als begütigende Formel: das schadet
gar nichts, kurz auch in gewöhnlicher Rede schadt pichts!;
höhnend: diese zurechtweisung kann ihm gar nicht
schaden; in Bezug auf Körper und Gesundheit: so
sollen dir diese bitter verfluchte wasser nicht schuden
4. Mos. 5, 19; dem (NRoß) soll man cine nasse dccke
uberlegen, so vergeht ihm die mude und sebadet ihm
nichts Hohberg 2, 1560b; es wird ihr hoflentlich nieht
sehaden Goethe Faust 1.— schadhaft, Schaden bringend
oder habend, ahd. scadahaft, mhd. schadchuft; in älterer
Spr. auch — Schaden zusügend: schadhaft, schüdlich,
das schaden und verlust bringt Maaler; schadhalter
mensch, %0 „% eæritiabilis, insestus, Madeiches Stieler;
Schaden habend: der schadchafte erward ie spot Parz.
289, 11; jetzt in diesem Sinne nur noch von Sachen,
— Schaden, Verletzung zeigend: schadhaftes glas, bein,
gebäude, schadhuft sein, werden, das duch ist schad-
base Adelung; einen schadhaften festsitzenden zahn
Goethe W. Meister 1, 15; besserte. am schndbaften
wamms Freytag Ahnen 5, 5. — schädigen, Schaden
zufügen, verletzen; mhd. schndegen, sehedegen, Ab-
leitung von einem der älteren Spr. angehörigen Adj.
schudig Schaden bringend oder habend; häufig in be-
schldigen (s. d.), so daß sogar Adelung das einfache
Wort für veraltet erklären konnte, doch ist es in neuerer
Spr. wieder empor gekommen; mit perfönlichem Acc.,
einen verletzen, verwunden: er sluoo und wolt
in geschedeget han Alpharts Tod 272; — Nachteil zu-
Schädigung — Schaf. 244
fügen: dein landsfreundt schedigen und jbnen so gar
nichis nutz scin Paracelfus Opp. 1, 30; durdurch
sie dann euch schedigen in leib und gut 563; damit
er nicht seine genosscnh durch ubergrosze ruhrigkeit
schüdige Freytag Bild. 1, 73; sintemal die böse kriegs-
zeit stadt und land hat schwer geschädigt Schesiel
Tromp. 168; mehr innerlich gewendet: hat euch der
burgvogt an der ehr geschadiszt? Schiller Tell 1, 1;
in seinem sclbsigefuhl geschädigt Freytag Bild. 1, 17;
mit sächlichem Acc., besonders in heutiger Spr.: dasz
Sie die ganze reform unserer linanzen aufs schwerste
schädigen Bismarck Red. 12, 55; ohne dic interessen
der beteiligten zu schüdigen 16, 205; (Gott) der alles
vergalt, was schlechtigkeit und ungluck dieser welt
dem menschen schadigte und raubte Freytag Bild.
1, 470; ohne Obj.: wenn alle schadigen, alle lciden
Goethe Faust II, 1; — dazu Schädigung, f#schüdigung
der familienehre Freytag Bild. 1, 180; in milderem
Sinne, — Beeinträchtigung: moin selbstgefüuhl hat in
diesen tagen grosze echadigung erfahren Handschr.
3, 265. — schädlich, zum Schaden geeignet, Schaden
bringend, ahd. scadalih, mhd. schadelieh, schedelich;
in schärfster Bed. von Personen, — feindlich angreifend
und verletzend, übelthäterisch: wan cr das uberfur (und
wieder ins Land käme), so selt man über in richten
als uber nin schedelichen man D. Städtechr. 1, 310;
wir haben diesen man funden, schedelich, und der
aufrhur erreget Ap. Gesch. 24, 5; von Dingen, = ver-
derblich: errettet mich . von der schedlichen pestilenz
Ps. 91, 3; alle jre lero ist schedlich und erlogen
36, 4; ein falscher gehorehet gerne schedlichen zungen
Spr. Sal. 17, 4; die schedlichen fliegen Pred. Sal.
10, 1; ein schedlich wetter Jes. 28, 2; du schedlicher
berg Jer. 51, 25; ein schedlich wossen Hes. 9, 2 (vorher
ein mördlich wotten 1); eine schüädliche krankbeit,
schüdliche verrätberei, tbat u. s. w. Steinbach; in
gemildertem Sinne, in älterer Spr. — betrübend,
jämmerlich: cin klaglicher oder schädlicher tod, der
übel zu bedauern ist. #urrrösem funus Maaler; Nach-
teil bringend, die einzige bis jetzt gebliebene Bed.: alles
was von anfang geschaffen ist, das ist dem fromen gut,
aber den gottloscn schedlich Sir. 39, 30; schudliche
krünter, cine schädliche speise (ungesunde), schudlicher
nebel, eine schüdliche lult, der trost ist deu bäumen,
die erkültung der gesundheit schüdlich Adelung; es
gewäbrt die liebe gar oft ein schüdlich gut Goethe
Tasso 4, 4; hette sich die theaterkritk wio ein
schädlicher schwamm an den gesunden baum der drama-
tischen kunst angesetzt Treitschke 2, 22; Gegensatz
zu nützlich (s. d.): er fragt nicht danach, ob cs ihm
nutzlich oder schadlich sei. — Schädlichlkeit, l. schäd-
liche Art. — Schädling, m. Schaden bringendes Ge-
schöpf; Wort erst der jetzigen Spr.: (Pflanzen die)
immer als schädlinge nuftreten, die Parasitischen pilze
Ausland 1897, 928b; vgl. auch nutzung.
Schaf, n. Name eines Wolle tragenden Nutieres;
nur westgerm., an Stelle eines gemeingerm. (goth. avis,
abd. awi, mhd. awe) empor gekommenes Wort, dem
sanskr. chäga Bock urverwandt und wahrscheinlich so-
nach aus der engeren Bed. des Schafbockes erweitert:
altengl. scedp, altsächfs. scap, ahd. scät, mhd. schaf.
Plur. in der alten Spr. wie der Sing., der heute all-
gemeine Plur. schafe schon im 14. Ih. mitteldentsch:
ch sende üch alse di schäfe mitten undir di wolso
Behaims Evang.-Buch, Matth. 10, 16. Nach Nutzbar-
keit und Eigenschaften viel in Sprichwörtern, Nedens-
arten, Vergleichen: fromm, sanft, geduldig, dumm wie
ein schaf; es gebn vil gut schaf in einen engen stall
Garg. 184; wer sich zum schale macht, den fressen
die wölfe. ein räudig schaf stcckt die ganze herde an.
man soll die schafe scheren, aber nicht rupfen. de
Bgezählten schafe friszt der wolf auch. das schaf hat