l. Der Staat des Deutschen Ordens in Preußen. 75
die Gebietiger in Ehrbarkeit und die Brüder in frommer Zucht
gehalten, über Rittern und Edelleuten gerecht gewaltet, Bürger
und Bauern loblich regiert, Witwen und Waisen versorgt, nicht
minder aber auch die Litauer mit Krieg heimgesucht, zerstörte
Ortschaften wieder aufgerichtet und feste Burgen erbaut, im
übrigen jedoch sich des Kriegeo nach Möglichkeit enthalten, so
daß der Orden sich unter ihm des besten Rufo erfrente: so läßt
ihn diese Fülle des Lobes als das Ideal eines Fürsten erscheinen,
mag auch ein Teil davon auf Nechnung des Gegensatzes
kommen, in dem gleich die nächstfolgenden Zeiten zu der
seinen standen. Bezeichnenderweise wird des Meisters Wirken
innerhalb des Ordens vorangestellt, gewiß weil gerade in dieser
Hinsicht bald so vieles so anders wurde. Wenn Winrich die
Statuten durch Bestimmungen ergänzte, die den Ordensbeamten
schonende Behandlung der Unterthanen zur Pflicht machten, so
zeigt das, daß schon damals über Ausschreitungen der Art geklagt
wurde. Ebenso führte er regelmäßige Visitationen der
Ordenshäuser ein. Um die Brüder besser für ihre Thätigkeit
als Beamte vorzubereiten, errichtete er in Kulm eine Akademie,
wo namentlich die Rechte gelehrt werden sollten. Sie krönt
den planmäßigen Ausbau des preußischen Schulwesens durch
den Orden. Schon seit Beginn des 14. Jahrhunderts waren
neben den elementaren Volksschulen auch Pfarrschulen und
städtische Anstalten entstanden, auf denen Latein gelehrt wurde,
wie die schon 1300 erwähnte Ratsschule zu Elbing. Der Bischof
von Ermeland hatte in Wormditt eine Anstalt zur Ausbildung
seiner Hofjunker und in Heiloberg ein Seminar für junge
Geistliche preußischer Abkunft errichtet. Auch auf diesem Gebiet
hatte Preußen das Mutterland bereits eingeholt. Das
bezeugt auch das Erblühen der preußischen Geschichtschreibung,
die dem ihr gebotenen großen Stoff gerecht wurde.
Eine solche Pflege der geistigen Interessen aber war doch nur
möglich zu einer Zeit, wo des Landes Kräfte kriegerisch meniger
in Anspruch genommen waren. Geruht haben die Waffen freilich
auch unter Winrich von Kuiprode nicht. Denn noch erfüllte
die eine oder die andere Grenzlandschaft gelegentlich ein
plötzlicher Litauereinfall mit den Schrecken des Heidenkampfees.