Weißenburg. 41
französischer Seite die Stadt Weißenburg. Früher war dieselbe eine
deutsche Reichsstadt gewesen, im Jahre 1673 hatte Ludwig XIV. sie
vom Reiche abgerissen. Seit dem Jahre 1705 ist Weißenburg von
den Franzosen befestigt, es beginnen hier die berühmten Weißenburger
Linien, welche sich zwei und eine halbe Meile lang an dem kleinen
Flusse Lauter bis zu der ebenfalls befestigten Stadt Lauterburg ziehen.
Sie bestehen aus Gräben, Wällen und Schanzen, folgen zickzackförmig
der Grenze und werden durch vorgebaute Schanzen noch verstärkt.
Die Stadt Weißenburg selbst ist mit Mauern und Gräben umzogen
und ist Festung dritter Klasse. Südlich der Stadt in einer Entfernung
von etwa dreitausend Schritt liegt der Geisberg, 230 Fuß höher
als die Stadt.
Besetzt waren die Weißenburger Linien von einer Division vom
Korps des Marschalls Mac Mahon unter dem Oberbefehl des Generals
Abel Douai (Bruder des Korpsführers). Bekanntlich war Mac
Mahon der tapferste und berühmteste der französischen Heerführer, seine
Truppen waren die Auslese der französischen Armee, Krieger, welche
in Algerien so oft im Kampfe gewesen, unter ihnen mehrere Regimenter
Turkos und Zuaven. Diese ganze Division stand in Weißenburg
und auf den umliegenden Höhen, von welchen die Stadt und
ihre Umgebungen völlig beherrscht werden.
Am 4. August Morgens 4 Uhr brach die dritte deutsche Armee
aus ihren Bivouaks, der Kronprinz aus seinem Hauptquartier Landau
auf, um sich in den Besitz der Weißenburger Linien zu setzen. Die
vierte baiersche Division sollte die Stadt Weißenburg nehmen, das 5.
und 11. preußische Korps sollten die Linien, die man stark besetzt
glaubte, stürmen, die badische und würtembergische Division sollten
Lauterburg besetzen.
Der Kronprinz von Preußen begab sich früh um 6 Uhr an die
Spitze der Baiern und leitete selbst die Angriffsbewegungen. Bei dem
pfälzischen Dorfe Schweigen begannen zwei Batterien der Baiern um
8½ Uhr Morgens das Feuer gegen die Stadt und den Geisberg.
Um dieselbe Zeit hatte das preußische 5. Korps die Linien erreicht,
und da es dieselben unbesetzt fand, marschirte es sofort auf den Kanonendonner
los, und schon um 9 Uhr kündigten die preußischen Ge-