Full text : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

Weißenburg.  41

französischer  Seite  die  Stadt  Weißenburg.  Früher  war  dieselbe  eine
deutsche  Reichsstadt  gewesen,  im  Jahre  1673  hatte  Ludwig  XIV.  sie
vom  Reiche  abgerissen.  Seit  dem  Jahre  1705  ist  Weißenburg  von
den  Franzosen  befestigt,  es  beginnen  hier  die  berühmten  Weißenburger
Linien,  welche  sich  zwei  und  eine  halbe  Meile  lang  an  dem  kleinen
Flusse  Lauter  bis  zu  der  ebenfalls  befestigten  Stadt  Lauterburg  ziehen.
Sie  bestehen  aus  Gräben,  Wällen  und  Schanzen,  folgen  zickzackförmig
der  Grenze  und  werden  durch  vorgebaute  Schanzen  noch  verstärkt.
Die  Stadt  Weißenburg  selbst  ist  mit  Mauern  und  Gräben  umzogen
und  ist  Festung  dritter  Klasse.  Südlich  der  Stadt  in  einer  Entfernung
  von  etwa  dreitausend  Schritt  liegt  der  Geisberg,  230  Fuß  höher
als  die  Stadt.

Besetzt  waren  die  Weißenburger  Linien  von  einer  Division  vom
Korps  des  Marschalls  Mac  Mahon  unter  dem  Oberbefehl  des  Generals
  Abel  Douai  (Bruder  des  Korpsführers).  Bekanntlich  war  Mac
Mahon  der  tapferste  und  berühmteste  der  französischen  Heerführer,  seine
Truppen  waren  die  Auslese  der  französischen  Armee,  Krieger,  welche
in  Algerien  so  oft  im  Kampfe  gewesen,  unter  ihnen  mehrere  Regimenter
  Turkos  und  Zuaven.  Diese  ganze  Division  stand  in  Weißenburg
  und  auf  den  umliegenden  Höhen,  von  welchen  die  Stadt  und
ihre  Umgebungen  völlig  beherrscht  werden.

Am  4.  August  Morgens  4  Uhr  brach  die  dritte  deutsche  Armee
aus  ihren  Bivouaks,  der  Kronprinz  aus  seinem  Hauptquartier  Landau
auf,  um  sich  in  den  Besitz  der  Weißenburger  Linien  zu  setzen.  Die
vierte  baiersche  Division  sollte  die  Stadt  Weißenburg  nehmen,  das  5.
und  11.  preußische  Korps  sollten  die  Linien,  die  man  stark  besetzt
glaubte,  stürmen,  die  badische  und  würtembergische  Division  sollten
Lauterburg  besetzen.

Der  Kronprinz  von  Preußen  begab  sich  früh  um  6  Uhr  an  die
Spitze  der  Baiern  und  leitete  selbst  die  Angriffsbewegungen.  Bei  dem
pfälzischen  Dorfe  Schweigen  begannen  zwei  Batterien  der  Baiern  um
8½  Uhr  Morgens  das  Feuer  gegen  die  Stadt  und  den  Geisberg.
Um  dieselbe  Zeit  hatte  das  preußische  5.  Korps  die  Linien  erreicht,
und  da  es  dieselben  unbesetzt  fand,  marschirte  es  sofort  auf  den  Kanonendonner
  los,  und  schon  um  9  Uhr  kündigten  die  preußischen  Ge-