Metadaten : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

204  Oberpfalz  u.  Regensburg.

Wir  bemerken  hieher  noch  schließlich,  daß  gegenüber  den  mannigfachen
dtalektischen  Ausstoßungen  von  Vokalen  die  Einschaltung  eines  solchen  stattfindet,
  wo  insbesondere  eine  ältere  vollständigere  Wortform  nachklingt,  wie  in
Héms#d  (Hemd,  mhd.  hemede).  Aehnliche  Einschaltungen  sind  Scholik  =
Schalk  (Jacke),  Schölich  (Schelch,  Kahn),  Kelich  (Kelch),  wohl  auch  moring
(morgen).  Hingegen  ist  die  dialektische  Schreibweise  Houarn,  balbeiern,
kouarn  (für  Horn,  balbieren,  Korn  und  Aehnliches),  wonach  ein  verklingendes
  &  oder  §  eingeschaltet  zu  sein  scheint,  zuverläßig  unrichtig.  Dieses
4&  oder  &  tritt  vielmehr  an  die  Stelle  des  ausgestoßenen  r,  also  Hauän,
kouän,  Sing.  Hausf  (Haar).

B.  Dialektische  Aussprache  der  Consonanten.

B.  P.  Der  Lippenbuchstabe  b  fällt  im  Auslaute  häufig  weg,  wie  Bou,
gdl  (gelb);  bisweilen  auch  in  der  Mitte  des  Wortes,  namentlich  vor  dem  t,
dem  er  sich  gerne  assimilirt,  z.  B.  git,  bleit  (gibt,  bleibt),  Léttä  (Lebtag).
Er  lautet  weich  wie  w  als  Inlaut,  vor  unbetonten  Vokalen  oder  1  undr,
wie  Säwl  (Säbel),  owacht  (Obacht).  Mit  der  Endsilbe  en  schmilzt  er  in
bm  zusammen:  läbm,  gébm.

up  klingt  nach  dem  ganzen  Charakter  des  Dialekts  weicher  als  im  Hochdeutschen,
  namentlich  am  Ende  unflektirter  Silben  mit  f,  so  Köbf,  Zobs,
Schobf,  im  Plur.  aber  Kepf,  Krèepf.

D.  T.  d  sehr  vereinzelt  wie  g  vor  1,  z.  B.  Wau  sigl  (Wundsiedel).
t  weicher  als  im  Hochdeutschen,  z.  B.  bed  (bete,  dagegen  bèot'n),  sehléd
(schlecht),  namentlich  in  der  Ostoberpfalz;  schärfer  im  Sulzbachischen  (Vatt,
Moutä).  Es  wird  elidirt  in  is  statt  ist.

F.  Bisweilen  etwas  verschärft  —  als  Auslaut  der  Stammsilben  —  in
Infinitivformen,  so  schläff’n,  sträff  n.

C.  Ch.  G.  K.  Das  weiche  oberpfälzische  Idiom  läßt  eine  Verschärfung  des
ch  in  g  #(wie  baherisch  ehrlige,  frelige)  oder  des  g  in  k  im  Allgemeinen
nicht  oder  nur  in  wenigen  Ausnahmen  zu  (nach  scharfem  ss,  z  oder  tz  in
zusammengezogenen  Formen,  wie  zwanzk-  dreissk  rc.  oder  in  weck  =  weg).
Gegentheils  wird  insbesondere  westlich  der  Vils  das  g  im  Auslaute  oder  am
Silbenende  häufig  wie  ch  ausgesprochen,  z.  B.  i  moch  (mag),  Berch,
Kreich  (Krieg),  zoch  (zog),  ä  F  rauch  (eine  Frage),  im  Birchland  (im  Gebirgsland).
  An  der  Naab  und  von  ihr  ostwärts  behält  es  seinen  eigentlichen
Schlaglaut.  Desto  häufiger  sind  die  Elisionen  von  ch  und  g.  Hochdeutsches
ch  insbesondere  fällt  weg:

1)  Im  Auslaute  von  mich,  dich,  sich  —  mi',  di,  si  (sé).  Nur  bei

nachdrücklicher  Betonung  wird  ein  gedehntes  sch,  mich,  sch  gebraucht.

2)  In  naur  (nach  =  nachher,  Nammittog  Nürnberg),  glei  (gleich),