Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Aummer  126
stener  gelten.  Was  bei  dieser  Stener  jetzt  noch
anfällt,  sind  nur  lleine  Beträge,  die  Hochkonfunktur
  ist  vorüber.  Es  ist  zu  wunschen,  daß
der  Entwurf  nicht  Gesetz  wird.  Was  den  Entwurf
  über  die  Gebühren  anbelangt,  so  coot  es
darunter  Gebühren,  denen  man  vielleicht  zustimmen
  könnie.  In  der  Gesamtheit  aber  ist
die  Vorlage  unannehmbar.  Zum  Schluß  wird
nihl  biel  dabei  herauslommen.  Daher  sell
der  Finamiminister  nur  suchen,  wie  er  auskommt.

6  ist  nicht  die  Aufgale  des  Landtages  und
enn  es  auch  nicht  sein.

Die  Schulfrage.

Zum  Schluß  streiste  Abg.  Scharnagl  noch
die  Schulfrage.  Angestrebl  wird,  daß  dort,  %%
die  Gemeinde=  oder  die  Kinderrerhättnfe
rsordern,  die  Halbtagsschule  erhalten  vioen
soll.  In  Betracht  kommen  hier  ha  uptüächsich
Vie  oderbayer#ischen  Verbällnitse,  die  wesentlich
anders  gelagert  sind  wie  in  anderen  Kreisen.
Das  Einödwesen  bedingt  weite  Entsernungen
von  der  Schule,  die  ramentlich  im  Winter  recht
mißlich  für  #1:  Kinder  werden  lönnen.  Dreba#b
wurte  bcantragt,  für  die  Gegenden,  in  denen  die
Verhälinisse  J%  gelagert  Iind,  den  Abteilungsunterricht
  einmführen.  Daß  den  Kindern  da-Hurch
  eine  bessere  Ausbildung  entzogen  werden
ünil,  daron  lann  keine  Rede  lsein.

Die  Zukunft.
Elbg.  Scharnagl  schloß  sein  Reserat  mit  einem

 

den  Aus#ick  auf  die  Zulunft.  Für  die
age  Finanzlage  nimmt  er  noch  die  Fähr-  



i#  leilen  der  ungünstigen  Zeiten  in  Anspruch.
Wenn  die  Verhällnisse  sich  bessern,  werden  wir
auch  eine  aeinnde  MWeiterentwicklung  wieder  hahen.
  In  ollen  Sparten  is  aler  eine  grosse
Maßtgleit  in  den  Forderungen  enseten.
Dann  muß  auch  ein  Ausgleich  auf  nakürlihem
  Wege  wieder  möglich  seie.  Graßtmog-I’he
  Sgarsamkeit  muß  dabei  mmer  m  ben
VNordergrund  gestellt  werden.  viedner  schloß
nüt  ver  Bitle.  dem  zentrum  Verttauen  ens
Genzudringen.

Neicher  Heifall  solgte  den  interessanten  Darlioungen,
  ute  frei  von  jedem  polemischen  Chata’'ter
  waren.  Es  war  lediglich  ein  instruitirer
und  orienticrender  Vortrag  über  mancherlei  pslitische
  Fragen  der  Jetztreit,  über  di:  Nähercs
zu  erfahren  allen  Versammlungsleilnehmern  gewi#
  willkommen  war.  Abg.  Scharnagl  hat  eine

   

urnaliche  Darstellung  darüber  geneben.  Der
(eschäfteführer  schloß  die  Versammlung  mit

eEiinem  empfehlenden  Hinweis  auf  den  VBolksborein
  und  die  Parteipresse.

 

Kommunales.
Sttng  des  Magistrats-Koegiums
Rosenheim.

Freitag,  den  29.  Mai  1914,
vormittags  9  Uhr.
(Schluh.)

Die  Schmiede'  Vuangeinsung  bPalt  vom  6.
Juni  bis  5.  Juli  einen  Kurs  für  Schmiere
lehrlinge  ab,  der  seden  Sonntag  nachmitiags
ron  2  4  Uhr  staltsindet.  Der  l.eine  Rathausjal
  konnte  dafür  nicht  zur  Verfügung  geseellt

erden.  Die  Eingabe  wird  an  den  Allg.  Gewerbererein
  verwiesen.  Die  Kurie  leitet  Be- 



Firlotierar2t  Rasberger.

Der  Errichtung  einer  Straßenkraverse  beim
Awtegericht  um  216  Ml.  wird  zugenimmi.

Vor  dem  Anwesen  Ellmaterraße  2  ist
Rinnenrflasterung  be  antragt:  die  Kosien  bekragen
  54  Mk.  Das  Trotloir  ist  mit  Bäittchen
iu  belegen.  Auch  die  Garteneinsahrt  wird  geneimigt.


Die  Abänderungen  am  Statut  des  Elektrizllätewmerkes
  wurden  von  der  Regierung  genehinigt.


Die  Cemeinde  Frasdorf  dankt  für  lleberlassung
  des  Delorationsmateria:  5  und  die  Bewi--iung
  der  Schullinder  an  Tage  der  Bahneröffmung
  mit  dem  Wunsche  zur  Aufrechterhaltung
der  guten  freundnachbarli  chen  Beiiehungen  zwischen
  P%n  jenheim  und  Fraskors.

Die  Regierung  rer-  tangt  die  Ausgießung  der
Praastersehen  bei  den  Verladerampen  und  die
Verlleidung  der  Verlatcchrücken  mit  Bied,  Die
Konen  mit  75  Mk.  werden  genchmigt.

Die  freie  Turnerschaft  erbitiet  für  das  fünfishrige
  Stiftungsfest  am  15.  und  16.  August
einen  Zuschuß  und  die  Enlfsend  ung  eines  städtischen
  Vertreters.  Da  fünfjährige  Sftungsfeste
noch  nie  mit  Zuschüssen  bedacht  wurden,  wurde
das  Gesuch  abgejebnt,  aus  dem  gleichen  Grune
I  die  Entsendung  eines  stäect.  Vertreters.

#  Beschluß  wurde  der  Konsequenzen  halber
vesfaßt.

Weißbierbrauereibesitzer  Schmitt  in  der  Heiliggeinstraße
  ersuchte  um  Genehmigung  des  Ausschanles
  von  Braunbier.  Der  Magistrat  lehnte
das  Gesuch  ab.  Die  Beschwerde  Schmitts  hiergegen
  wurde  von  der  Regierung  und  vom  Vermaltungsgerichtshof
  abgelehnt;  erenso  oi:  Beschwerde
  des  Hammerwirtes  gegen  die  Höhe  der
Staatsabgabe  für  die  Konzession.

Gemäß  einer  ministeriellen  Anregung  wurde
dem  Distriktsausschuß  ein  gewerblicher  Ausschuß
  angegliedert,  der  sich  aus  den  Mitgliedern
  der  Handelskammer  und  den  Vorstäuden
der  Fachkorporationen  aufammensetzt.  Das  Magistratslollegium
  beschließt,  in  den  Ausschu##
nur  die  Stadt  Rosenheim  und  nicht  das  Land
einzubegehen.

 

'  Rosenheimer  Anzelger

25  Jähre  bürgermeister.

Rosenheim,  30.  Mai.

Am  14.  Män  1914  waren  zweieinbalb  Dedennien

  verflossen,  seltoim  Bürgermeister  Friedrich
  Stoll,  der  erste  Bürgermeister  von  Rosenbeim
  rach  Erbebung  des  Markes  zur  Stadt,  aus
bieser  Zeitlichleit  geschieden  ist.  Am  29.  April
18839  vereinigten  sich  die  städtischen  Kollegien
zur  Wal!  des  neuen  Bürgermeisters.  Die  Wahl
siel  unter  acht.  Bewerbungen  auf  den  damaligen
rechtekundigen  Bürgermeister  von  Lauf  bei
Nürnberc,  Herrn  Josef  Wüst.  Wenige  Wochen
darauf  erbielt  dase  Wahl  ihre  Bestätigung.
Am  31.  Mai  1889  traf  der  neue  Stadtvorstand
in  Rosenheim  ein  und  am  1.  Juni  1889  wurde.
er  von  Bezjzirksamtmann  Auer  feierlich  in  sein
Amt  installiert.  Herr  K.  voftat  Bürger  meister
Wüst  begeht  also  an  diesem  1.  Jumi  sein  28.
jähriges  Jubilaum  als  Bärgermeister  der  Stadt
Rosenheim.  Es  lrifft  mit  der  goldenen  Jub  belseier
  der  Stadt  Nosenheim  zusammen,  die  sich
des  leltenen  Ereignisses  freuen  fann,  in  den
50  Jahren,  bir  seit  ihrer  Erhebung  zur  Stadt
verfrrichen  lind.  nur  zmei  Vorjlände  an  der  Spitze
inrer  Verwalkung  gesehen  zu  haben.

Als  die  burgerlichen  Kollegien  im  Jahr  1883
ihre  Stinr.,  uf  unseren  segigen  Stadloers.and
  EEIIIIEIEIIII
ten  im  Autie  ##ues  rechtskundigen  Bürgerm#-siers
  tätig.  Vem  städtischen  Verwaktungsweseie
sland  er  a.so  leineswegs  mebr  fremd  gegenuver.
Er  war  rielmehr  damats  ichon  als  ein  auege-Khnichneter,
  lenniereiker  und  gewissenhafter
Verwan.  igsramter  bekannt  und  erprobt.  Zu
Forchheim  iri  Jagre  19602  geboren,  ist  er  jetzt
54  Jahre  att.  Fali.  bi:  Hälfte  sein#  Leres
rerbrachte  er  im  Dienste  unserer  Stadt.  In
diesem  Viertelsarhundert  im  er  den  vor-  nnich'n
Charaktereigerschaften,  die  man  ihm  bei  Kiner
Wahl  schon  nachr#  hute,  unberrü  it  treu  geblie
len.  Pfüchteifer  und  Gewissenhaftigleit,  Arbeitssreudiglent
  und  Zurork'mmenbekt  begiei  e,
ten  stets  sein  Schaffer  n  und  Wir  Dahß  es
wie  im  gewöhul  chen  Leben  so  auch  einem  Stadtrvorstand
  selbn:  leim  besten  Willen  nicht  möglich
  ist,  immer  und  überal'  so  zu  wirken,  daß  alle
und  jeder  daron  befriedigt  sind,  ist  seistrer--ständlich.
  Eines  aber  rechnen  wir  Herrn  K.  Hofrat
  Bürgermeitn  er  Wüst.  sehr  hloch  an:  all  den
rielen  Fragen,  die  im  Laufe  der  langen  Jahre
seiner  Lesigen  Tätigleit  an  ihn  herant’aten,
widmete  er  sich  mit  dem  be#n  Wis  en.  Dabei
Zrichnete  sich  seine  Amtziührnng  immer  durch
red'e  Unparteilichleit  oaus.  Wir  wiffen:  in
den  Verbhandlungen  in  den  Hollegie  n  oder  in
Kanklleivrerlehr  gibt  es  manchmol  der  Augeinandersetzungen
  geung,  weische  nicht  inumer  #0  geführt
  werden,  wie  cs  vtelleicht  erwartet  oder
vorausgesetzt  werden  möchte;  allein  Herr  K.
Hofrat  #hust  ließ  sich  ourch  nichts  von  einer
unpartcit  schen  Leitung  abbringen.  Er  fand  siets
das  rechte  Wort  zu  rechter  Zeit.  Immer  ließ
er  sich  leiten  von  sirena  obsfeltiver  Beurteilung,
die  frei  war  von  jeder  Voteingenommenhe  t.  Er
üellte  sich  in  der  uneigennützigsten  Welse  in  den
Dienst  der  Stadt,  nur  eines  halte  er  sjlets  vor
Augen:  das  Wohl  und  die  Intereisen  der  Gesamtheil.
  Dabei  war  ihm  an  der  Pflege  des
Zuien  Einvernetmen=  zwischen  Stadt  und  Lan?
beson:  ders  gelegen.

In  diesem  seinem  Wirlen  und  Schaffen  waslen
  ihm  Ersoipe  nicht  rersant.,  Unter  seiner
Leitung  ar  N#enrim  einen  unerwarkelen  Aufichwung
  genommen.  Da;  gefamte  Gemeinwesen
  nahm  eine  überraschende  Cnwicklung.  In
den  eimelnen  Verwaltungszweigen  warer  gar
manche  Erweiterungen  erforderlich.  Wir  sehen
die  Volkoschulen  sich  rorkelbaft  ausgestalten,  wir
nerfolgen  mit  ifrendigem  Interesse  die  Aufwöärtsbewegaung
  de  Viitlelchi  sen  und  der  inen  an—
geglicder:  en  Inj  itute,  wir  sehen  unter  ihm  noch
in  den  lesten  Zayren  die  Errichtung  unterer
Töchterichule.  In  die  Zeit  seiner  Vetwallung
sälit  weiter  die  Errichtung  des  städt.  Elekteibeitätewerkes,
  dessen  Leitungenetz  heute  berets
eine  so  Lroße  Ausdehnung  erfaßren  hat,  daß
ein  Mehr  aum  och  möglich  L  glei  herWeise
EIIIIIIXX  Gaswert,  deisen  Erträgnisse
  nicht  wenig  3u  den  Finanzen  der  Start
beitragen.  Gerne  erinnern  wir  uns  auch  daran,
  daß  die  musterhafie  elektrische  Beleuchlung,
welcher  sich  unsere  Stadt  erfreut,  mit  auf  seine
Initiative  zurückzuführen  ist,  dah  die  prächtigen
Anlae  en.  die  das  Innere  unserer  Stadt  ichmüden
und  ihren  Gartencharalter  wesenllich  erhöhen,
daß  die  schattigen  Alleen,  welche  in  so  reicher
Mannigfaktigkeit  den  Gürtel  der  Start  umsäumen,
  ihm  zu  danken  sind.  Die  Hoch'ruckwasserleitung,
  die  Kanalisierungsan  agen,  der  innere
Ausbau  des  Krankenhauses,  und  wie  die  srädtischen
  Werle  und  Einrichtungen  auch  a#le  brißen
mögen,  sie  alle  sanden  in  unserem  Stadtrorsland
  einen  eifrigen  Pfleger  und  Förderer.

In  dieses  Vierteljahrhundert  fällt  auch  die
Zeit  reichen  wirtschaftlichen  Lebens  für  die
gekamte  Stadt.  Handel  und  Wandel,  Handwerk
  und  Gewerbe  haben  mit  profitiert  von  dem
Ausschwung,  der  unserer  Stadt  in  den  verlostenen
  zweieinhalb  Dezennien  beschieden  war.

Das  beimi  Gewerbe,  das  ansässige  Handmerk
  sand  von  Herrn  Bürgermeister  Wüst  stels
die  eifrigste  Förderung.  Immer  ist  er  darauf
bedacht,  alle  Zweige  nach  Möglichkei  6  zu  berütlichtigen
  und  Peruslichtigt  zu  lehen  auch  durch  die

 

  

   

rĩen.

   

 

beiden  Kollegien  und  die  einzelnen  Verwallungen.
  Wir  meinen,  daß  gerade  dieses  sein  Bestreben
  uneingeschränkt  Tenn  finden  wird
in  den  Reihen  des  hiesigen  Gewerbes.

Diese  Anerkennung  ist  wiederhol!  chon  sichllich
  zum  Ausdruck  gebracht  worden.  Das  Vertrauen
  der  Bürgerschaft  entfandte  Herrn  K.
Hofrat  Bürgermeister  Wüstl  vor  tlichen  Jahren
  schon  in  den  oberbayerischen  Landrak,  in
dem  sein  Wort  gar  große  Geltung  bat.  In
dieser  Korporatton  hat  er  noch  immer  eine  für
Rosenheim  Stadt  und  Land  erspriesliche  Tärigkeit
  a#  entfalten  gewußt.  Steht  er  doch  an
der  Spitze  des  ersten  Ausschutses  und  ist  auch
Mitolied  des  ld  n  Landrat?  ausschuĩses.  In

September  1899  war  es,  als  das  großze
Hochwasser  die  Stadt  heimsuchte.  Aklen  ist
noch  in  Erinnerung,  we  "Sch  eifrige  Tätigkeit  in
der  Behebung  der  Schären  dieser  Kataßt  ophe
er  entwidelte  und  in  der  unermüdlichen  Weiter
verfolgung  der  Hochwasserdammfrage  in  er
beule  noch  rastles  tätig.  ie  Döchsie  Stelle
anerkannte  dieses  sein  Wirken  damals  mit  einer
elrenden  Auszeichnung,  durch  die  Verleihng
des  St.  Micha#lsordens  4.  Klasse.  In  besonn  erer
  Würrigung  seines  bieiseigenSchafiens
murde  ihm  zum  1.  Jannar  1905  der  Tileiluins-Nang
  eines  K.  Hoftates  verliehen.  Und  alsder
  verewigie  Re  gent  am  12.  März  1906  seinen
85.  Geburts:  a  jeiert  e,  wurde  Hett  K.  Hoirat
Wöß  mit  der  Prinzregent  Lultpold  Merai#le
in  Silber  ausg#e:  eichnet.  Am  90.  Geburtsfest
des  Regenten  wurde  ihm  noch  der  Verdien·
orden  rom  hl.  Michael  3.  Klaise  verlieten.  Das
sind  ehrende  Auszreichnungen,  an  deren  Verleilung
  die  gesamte  Einwohnerschoft  herzliche
Freuode  mitempfand.

Aus  dem  geschäftllichen  Leben  wissen  wir,  da#
nicht  alle  Bestrebungen  zum  Qiele  führen.  In
einer  Stadtverwaltung  ist  es  nicht  anderr.,  Wern
nun  das  eine  oder  andere  im  Laufe  der  Jahre
innerhalb  der  siädt:  schen  Verwalzung  nicht  so
Crotückt  sein  sollte,  wic  es  vieileicht  bei  seiner
Etrierung  crhofft  oder  in  Aussicht  genelll  werden
  lonnte,  so  dürfte  dies  keinesfalls  in  persönlicher
  Hinsicht  gelenn:  eichet.  werden.  Da  wirten
Vex  leitumstände  mit  und  (end  Mamee  zu  beräcsichtigen,
  welche  in  ihrer  Gesamheit  ein  wesenich
  anderes  Bild  entsichen  laisen,  als  man

bei  nur  oberflächlicher  Betra:  btung  erhilt.
Wir  können  unserem  Stastvorstand  das  Zeugnis
  aussiell  n,  daß  er  stets  das  beite  Woi
len  in  den  Dienit  der  Stadt  gesteli:  hat  and  daß
Rosenhrim  mit  den  dabei  errungenen  Erfolgen
sich  gerro#st  in  die  vorderste  Reihe  der  bayccischen
  Städte  stellen  lann.

Doch  in  seiner  Verwaltungstätigleit  sieht
Herr  K.  #  Wün  sein  Schaffen  noch  nicht
erichövft.  Seit  vicien  Jahren  schon  Pheht  er  an
der  Spize  des  Verschön  crungsvereines,  auf  deijen
  Initiative  die  Schaffung  gar  vieler  unserer
berelihen  Alleen  zurüct  zuführen  ist,  die  benne
Einei:  nisch:  wie  Fremde  in  gleichem  Maßze
freuen.  Zn  gleich  unei  genn  üßiger  Weise  wir  er
Herr  K.  Lofra-  Wün  seit  langen  Jahren  schon
an  der  Spitge  des  Männervereins  vom  Roten
Kreuz;  all  dessen  Bestrebungen  wandte  er  sein
Krösites  Interesse  zu.  Wir  denken  da  namentlich
  auch  an  die  Sanitätslolonne  und  auch  an
die  Feuerwehr,  welch  beide  in  ihm  einen  eifri  Jen
Förderer  verehren.  Wir  erinnern  auch  an  die
Förderung  der  Kunft  in  unserer  Sla'ss.
Käll!  doch  die  reiche  Stiftung  der  Gemälde=Laleri:
  und  ihre  geschmadvolle  Einricheung  ge  ·
rade  in  seine  Jeit;  auch  der  Kunftverein  verehrt
  in  ihm  einen  verdiensvollen  Förderer.  Und
der  Historische  Verein  verdankt  feine:  Anregung
car  mancherlei.  In  diesem  Zutammenhange
möchten  wir  auch  der  mustierauttigen  Neuordnung
  des  Stadtarchio?  gereulen.  die  nanmehr
#em  Abschluß  gediehen  #n.  Der  Liedertafel

Lehört  Herr  K.  Hofrat  Wün  bereits  seit  seinem
o  ersein  an;  in  ihren  Annaten  sinden  wir  feinen
  Namen  schon  seit  dem  Jahre  1869  in  den
Reihen  der  außeror  denilichen  Mitaglieder  verzeichnet.
  Auch  in  vielen  anderen  Vereinen  wird
er  gern  als  Mitglied  und  Förderer  gefübrt.

Im  persönlichen  Verlehr  isr  Herr  K.  Hofra#
Wäst  liebenswürdig  und  zuvorkommend.  Sphweit
  er  in  den  verschiedenen  Fragen  entge  genlommen
  kann,  tut  er  es  gern  und  bereitwillig'
in  amilichen  wie  im  außerdienstlichen  Verkehr.D  Der
besse  Beweis  dafür  ist  wohl  in  der  allgemeinen
Verehrung  und  Hochschätzung  zu  erblicken,  der  er
sich  nicht  nur  in  den  Reihen  der  slär  licchen
Bramtenschaft  sondern  auch  ailenthalben  in  der
Einwohnerschaft  Rosenheimo  erfreut.  Nicht  zuletzt
ist  diese  Tatfache  sowohl  auf  seine  enerzirran
Umsicht  in  der  inneren  Verwaltung,  als  auch
auf  seine  scharf  ausgeprägte  Gerechtigkeitsliebe
dcgenüber  allen  zuülzufähren.

An  seinem  Jubkläum  nimmt  die  ganze  Staot
freudigen  Anteil.  In  der  Anerkennung  seiner
vielsachen  Verdienste  schließt  sie  sich  den  sött.
Kollegien  gerne  an  und  entbietet  Hrn.  K.  Hofrat
  Wüst  zu  seiner  Jubelfeier  die  hergiichsten
Glückwünsche.  Auch  wir  stellen  uns  zu  den  Gratulanten
  mit  dem  Rufe:  Ad  multos  annos!  Mögen
  der  Stadt  Rosenheim  die  Erfolge  seiner  ersprießlichen
  Tätigkeit  auch  in  Zukunft  in  reichem
  Mahe  zuteil  werden!  A.  U.  B.

 

 

 

Sonntag,  31.  Mai  1914

Vorbereitungen  füc  die  Jubiläums-Gewerbeausstellung.

Rosenhelm,  30.  Mal.

Der  Allgemeine  Gewerbeverein  Rosenheim  hatle
  für  Freitag  zu  einer  Plenawersammlung  im

Ztockhammerbräu  Einladung  ergehen  lassen,  der
von  der  Geiamtmitgliedschaft  wie  auch  von  allen
Auestellern  von  hier  und  Umgebung  sehr  hll.
reich  entsprochen  wurde.  Verdienen  doch  die
ürchungen  des  Jubelvereins  allgemeines  Irterese.
  Und  was  lönnte  anregender  sein,  als
eine  Ausstellung  in  den  Mauern  unserer  Stadt?

Der  1.  Vorsitzende,  Herr  Acchitekt  Schreitenseger,
  eröffnete  die  von  zirka  50  Herren  besuchte
  Versammlung  und  hieß  alle  im  Namen
des  Ausschusses  herzlichst  willkommen.  Aus  den
ron  Hrn.  Schlossermeister  Koch  als  Schriftführer
  verlesenen  Protokollen  erfuhren  wir  nachmals
  die  Beschlüise  des  Vereins  über  die  Ver

anftaltung  der  Ausstellung.  Das  Ar  rbeitelammiler.
setzt  jich  aus  den  Herren  Koch,  Maier  und  Giell
miammen.  Wir  erfuhren  serner,  daß  der  Entkzurf
  zu  der  wirkungsvollen  Rellamemarke  des
Vereins  von  Hrn.  Malermeister  Probst  stammt.
Neken  dem  Arbeilslomitee  besteht  noch  ein  Aussiellungskomitee,
  in  welches  Herr  Schlossermeister
Wolf  als  1.  Ebrenvorsfitzender  und  Herr  Weißgerbermeister
  Bauer  als  2.  Ehrenvorsitzender  gemählt
  wurden.  In  di:  Ausstellungsleitung  teilen
  sich  Herr  Hafnermeister  Greadl  und  Herr
Architelt  Schrellemeger.  Auch  mit  dem  Finanzwesen
  hat  sich  ein  eigener  Ausschuß  zu  befassen.

Dann  wurde  noch  bekanntgegeben,  daß  die
Anchung  des  Fremdenverkehrsvereines,  ein  od.
hrere  Musterzimmer  zur  Ausßellung  zu  brinder

  Schreinewereinigung  hinübergeleitet
irde.

Hierauf  ũbertrug  Herr  Schrettenieger  mit  Einrorändnis
  der  Versammlung  den  Vorsiz  Hrn
Hosschlaisermeister  Wolf,  welcher  zunächst  fũc  die
Ernennung  zum  Ehrenvorsitzenden  dankte  und
als  Gegenleistung  seine  ganze  Kraft  in  den  Dienst,
ieines  Ehrenamtes  zu  seßen  vorsprach.  Dann
betonte  er,  daß  die  glänzene  Turchführung  der
letzten  Ausstellung  vor  allem  dem  einigen  Zusammmenwirien
  der  ausstellenden  Handwerksmeister
  zumschreiben  i##l.  Im  heurigen  Jahre  steh
der  Verein  wiederum  vor  wichigen  Aufgaben,
gediegene  Arbeiten  der  Teffentiichkei  zu  unterbreiten.
  Leicht  in  die  Aufgabe,  weil  das
senheimer  Handwert,  wie  auch  seine  Industrie
auf  der  Höhe  der  Zeit  steht;  schwer  ist  sie  in
Himict  auf  die  verworrene  wirtschaftliche  und

politische  Lage.  Redner  schleß  mit  der  Furersichtlichen
  Hoffnung,  daß  auch  die  neue  Ausstellung
  wieder  ein  gänzendes  Zeugnis  von  dem
Fleiße  und  Können  des  Hamndwerks  und  der
Industrie  Rosfenheims  ablegen  wird.  Im  Anschluß
  daran  übergab  der  Ehrenvorsitzenoe  dem
Verein  den  ersten  Jahresbericht  des  allgemeinen
Gewerberereines  aus  dem  Jahre  1865,  auf  den
wir  noch  zurückkommen  werden.

Da#n  rerlas  Heir  Gradl  die  Bestimmungen
über  die  Ausstellung,  an  denen  im  Laufe  der
vacholgenden  außerst  lebhaften  Debatte  maners
  geändert  wurde.  Betitreit  in  das  Unternehmen
  „Juliläumsausst  ellung  des  allgeneinen  .
brerbevereins  Rosenheim  1864  1914.7  Der  Zweck
der  Ausszellung  it,  anläßlich  des  50jähr.  Beshchens
  des  Vereins  und  des  Stadtjubiläums
die  Erzeugnisse  des  Hanzwerks,  der  Indnstrie
und  sonftigen  Erwerbemeige  vor  Augen  zu  führen.
  Die  Aussiellung  findet  vom  5.  bis  20.  Sept.
in  der  Turnhalle  und  den  annoßenden  und  ange-auten
  Raumlichteilen  stalt.  Eingeteilt  wird
die  Aussiellung  in  vier  Gruppen:  al  Gewerbe,
I)  Sport,  c)  Industrie  und  fabrikmaßig  hergeüelite
  Maren  aller  Ark,  d)  gewerbsmäßiger  Handel
  mit  Artilein  des  Gewerbes  und  der  Indntrie.
  Zugclassen  werden  alle  Gewerbetreibenen,

  die  ihren  Siz  in  Rosenheim  Baben  und
Mirelied  des  Vere'nes  find,  und  alle  Auswär-=lipen,
  wenn  sie  Mitglieder  des  Vereines  werden
und  auf  2  Jahre  den  Beitrag  entrichten.  Die
Platzgebübren  waren  schon  festgesetzt;  es  entsfrann
  sich  indessen  eine  lebhafte  Debatte.  Zum
Schuuß  wurde  solgendes  feugesetzt:  Der  vollständig
  freistehefide  Matz  loftet  pro  Quadratmeier
  1  Ml.  und  wird  nur  an  Mitglieder  abgegeben.
  Die  Boden=  und  Wandflächen  weroch
  an  Mitolieder  um  1.50  und  an  Nichtmitglieder
  um  k.  pro  Quadratmeter  abgegeben,
ohne  jeglichen  Rabatt.

Auch  die  übrigen  Bestimmungen  über  die
Ausstellung  wurden  noch  festgesetzt,  o  über  die
Zulassung  von  Arssiellungsgegenständen,  über
bie  Rellame,  über  die  Firmenschilder  usw
Schluh  der  Ausstellung  sindet  eine  Warenverlofung
  a#,  die  unler  magistraticher  Kontrolle
sieht  und  deren  Ergednisse  in  den  Lokalblättern
bekanntgegeten  wird.  Bei  Meinungsverschiedenheiten
  entscheidet  ein  Schiedsgericht,  das  sich  aus
je  einem  Vertreter  der  Gegenparteien  und  des
biesisen  Stadtmagistrats  zusammensetzt.  Für  alle
Ferderungen  steht  dem  Verein  kas  Pfandrecht
auf  die  Aussiellungsgegenstände  eines  fäumigen
Zahlers  zu.  Die  Anlieferung  zur  Ausstellung  hat
vom  1.—3.  Sept.  zu  geschehen.

Ferner  wurde  beschlossen,  an  die  uRüussteller
eine  Auszeichnung  zu  gewähren.  Welcher  Art
diese  Auszeichnung  sein  soll,  ob  Diplom  vder
Medaille,  darüber  hat  der  Ausschuß  3
den.  Auch  ein  Antrag,  den  Ausstellern  bei  günstigem
  Abschluß  50  Prozent  des  Ueberschussen
Iöcuvergüten,  wurde  angenommen.  Der

gen.
wiu