Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten. 1816. (7)

—  3235  —

wesen,  selbst  Benediktiner  zu  werden;  er  ist  aber  trotzdem  zu
dem  Schluß  gekommen:

„Ich  habe  den  Geist  christlicher  Selbsttötung  ahnen  gelernt,  aber
ich  bezweifle,  ob  bei  einer  derartigen  asketischen  Richtung  wahrhaft
große  Leistungen  auf  dem  Gebiete  des  tatkräftigen  Geistes,  namentlich  der
Wissenschaft,  möglich  sind.“

„Soviel  ich  weiß,‘‘  fügt  Baumstark  in  seinem  ‚Plus  ultra‘
hinzu,  „hat  Beuron  mich  noch  nicht  widerlegt.‘  Seitdem  ist  ein
weiteres  Menschenalter  ins  Land  gegangen,  ohne  daß  der  Welt
von  den  „wissenschaftlichen‘‘  Leistungen  der  Beuroner  Mönche
etwas  bekannt  geworden  wäre.  Der  weltberühmte  ‚Benediktiner‘‘
ihrer  Brüder  in  Frankreich  zeugt  von  einer  andern  Art  Geist“.

Die  ‚„wissenschaftliche‘‘  Leistung  im  Kloster  hält  übrigens
keineswegs  nur  religiöse  Asketik  hintan.  Wenn  sich  römischkatholische
  Ordensleute  oder  Priester  mit  ‚Wissenschaft‘  abgeben,
  so  kann  dies  nur  in  apologetischem  Sinne  geschehen,
jedenfalls  nur  soweit,  als  dadurch  die  kirchlichen  Glaubenssatzungen
  nicht  erschüttert  zu  werden  drohen.  Insofern  es  sich  um
Wissenschaft  als  solche,  um  Erkenntniswerte  handelt,  dient  das
wissenschaftliche  Rüstzeug  der  Betreffenden  nicht  nur  nicht  dazu,
die  wissenschaftliche  Erkenntnis  zu  fördern,  sondern  diese  zurückzudrängen,
  womöglich  im  Keime  zu  ersticken.  Dies  gilt  zumal
auch  von  jenen  Jesuiten,  welche  sich  mit  ihren  ‚‚wissenschaftlichen‘‘
  Leistungen  so  gern  brüsten  und  ihretwegen  so
gerühmt  zu  werden  pflegen.  Bedarf  doch  jede  Publikation,
und  wenn  es  sich  um  ein  mathematisches  oder  astronomisches
Problem  handelt,  der  Genehmigung  der  kirchlichen  Zensur!
Wem  würde  es  denn  auch  heute  beikommen,  ein  Kloster  zur
Förderung  der  Wissenschaft  zu  gründen?  Die  Klöster  sind  vielmehr
  längst  dazu  da,  den  Glauben  und  mit  ihm  den  kirchlichen
Aberglauben  zu  pflegen  und  zu  züchten,  der  Wissenschaft  zum
Trutz!  —  Eben  weil  sie  sich  hierzu  besonders  eignen,  erachtet  sie
die  Ecclesia  militans  als  ein  so  wertvolles  Rüstzeug.

Vor  allem  möchte  das  päpstliche  Rom  wieder  dieSchule
an  die  Klöster  bringen!  Nicht  nur  dadurch,  daß  Erziehungsanstalten
  innerhalb  ihrer  Mauern  erstehen,  sondern  auch  durch
Heranbildung  von  Schulbrüdern  und  -Schwestern,  welche  in
„freien“,  womöglich  auch  in  staatlichen  Schulen  Anstellung
finden  und  sich  so  derselben  tatsächlich  bemächtigen.  Reichensperger
  wies,  um  der  Ausschaltung  dieser  römischen  Schul-