Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Nummer  140
———““s  "

Als  nächsten  Gegenstand  wurden  die  Kreisbesehle
  und  Anordnungen  des  Landesaueschusses
bekanntgegeben.  Vom  24.—26.  September  sinden
  auf  der  Hauptfeuerwehrwache  in  München
die  Führerkurse  statt,  zu  dem  jeder  Bezirk  mindestens
  einen  Chargierten  abzuordnen  hat.  Für
jeden  Teilnehmer  sind  von  der  Bezirksverbandslasse
  5  Mk.  zu  leisten.  Die  Kursteilnehmer  erhalten
  freie  Hin=  und  Rückfahrt  und  Verpflegung
in  einem  Gasthof;  sie  sollen  nicht  über  40

Jahre  alt  sein.  Der  Kurs  umfaßt  einen  prakülchen
  und  theoretischen  Teil.  Für  etwaige  Unfälle
  und  Erkrankungen  erhalten  die  Teilnehmer
Unlerstützungen  aus  der  Landesversicherungslasse.
  Von  dem  Bezirksverband  Rosenheim  meldelen
  sich  Vertreler-  der  Feuerwehren  Kiesero#selden
  und  Niederaudorf,  Riedering  und
Prien.

Bei  Landbränden  haben  nur  1  —15  Mann
ausmrücken;  es  sind  zu  diesem  Zweck  Auerüstungsplãne
  anzufertigen  und  einzuführen.  Der  Vorsigende
  wird  in  nächster  Zeit  cinen  Ausrückungsplan
  für  die  einzelnen  Feuerwehren  ausstellen.
Daun  mussen  auch  in  Luruoft  die  Feuerwehrlommandanten
  zur  Feuerbeschau  in  den  Gemeinoen
  iugezogen  werden.  Das  Bezirksamt
versichert,  die  Gemeinden  davon  zu  verständigen.

Weiler  wurde  Beschwerde  geführt,  daß  Gemeinden
  oft  leinen  Pennig  für  das  Feuerlösch:
wesen  aufwenden  wollen.  Die  Feuerwehren  lönnen
  das  Bezirksamt  verständigen  und  dieses
wird  dann  die  Gemeinde  zwingen,  die  erforderlichen
  Löschgeräte  zu  schaffen.

Enolich  sieht  sich  die  Lnberunterftuhungskaf
Kezwungen  darüber  zu  klagen,  daß  die  Anmeldungen
  zur  Sterbekasse  so  spärlich.  eingehen.  Das
iĩt  Sache  der  Kommandanten,  die  zum  Beitritt
einladen  sollen.  Ferner  werden  die  Kommandanlen
  veranlaßt,  in  Brandberichten  genau  zu  delaillieren,
  inwieweit  durch  Verhandensein  elektrischer
  veitungen  die  Löscharbeiten  verzögert  oder
erschwert  werden,  wobei  man  Innen--  und  Ausenleilungen
  wohl  zu  unterscheiden  hat.  Die  rler.
trischen  Leitungen  sind  den  Feuerwehren  viel  zu
wenig  bekannt.  Der  Vorsitzende  betonte,  daß
gerade  bei  dem  Brande  in  Altenbeuern  in  dieĩer
  Hinsicht  Schwierigkeiten  und  Unannehmlichleiten
  z.  Tage  getreten  sind.  Die  Feuerwehren
durfen  in  Gebieten  mit  elektrischen  Anlagen
die  Leitungen  nur  im  äußersten  Falle  stromlos
machen.  Redner  berichtete,  daß  die  Obüz  Beschwerde
  geführt  hat,  daß  in  Allenbeuern  die
Leitungsdrähte  zerschnitten  wurden.  Die  Inflruttionen
  der  Ueberlandzentrale  stehen  aber
mit  den  Vorschriften  des  Landesverbandes  im
krassesten  Widerspruch.  Es  sei  daher  notwendig,
daß  die  Feuerwehren  über  die  Leitungen  aufgellärt
  werden.  Vor  Niederspannungen  haben  die
Feuerwehrleute  die  gleiche  Scheu  wie  vor  Hochspannungen.
  Kommerzienrat  Kröner  steilte  den
Antrag,  es  möchte  in  den  Sahungen  die  Bestimmung
  gelroffen  werden,  daß  in  dem  Moment,
in  dem  ein  Brand  ausbricht,  dem  Kommandan
len  eine  Person  beigegeben  wird,  die  in  den  Lei
tungen  erfahren  ist.  Ebenso  sollen  die  Brumnwarte
  der  Hochdruckwasserleitungen  bei  Brandfällen
  dem  Kommandanten  unverzüglich  zu  Rate
jlehen.

Die  Feuerwehr  Happing  be  rantragte,  daß  vom
Bezirksamt  aus  verboten  werden  soll,  daß  Hochfrannungsleitungen
  ganz  nabe  oder  durch  Ortschaften
  führen.  Die  Leitungen  müßten  unbedingt
  außerhalb  der  Ortschaften  vorbeiziehen,
camit  sie  mit  Feuerwehren  nicht  in  Berührung  kämen.
  Ferner  führt  die  Feuerwehr  Happing  Beschwerde
  über  das  Verhalten  der  Distrittsbehörde
bei  dem  Brande  in  Happing  am  J.  Jan.  ds.  J.
Herr  Regierungsrat  Baur  erwiderte  darauf,  daß
die  Hochspannungsleitungen  und  ihr  Weg  nach
den  einzelnen  Ortschaften  von  der  Regierung
Szrütt  und  genehmigt  werden;  ferner,  daß  die

Oberleitung  bei  Brandfällen  noch  immer  die  Distrittsbehörde
  habe  und  dafür  auch  die  Verantworlung
  trage.  Auch  der  Bezirksvertreter  pflichlete
  dem  bei  und  betonte,  daß  der  Verwaltungsbeamte
  am  Brandplatze  etwaigen  Besprechungen
mit  den  Chargierten  gern  zugänglich  ist.

Zum  Schlusse  erteilte  der  Vorsitzende  der  Westerndorfer
  Feuerwehr  eine  scharfe  Rüge.  Die
Justände  und  Zwistigkeiten  in  den  Reihen  der
Mitglieder  und  Chalg  asgierten  ls  seien  heunhalkbar  geworden.
  Der  Bezirksausschuß  r  beschiofsen,
  in  der  Feuerwehr  ad  d  Mrie.
hofen  eine  Generalversammlung  einzuberufen,
in  der  die  Angelegenheiten  geregelt  werden  follen.
  Sollte  dann  noch  nicht  Ruhe  sein,  dann
wird  sich  das  Bezirksamt  damit  beschäftigen.
Wer  sich  den  Statuten  des  Landesverbandes
nicht  unterwirft,  der  wird  der  Pflichtfeuerwehr
einverleibt.

Hicrauf  erstattete  der  Bezirksobmann  Kiener-Westerndorf
  Bericht  über  den  Stand  der
Sterbekasse  pro  1913.  In  der  großen  Versicherung
  waren  in  Antwort  24,  in  Eggstätt  82,
Endorf  61,  Halfing  42,  Hohenaschau  319  Prien
54,  Rimsting  23,  Aising  14,  Degerndorf  10,
Fischbach  17,  Flintsbach  29,  Happing  1,  Hôbenmoos
  6,  Piefersselden  n  Marienberg  20,
Mitterhart  5,  Neubeuern  74,  Nußdorf  36,  Oberauoorf
  20,  Pang  12,  Pfraundorf  11,  Schloßherg
  50,  Sochtenau'  10,  Stephanslirchen  2,
Bogtereuh  5,  Westerndorf.  20  und  Ziegelberg

In  der  Keinen  Versicherung  sind  in  Antn
  1,  in  Prien  2,  in  Degerndorf  8,  Happing
4,  Nußdorf  2,  Se  1,  Stephanskicchen  5,
Vogtareuth  J’und  terndorf  1,  insgesamt  744
in  der  großen  und  -“  in  der  tieinen  Versiche-Donnersfag,

  2.  Juli  7914

 

Eosenelrer  Arzelges

Zum  Inbilänm  in  Würfburg.

Würzburg  und  Unterfranken  mit  Aschafsenburg
  begehen  in  diesen  Tagen  die  hunder!
jährige  Gedenlfeier  ihrer  Zugehörigleit  zum

öoniptum  Bayern.  Eine  eigenartige  Geschichte
ist  über  Würzburg  dahingegangen  und  wie
alle  bayerischen  Städte  hat  es  ein  gut  Teil
seiner  Geschichte  bis  in  die  Gegenwart  herübergerettel.
  Die  traulichen,  alten,  wintligen  Straben,
  auf  die  sich  noch  mit  großen  Torwölbungen,
  die  wie  lebendes  Miltelalter  ammuenden
Höse  olsnen,  der  Vranz  von  nichl  weniger  als

40  Kopellen  und  Kirchen,  die  alte  Beüce  mit
den  zwolf  Frankenhefligen  und  die  Feste  Marienberg
  mil  ibeen  trutzigen  Mauein,  die  fur
eine  Ewigleil  gebaut  sind,  alles  erinnert  an
„eilen  und  Geschehnisse,  die  gleichsam  größeren
Glonz  über  die  Sladt  geschüttet  haben.  Wurzburg
  ist  die  Lieklingoresidenz  der  Staufenkaiser
gewesen,  immer  bis  gegenwärtig  aber  eine  Gelehrlenstadt
  erster  Linie,  reich  an  Sehenewurdigleiten
  und  alten  Erinnerungen.  Unser  heuliges
  Bild  zeigt  die  Feste  Marienberg  oberhall
  der  Stadt  Wurzburg.

 

 

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rung.  Der  Bezirlsvertreter,  wie  auch  He#r  Kommerzienrat
  Kröner  bedauert,  daß  noch  so  viele
Feuerwehren  fehlen.  In  der  Sterbegeldversicherung
  sei  das  wenig  ersparte  Geld  am  sichersten
angelegt.

Geslorben  sind  15  Versicherte,  welche  zusammen
  5100  Mk.  ausbezahlt  erbielten,  in  Wirklichleit
  aber  nur  2019  eingezahlt  hatten.

Auch  den  Vericht  1913  14  der  gesamten  Sterbelasse
  des  Bayer.  Landes-Feuerwehrverbandes,
Versickerungsrerein  auf  Gegenseiligkeit,  brachte
Hert  Kiener  zur  Verlesung.  Wir  entnehmen  ihm
Folgendes:  117016  Mitglieder  waren  in  der
großen  und  3181  Mitglieder  in  der  kleinen  Versicherung.
  Gestorben  sind  2053,  eingetreten  57
und  ausgetreten  419.  Der  nunmehrige  Stand
ist:  115  650  in  der  großen  Versicherung,  1607
in  der  lleinen,  467  Mitglieder  sind  prämienfcei,
weil  über  75  Jahre  alt.  Sie  haben  noch  vollen
Versicherungeanspruch,  während  173  prämienfreie
  Mitglieder  nur  reduzierten  Versicherungsanspruch
  haben.  An  Sterbegeldern  wurde  ausbezahlt
  702  105  Mk.,  während  der  Beitcag  nur
318  012  Mkl.  war

Herr  Regierungsrat  VBaur  gab  dann  noch
eine  Ministerial-  und  Regierungsentschliei  zung
bekannt,  in  der  gegen  die  „Demolierlust“  der
Feuerwehren  bei  Brandfällen  Stellung  genommen
  wiro.  Wenn  auch  die  Frage  nicht  für  den
Bezirk  Rosenheim  attuell  sei,  so  müsse  doch
oarauf  besonders  hingewiesen  werden.  Wenn
die  Feuerwehr  oder  die  Chargierten  im  guten
Glauben  die  Mauer  eingerissen  haben,  so  lonne
auf  Schadenersatz  nicht  gellagt  werden,  wohl
aber,  wenn  dies  aus  lauter  Lust  getan  werde.
Die  Mannschaften  haben  den  Anordnungen  des
Kommandanten  oder  des  von  der  Distriktsbehörde
  abgesandten  Verwaltungsbeamien  strikie
Jolge  zu  leisten.  Der  Vorsitzende  dankte  Hrn.
NReg.-Nat  Baur  für  seine  instruktiven  Auefülrungen.


Als  letzter  Punkt  stand  die  Erledigung  von
Anträgen  zur  Beratung  und  Abstimmung.  Hr.
Kommerzienrat  Kröner-  Kieferefelden  brantran
ke,  daß  den  Feuerwehrleuten,  die  bei  einen
Brande  verhindert  sind,  ihrer  Arbeit  nachzunr.
hen,  und  somit  in  ihrem  Verdienst  und  Vermogen
oft  nicht  unbeachtenswert  geschädig  t  sind,  der
entgangene  Lohn  ersetzt  wird.  Der  Vorsitzende
sympathisiert  mit  dem  Antrag.  Bei  der  9  islussion
  wurden  jedoch  Stimmen  laut  dahin,  daß  der
Charakter  des  Dienstes  aus  Nächstenliebe  Einhuße
  erleide.  Der  Antrag  wurde  mit  großer
Mehrheit  abgelehnt.  Der  Vorsitzende  gab  seiner
lebhaften  Freude  Ausdruck,  daß  noch  der  alte,
gule  Geist  in  den  Reihen  der  Feuerwehrleule
herrsche.

Einen  zweiten  Antrag  stellte  Herr  Kommerzienrat
  Kröner,  es  möchte  das  Ehrenzeichen  für
25jähr.  Mitgliedschaft  in  eine  Medaille  umgewanoelt
  werden.  Hr.  Seitz-Traunstein  berichtete,
  daß  er  schon  früher  den  gleichen  Antrag  gestellt
  habe,  woraus  ihm  aber  bedeutet  wurde,  es
möchte  das  Andenken  des  Stifters  bewahrt  bleiben.
  Ter  Antrag  Kröner  wurde  einstimmig  angenommen.


Die  Feuerwehren  Prien  und  Endorf  beantragten,
  es  möchte  im  Bezirks.  wie  auch  Landesverband
  jeder  Kompagnie  einer  Feuerwehr  in
einem  größeren  Orte  eine  Stimme  zuerkannt
werden.  Der  Vorsitzende  erwiderte  darauf,  das
die  Landfeuerwehren  zufrieden  sein  solllen,  daß
es  bieher  so  war,  denn  wenn  dem  Antrag  der
beiden  Feuerwehren  stattgegeben  werde,  würden
die  Eroßstädte  bald  das  Uebergewich  haben.
Der  Antrag  wurde  mit  allen  gegen  eine  Stimme
abgelehnt.

Dann  folgten  noch  Anträge  des  Bezirksausschusses:
  Es  wird  beim  Landesausschuß  angeregt,
  daß  von  einem  Bau  eines  Invalidenheimes
abgesehen  und  den  Invaliden  Geldunterstützungen
  gewährt  werden.  Der  Vorsitzende  begrün- 



dete  den  Antrag  damit.  eb  das  Invalidenheim

.

 

eine  Menge  Unterhaltungsloiten  verursache-Auch
sei  es  für  die  Invaliden  nicht  angenehm,  wenn
sie  in  spälen  Jahren  plöglich  aus  ihren  Lebens-Lewohnheiten
  herausgerissen  werden  und  sich  an
den  Turnus  in  den  Heimen  gewöhnen  musse:
Am  besien  ist  es,  man  gibt  den  Invaliden  uu
terstutungen,  mit  diesen  können  sie  dann  anfan
gen,  was  sie  wollen.  Der  Antrag  wurde  einstimmig
  angenommen.  Ein  zweiter  Antrag,  witl
die  obligatorische  Einführung  des  Feuerwehrpasses.
  Die  Versammlung  war  damit  einverstanden.
  Ein  3.  Antrag  des  Bezirklsausschusses  geht
dahin,  es  sollen  zu  Chargierten  nur  mehr  solche
Herten  gewählt  werden,  die  thcorelisch  und  pral—
lisch  den  Feuerwehrdienst  gut  kennen.  Auch  dieser
Antrag  wurde  angenommen.

Dam  wurde  noch  eine  Be-  irfslasse  gegründet,
die,  wie  schon  früher  erwähnt,  für  jeden  Teilnehmer
  an  den  Führerkursen  in  München  5  Mk.
zu  leisten  hat.  Bisher  besta  id  im  Bezirk  Roslenheim
  noch  keine  Kasse.“  Man  kam  überein,
daß  die  Gemeinden  alljährlich  einen  Beitrag  von
1  Mk.  an  die  Bezirksverbandskaise  zu  leisten
baben.  Der  Antrag  wird  an  das  Bezirksamt
Rosenheim  hinübergeleitel.

In  der  folgenden  Diskussion  bellagte  sich  Herr
Kogler-Pang  darüber,  daß  die  Zuschusse  zu  den
Montierungegeldern  so  spärlich  ausfallen  und
daß  die  Gesuche  an  die  Versicherungskammer
usw.  nicht  beantwortet  werden.  Herr  Reg.-Rat
Baur  bedauerte  ebenfalls  die  Spärlichkeit  der
Zulchüsse;  früher  habe  die  Regierung  den  Feuerwehren
  namhafte  Zuschüsse  versprochen  sich  aber
dabei  um  leine  Geldquelle  umgesehen,  Und  nunmehr
  scheint  Geldmangel  eingetreten  zu  sein.
Wegen  der  Nichtbeantwortung  der  Eingaben
sollte  Antragsteller  sich  trösten,  den  Bzzirksämtern
  ginge  es  auch  so.  Der  Vezirksverrtreter
rersprach  zu  versuchen,  ob  sich  nicht  der  Landtag
für  die  Uniformierung  der  Feuerwehren  interessieren
  möchte  und  einen  geeigneten  Posten  im
Etat  einsetzen  wird.

Die  Feuerwehr  Hohenaschau  siellte  den  An
trag,  die  Bezirlstagung  sollte  in  Julunft  im  Mast
atr#ehalten  werden,  weil  da  die  Landleute  besser
sortlönnen.  Dem  Antrag  wurde  flattgegeben.

Da  nun  die  Tagesordnung  erichöpft  war,
ichloß  Herr  Apotheler  Hagen  die  Tagung  mit
dem  MWunsche,  es  möge  sich  di:  Angelegenbkeeit  in
Wesierndorf  gütlich  beilegen  lassen  und  das
Feuerlöschwesen  in  unserm  Bezirt  sich  immersort
beben.  Er  dankte  noch  Herrn  Reg.  Rat  Baur
für  die  Unterstützung,  die  er  bisher  der  Feuerwehrsache
  angedeihen  lieb  und  bat  um  ferneres
  Wohlwollen.

LEetalnachrichten.

Nenerungen  im  Telephon=  und  Wottschechverkehr.


Mit  dem  heutigen  1.  Juli  treten  sowohl  im
bayerischen  Telephonverkehr  als  auch  in  der
Postsche  kordnung  einschneidende  Aenderungen  in
Kraft.  Vor  allem  erfährt  im  Telephonverlehr
  die  Dauer  der  Gespräche  im  Bezirks=  und
Fernverkehr  eine  wesentliche  Verkürzung;  sie
betrug  bisher  fünf  Minuten,  wurde  aber  jetzt
auf  nur  drei  Minuten  derabgeseßi.  Dadurch
stellt  sich  von  selbst  eine  nicht  unwesentliche
Verteuecung  der  Telephongespräche  ein.  Ferner
  soll  für  Telephonleitungen  zu  Nebenanschlüfsen,
  wenn  diese  weiter  als  100  Meter  von  der
Hauptstelle  entfernt  sind,  für  je  100  Meter
eine  GebFühr  von  6  Mk.  (statt  bisher  3  Mark)
erhoben  werden;  schliehlich  soll  für  die  telephonische
  Aufgabe  von  Telegrammen,  die  bisher
  gebührenfrei  war,  eine  Gebühr  von  1  Pig.
für  dos  Wort,  mindestens  aber  sollen  10  Pfg.
für  jedes  derartige  Telegramm  bezahlt  werden.
Die  Fernsprechteilnehmer  werden  diese  Gebuh-Feerhohund
  empfindlich  zu  spüren  bekommen.
Was  die  Postscheckordnung  betrifft,  die  sowohl
für  Bayern  als  auch  für  das  Reich  Geltung  hat,

so  treten  ihre  Aenderungen  ebenfalle  mit  dem
heutigen  1.  Juli  in  Kraft.  Sie  bringen  eine
Reihe  wichtiger  Neuerungen.  Für  Zahllkarten,
  oie  jetzt  bio  10000  Mk.  lauten  dürfen,
ist  kem  Hochstbetrag  mehr  festgesetzt.  Für
Schecko  wird  der  Meistbetrag  von  10000  Mr.
auf  20000  Mk.  erhöht.  Zahllkarten  und
Ueberweisungen  bis  3000  Mk.  können  telegraphisch
  übermittelt  werden.  Die  Höchsigrenze  für
belegroyhische=  Zahlungsanweisungen,  bisher

0  Mlk.,  beträgt  künftig  3000  Mk.  Der  Be-8
  eines  Schecks  kann  dem  Empfänger  durch
besonderen  Boten  zugestellt  werden  (Eilbestelwnns.)
  Der  Aussteller  einer  Uleberweisung
lenn  pbeantragen,  daß  das  Pofstscheckamt,  bei
dem  sein  Konto  gefuhrt  wird,  den  Gutschriftempfänger
  durch  Brief  oder  durch  Telegramm
unmittelbar  benachrichtigt.  Um  die  lUleberueijung
  der  für  den  Kontoinhaber  kurch  Poslaustrag
  eingezogenen  Beträge  auf  fein  Postsche  4#
konto  weiter  zu  erleichtern,  werden  Postaufträge
  mit  anhängender  Jahlkarle  eingeführt.

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Rosenheim,  1.  Juli  1917.

Marx  Hambergerf.  In  weite  Kreise  der
hiesigen  Bürgerschaft  ift  tiese  Trauer  getragen
mworden.  In  der  Frühe  des  heutigen  Tagetraf
  qus  Ziegelberg  die  Nachricht  ein,  daß  rort
in  der  verflossenen  Nacht  Herr  Fabrikbesiger
Mar  Hamberger,  der  weit  und  breit  bestbekannte
Großindustrielle  und  Teihaber  der  F.  P.  Hambergerschen
  Fabriken  aus  diesem  Leben  geschieden
  ist.  Im  besten  Mannesalter  ist  er  viel
zu  früh  den  Seinigen  entrissen  worden;  er  hat
ein  Aller  von  nur  43  Jahren  erreicht  und  ist  bereits
  nach  zei  Jahren  seinem  Vater.  dem
Gründer  der  Firma,  im  Tode  gefolgt.  Lange
Zeit  schon  war  er  schwer  leidend;  im  vorigen
Jahre  schon  war  er  genötigt,  sich  in  der  Kli—
nit  des  Hofrates  Dr.  Krecke  in  München  einer
schwierigen  Magenoperaeken  zu  unterziehen.  Sie
ist  zwac  bestens  geglückt,  doch  vermochte  ###
leider  nicht,  dem  Patienten  die  erwariete  volle
Gesundheit  wieder  zu  bringen.  Trotz  seines
fortschreitenden  schweren  Leidens  widmete  er  sich
mit  beispietloser  Energie  bis  in  die  öllerletzte
Zeit  hinein  dem  ausgedehnten  Fabrikbetriebe
bis  ein  Erneuter  Schwächeanfall  ihn  endgüleig
zwang,  das  Krankenlager  auszusuchen,  von  dem
er  sich  leider  nicht  mehr  erheben  sollte.  Mit
Herrn  Mar  Hamberger  ist  ein  von  früheßer
Jugend  an  intensiv  und  erfolgreich  arbeitender
Fabrikherr  dahingegangen,  dem  die  gedeihliche
Forlentwicklung  der  ausgedehnten  Betriebe  der
Firma  die  erste  Lebensaufgabe  war.  Trotz
seiner  manchmal  etwas  rauh  erscheinenden  Schale
schlug  in  ihm  ein  warmes  Herz  für  die  zahl
reiche  Arbeiterschaft  in  den  Hamdergerschen  Industriewerken.
  Ebenso  gerecht  und  wohlwollend
war  er  als  Vorgesegter  Legenüber  den  Taufmannischen
  Beamten  der  Firma.  Seine  Energie
  und  seine  Charakterfestigleit.  gepaart  mi
edlem  Sinne,  sicherten  ihm  von  ieher  die
Freunoschaft  und  die  Hochachtung  all  jener,
welche  im  geschäftlichen  oder  privaten  Leben
mit  ihm  zu  tun  hattien.  Die  Firma  F.  P.
Hamberger  verliert  in  dem  Versftorbenen  einen
treuen,  bewährten  Mitarbeiter,  wie  dies  in  einem
besonderen  Nachruf  in  beutiger  Nummer  zum
Ausdruck  komm#.  Troy  seiner  umfangteichen
und  aufreibenden  Tätigkeit  in  den  eigenen
Betrieben  stand  er  dem  öjfentlichen  Leben  kei—
neswegs  fremd  gegenüber.  Allen  wichtigen  Vor-Hangen
  brachte  er  regstes  Interesse  entgegen.  Vor
allem  gilt  dies  für  den  Bahnbau  Rosenheim=Frosdorf.
  Stellte  sich  schon  sein  Barcr  lalkrafiigit
  ir  den  Vordergrund  der  Altion  für  den
Bal  nban,  deisen  Verwirklichung  er  leider  nicht
mehr  erleben  sollte,  so  sente  auch  Oeer  Mar
Hamberger  seine  ganze  Kraft  für  die  Bestrebungen
  des  Eisenbahnbaukomilees  ein.  Leider  hat
auch  er  die  Betriebserôöffnung  nur  un  wenige
Wochen  überlebt.  Die  Gemeinde  Stefanskirden
  verliert  in  ihm  ein  eifriges  Mitglied  der
Armenpflege,  deren  Ausschuß  er  seit  dem  Jahre
1912  angehörte.  Mit  besonderer  Vorliebe  stellle
sich  Herc  Mar  Hamberger  in  den  Geuerwehrdienst.
  Die  Feuerwehr  Ziegelberg  hatte  in  ihm
einen  verdienstvollen  Kommandanten,  der  für
die  gute  Schulung  und  die  Tüchtigkeil  sfeiner
Wehbrleute  nach  Kräften  besorgt  war.  Auch  im
Bezirks=  und  Kreisausschuß  des  Verbandes  der
freiwilligen  Fruerwehren  hörte  man  seine  Stimme
  gern.  Im  vorigen  Jahre  noch  nahm  er
an  der  Beeirloversammlung  in  Oberaudorf  sebhaften
  Anteil,  und  die  Bezirtsversammlung.

welche  am  letzten  Sonntag  in  Endorf  itattfand,
  ließ  ihm  durch  ihren  Vorsitzenden  noch

die  besten  Wünsche  für  baldige  Genesung  übermitteln.
  Sie  haben  ihn  aber  kaum  noch  erreichen
  können.  Als  im  vorigen  Jahre  in
Schlohberg  der  Verschönerungsverein  seine  Täligleit
  begann,  stellte  sich  Herr  Mar  Hamberger
  mit  in  die  vordersten  Reihen.  Für  seine
Famite  war  der  Verstorbene  ein  treubesorgter
Sa  hwasser;  den  Seinigen  war  er  stets  auf  das
Innigste  #getan.  Aermählt  war  Herr  Mar
Hamberger  mit  Frau  Magdalena,  geb.  Bensegger.
  Mit  der  schmerzgebeugten  Wilwe  stehen
  jetzt  zwei  Söhne  trauernd  an  der  Bahre
des  Verstorbenen.  Ihnen  folgen  zahlreiche  Bürgerssamilien
  in  Nosenheim  und  Umgebung,  die
alle  durch  das  Ableben  des  Herrn  Homberger
in  tiefe  Trauer  versetzt  wurden.  Den  Hinter- 



bliebenen  wendet  sich  allgemeine  Teilnahme  zu.
.  I.  P.

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