60. Johrgang
Nxr. 62
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die heutlge Hummer umfasit 8 Seiten.
Neues vom Tage
14. März.
Eriherzog-Thronsolger Franz Ferdinand von-Oesierreich
wird am 14. April in München
eintreffen. um in (Vertretung des greisen Kaisers
Franz Joses den Beiuch zu erwidern,
den das Königspaar im Juni vergangenen
Jahres dem kaiserlichen Hofe in Wien abgestattet
hat.
Eine Zentrumointerpellalion brachte im Reichslag
eine scharke Auosprache gegen das
Duell. Die Antwort des Kriegsministers
befriedigte jedoch den Reichstag nicht.
Ein neuer Bergarbeiterstreik soll in Auosicht
stehen. In beiden Gewerkschastslagern scheint
man sich darauf zu rüsten.
Der Prinz von Wales reist am Montag nach
Norwegen zum Besuch des Königspaares auf
drei Wochen.
Südiuhland und das Schwarze Meer wurden
von einem heft tigen Schneesturm heimgesucht.
Große Landstriche wurden vom Vrrkehr abgeschnitten.
Der kandwirtschaftseial.
Kammer der Abgeordneten.
München, 13. Mär
Das Haus setzte die allgemeinen Erörterungen
zum Etat für Landwirtschaft heute sortl.
Von den 90 vorgemerlten Rednern kamen heute
junf rmum Zuge. Sie besprachen eingeheno,
je nach ihrer Parteirichtung unterstrichen. die
Forderungen, die sie im Intereise der banerischen
Landwirtschaft für notwendig hielien.
So beklagte Abg. Gandorfer (Bbd.) den
NucGgang der Getreidepreise und verlangte
Mahnahmen hinsichtlich des Güterzertrümmetungegesetzes,
des landwirtschaftlichen Hypothekenmesens,
der Ermäßigung der Bodenzinse und
bie Errichtung einer staatlichen Mobiliarversiche.
rung. Abg. Centner (Soz.) betonte, bdaß die
Sopaldemokratie nicht bauernfeindlich sei und
alle Maßnahmen zu Gunsien der Lanowirtschaft
unterstüge. Er forderte dann u. a. die
Schaffung kiner Landbank und die Fördenung
der Innenkolonisation. Abg. Helck (Bo.
*r•• „Königin der Locht“
Sceroman von HF. Hil
Aus meiner Uhr, die man mir ebensalls be.
lessen, ersah ich, daß ich noch vier Siunden zu
warlen hatte, che ich meine Operationen begennen
koͤnnte, und die Zeit schlich tatsächlich recht
langsam dahin. Wahrenddessen halle ich noch
äwen ** Besucche von dem ungewaschenen
Tiü#Sdas als Wächter sungierte, über mich ergehen
zu 1asl — einmal versahen sie mich mit
dem Abendessen, und dann beehrtien sie mich, um
nachzusehen, ob fur die Nacht auch alles in
Oidnung war. Erst, als nach dem zweiten Bejuche
einige zeit vergangen, und die Sonne
verschwunden war, begann ich das Feuster anzu-Krei:
(u.
Da é"dah ich das schmale Beit hochlaopte,
stelne ich mir eine Leiter her, die es
mir ermöglichte, an den Sltäben zu arbeiten,
ehne daß ich mich daran anzuhängen brauchle.
Taun ließ ich die Feile in Tätigleit treien. Ab
und zu mahnte mich ein fernes Geräusch in dem
Grbaude, daß ich mit der Arbeit innehalten
ste, daun lauschte ich, denn ich fürchtele,
das scharie Kunschen, das ich ja nicht umgeben
onnte, balte die Aufmerlsamleil der Wackter
einegl, doch es lam mir keiner in den Weh,
und nach, iisrihalbsiuindiger Arbeit hatte a#h
eine Oefunng. bergestelll, die groß geung war,
um mich hindurchzuzwangen. Die Strickleuer zu
ber estigen und mich. hinnnterzuschwingen, war
eine leichte Arbeit für einen Seemann, und in
wenigen Minnten hatte ich den verwüsteten Garten
durcheilt und die Ecke der Gartenmauer erreicht,
ohn: einer Menschenserle zu begegnen oder, emen
d. Landw.) sehte der Bauernfreundlichleit der
Sozialdemokralie erhebliche Zreifel entgegen
und unlerbreilele dem Minister mehrfache Wunsche
der Landwirte, so betr. die Förderung des
Getreidebaues und der Viehzucht und Gewährung
vermehrter Mittel für den landwirtschaftlichen
Unlerricht. Abg. Neuner (lib.) befürwortele
ein unbedingtes Festhallen an dem bestehenden
Schutzoollsostem.
Schließlich sprach noch Abg. Diernreiier (3.),
der Pleichsallo ein Festhalten am Jollschutsynem
sorderte, sich dann in einer längeren Po.
lemil gegen die Landwirtschaftsfreundlickkeit
der Sozialdemolraten wandte und schließlich das
Verhallen des Ministers gegenüber dem Bayer.
Bauernverein tadelte, dessen Eingaben man
nicht einmal einer Antwort würdige.
Die Weiterberatung solgt am Samstag-Vormittea.
Der Staaksbaudienst.
München, 13. März.
JZur Berakung sieht zurzeit im Finanzansschuß
der Etat der Staatsbauverwaltung mit
den Denkschriften über die leistungsfähigere
Ausgestaltung des inneren Staatsbaudienstes
und die Ausnützung der Wasserlräfle in Bayern.
Dabei kehrt zunächst die alte Klage wieder,
daß die Staatsbeamten Privatarbeiten auslühren.
Ministerialdireltor Reverdy bemerkt,
die Ausübung solcher Tatigkeit sei vielfac, auf
frühere Dienstverträge zurückzuführen, aber von
ähnlichen Konzessionen lönne bei zukünftigen Anseellungen
von Beamten teine Rede mehr sein.
Postulate für die Oberste Baubehörde,
Ze Kreisbauverwaltung und die Wildbachverbauung
werden genchmigt.
Beim Kapitel Landbauämter. Straßen= und
Flußbauämter mird von mehreren Seiten eine
weitergehende Berücksichtigung der beimischen
Industrie bei Lieferungen gefordert. Abg.
Häberlein warnt daher, den Rreis der Lieseranten
im Interesse der heimischen Industrie zu
eng zu ziehen, um Repressalien zu vermeiden.
Der Antrag der Staatsregierung, zur Entlastung
des Münchener Landbauamtes ein neues
Amt in Ingolstadt zu errichten, wird von der
Mehtheit äbgelehnt.
Auf die Anfrage des Abg. Auer über diel
aut in vernehmen, der daran lundeulen lonnte,
dag mun meine Klucht emdect dalte. Cine
schnelle Prufung der Mauer bewies mir, daß sie
injolge des botzen Allers gauz zerllujtet war und
ich em Ausrutichen nicht zu befürchten halte.
Mu größter Geichwindigleit war ich oben und
stand nun in einem dunklen, mit Bäumen be—
deckten Heckenweg, als kaum, machdem ich den
Erdboden berut, eine Gestalt aus der
Finsternis auftanchte.
„Sind Sie es Forrester2“ fragte die will.
kommene Slimme Kennards in natürlichem Tone
rasch und slüsiernd.
.„Ja. hier bm ich, und das danle ich
Ihnen, versebte ich und wagte kaum zu atmen.
„Kein Wort, bevor wir nicht aus dem
Vereich der Versolger sind.- suhr er sort, „solgen
Sie mir
Tamit führte er mich durch den Heckenweg
und bog dann in ein Jeld ein, das wir durchqueiten,
bis wir an eine unbennuyte Scheune
lamen. Oier zog er mich hinein, schloß die Tür,
zuindele eine Kerze an, suchte unter einem
Suohbündel und holte ein Palet Kleidungsstücke
hervor.
.So,“ sagle er, indem er sie mir reichte,
hier können wir sprcchen, ohne befürchten .
müssen, gehört oder überrascht zu werden. Na
dem italientschen Gesetz sind Sie ein emtiausener
Wahnsinniger und lönnen jeden Augenblick
wieder verhaftet werden, doch wenn Su diese
Kleidnugsstücke aulegen wollen, habährend ich
Ihnen meine Geschichte erzahle, bosse ich. Sie
ohne weitere Unannehmlichkeiten aleo Gernga berhushuesteren
zu lönnen. Nicht die Polizei haben
zu befürchten, sondern einen verräterischen
H#n der, wie ich sohr stark vermute, unser
Freund, der blinde Passagier ist.“
Arbeitsverteilung bei den Straßenbauten erllärt
der Ministerialvertreter, daß es unmöglich sei,
allen Wünschen der Arbeiter gerecht zu werden.
Einen wesentlichen Mehraufwand für die Straßenbauten
verursache der immer mehr überbheuo
nehmende Automobilverkehr. Gleich den
bgg. Häberlein und Auer warnt cuch der
Ministerialreferent vor allzu starker Betonung
dei heimischen Industrie, damit man ihr den
Absatz nach außen nicht schädige. Eine planmäßige
Anordnung der Staatsbauarbeiten
werde er mögli chsi fördern,
Winterarbeit in Aussicht
kann.
Die Veratung wurde jodann auf Dienstag
vertagt.
damit entsprechend
genommen werden
Vollische Rundschan.
Bapbern.
. Ein bayerischer Kardinal?
Im Berliner „Tag“ beschäftigt sich Abg.
Erhberger mit der Wahl des neuen Fürstbischofsvon
Breslau. Er kommt dabei auch auf das
kommende Kardinalskollegium zu sprechen und
äußert dabei über die Rolle, die das Königreich
Bayern, oie baperische Regierung bezw. der
bayerische Ministerprasident in dieser Sache z
spielen berufen sei, unter anderem: „Man hat
in manchen nichtkatholischen Kreisen dieser Tage
ofters gesagt, daß selbst zwei deutsche Kardinäle
noch eine ungenugende Jemeten Deutschlands
im Kardinalskollegium seien, und es gibt weite
katholische Kreise, die diese Auffassung teilen
und sehr erfreut sein würden, wenn ein dritter
deutscher Kardinal vorhanden wäre. Das Hindernis
jedoch, das der Erfüllung dieses Wunsches
sich entgegenstellt liegt nicht in Rom und nicht
im Vatikan; es würde eine bedeutende Tat
des derzeitigen bayerischen Ministerptäsidenten
sein, wenn seine geschickten Hände die vorliegenden
Bedenken beseitigen würden. Das Königreich
Bayern könnte meines Wissens längst einen
Kardinal haben, — sei es unter seinen Bischöfen,
sei es ein Kurienkardinal wenn von der bayerischen
Regierung die Anregung gegeben würde,
und wenn man die ersorderlichenVoraueseczungen
schaffen würde. In früheren Jeiten hat Bayern
wiederholt einen Purpurträger aufgewiesen, uno
die deutschen Katholilen haben oft jahrelang
Sie meien Wzard? Haben Sie ihn geseheu?
rief ich.
.Allerding. Sie hatten also Gelegenheit,
die Stimme des blinden Passagiers zu erkennen,
und es war so, wie ich erwarset halte?“ fragte
Kennard eifug. „Zu dem Falle,- fuhr er fort,
o·lun Sie wohl am besten, Sie setzen mich von
allem in Kenntnis, was geschehen ist, seit wir
das letzte Mal zusammen waren. Aber ziehen
Sie sich diese Kleider an. während wir sprechen.
Es ist keine Zeit u b
Kennard war W au Land gegangen,
um gavertal nachzuforichen, und befand sich insolgedessen
nicht an Bord der Königin der
Nacht“, als Vizard dort erschien. Ich begann
also bei diesem Punlte und lapitulierte. während
ich mich selbst in einen ilalienischen Fischer
verwandelte, die Vorsälle, die meinem Vesuac
auf dem Konsulat vorangegangen waren. Kennard,
der in dem ernden Kerzenlicht auf einem
Strohbündel saß, hörte mich bis zu Ende an,
ohne auch nur eine Bemerkung zu machen, und
sagte dann
„Ibre Mireeilungen ergänzen meine Erlebnisse
vollständi und passen genau zu dem, was
ich selbst in Elsao#en gebracht habe. Sie llären
auch den einzigen P# auf, über den ich mir
noch den Kopf zerbrach, wie sie nämlich den Konsul
dazu veranlaßt haben, ihnen newissermaßen in die
Hände zu arbeiten. Sie selbst, mein Freund,
baben sich zu sehr vom Impuls binreißen zaften.
und können sich für die schlimme Stunde, die Si
durchgem acht haben, bei der Behandlung s
die Sie Dizard zu teil werden ließen. Es wä
vicl besser gewesen, Sie hätten sich verstellt *
ihm nicht gezeigt, dan Sie ihn erkannt, denn er
bewies ihnen ja deutlich, daß er das nur wollte.
#ch sehe in der Sache ganz llar, e lam gus-
drei ihrer Söhne im Kardinalskollegium gehabt.
Wenn“ Graf Hertling, der in Rom schon
in früheren Jahren für deutsch-katholische Interessen
ersolgreich gewirtt hat, die ganze:
gelegenheit in die Hände nimmt, ist nicht daran
zu zweiseln, daß der Wunsch der deutschen Kxibolilen
in Erfüllung geht, und #rar um so rascher,
je weniger sich nichtiatholfsche Kreise mit
dieser Angelegenheit beschäftigen.“ Erzberger
deutet dann noch an, daß der preußische Gesandte
am Vatilan sich in dieser Sache bemüht hat;
menn das lichtig sei, dann dürfe man sagen,
daß schon das nächsie Konsistorium einen bayerischen
Kardinal bringen wird.
Deutschland.
Sozialdemokrat und Beamter.
Gegen den Gemeindeschöffen Liebig in Bierstadt
(Reg.-Bez. Wiesbaden), der als solcher
die Eigenschaft eines mittelbaren Staatsbeamten
besitzt, wurde das förmliche Disziplinarverfahren
eingeleitet, weil er sich hei den E—
als sozialdemokratischer Wahlma
stellen lassen, auch in entiprechender rnt es
gerählt hat. Der Kreisausschuß zu Wiesbaden
eitannte gegen den Angeschuldigten auf
Entfernung aus dem Amte. Er ging davon aus,
aß ein Beamter durch seine Zugehörigkeit zur
Sozialdemokratie sich nicht nur des durch seinen
Beruf erforderten Vertrauens unwüroig zeige,
sondern auch die Pllichten seines Amtes verletze,
das ihm das Eintreten für die bestehende Staatsund
Nechtsordnung gebiete, während mit deren
Wahiung die Ziele der Sozialdemokratie im
Widerspruch ständen. Der Gerichtshof betonte
weiter, daß der Angeschuldigte bei der Vereidigung
als Schöffe auf die besonderen Pflichten
hingewiesen sei, die er damit übernehme, und
daß er ihre Erfüllung auch versprocken habe.
Wenn er trotzdem, so führte der Bezirksausschuß
aus, auch fernerhin in Beziehungen zur (ozialdemokratischen
Partei gestanden habe, so lasse
sich nicht annehmen, daß er seine Stellung zu
ihr ändern wer Daraus ergebe sich, daß
der Angeschuldigte nicht im Amt belassen werden
könne. Er legte gegen das Urteil des Kreisausschusses
Berufung ein, über die der Dissiplinarsenat
des Oberverwaltungsgerichts zu entscheiden
halte. Der Senat hat nun am 10.
März 1913 in nichtöffentlicher Sitzung, die
nach § 35 des GEesetzes betreffend die Dienstver-#chließuch
m dem : rd, Sie zu reizen.
danmt Sie ihn von der Herrea auf der
„Kenmwin der Nach!l“ aueschließen sollten.
Wicio““ fragte ich, ich glaubte zwar Kennards
Worien, war mir aver über die Motive noch
nicht llar.
„Sehr einfach, weil Ihre Bchauptung, ein
reicher Passjagier, der den Beweis dafür lieferte,
daß er sich drei Tage vorher in London ausge
halten, min einem in Barcelona gelandeten blinden
Passagier identisch sein sollie, den Konful zweisellos
überzeugen mußte, daß Zovertals Ertlärung, Sie
wären wabnsinnig, durchaus aus Wahrheit beruhte.
Doch horen Sie zu. ich will Ihnen die
Sache deutlicher erklären.“ fuhr Kennard fort,
„und Ihnen auch mitteulen, was ich erlebt babe.
Zavberiai war zehn Minuten vor mir abgefabren.
boch mit dem Versprechen eines guten Trinlgeldes
ltrieb ich meine Leute zur Eile an, und die Entfernung
zwischen uns wurde so wesentlich verringert,
daß ich zur richtigen Zeit an Land gesetzt
wurde, mm meinen Mann im Auge bchalten zu
Iônnen.-=Er
bog in die Via Vittore Emanuele ein,
ging dann durch die Via San Lorenzo, dann an
der Piazza Deferrari entlang und trat in das
Hoel de Genes, soweit war also seine Behauptung
eine Lüge. Daß der Mann aber so ohne weiteres
die Wabrheit gesprochen haben sollte, kam mir jo
unglaublich vor, daß ich sojort einen Grund vermutete,
den ich dann auch bei meinem Eintritt
in das Hotel entdeckte. Er trat in die Vorhalle.
anstatt sich aber dem Bureau zuzuwenden und
dort seine Erkundigungen cinzuziehen, blich er
innerhalb der Drehtüren siehen und warlete dar!.
(Fortsetzung folgt.)