Contents : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

60.  Johrgang

 

Nxr.  62

 

Iins  Haus  gellefert,  14  Pfg.

 

Der  „Rosenhelmer  A#zjeiger“  mit  dem  textlich  und  illustratlo  reich  ausgestatteten  achtselligen
„Nosenhelmer  Sonalagsblatt“  erscheint  täglich  nachmilags  4  Uhr  (mit  Ausnahme  der  Sonnund
  Felertuge).  —  Der  Abonnementsprels  beträgt  olertelsährlich  1  Mark  80  Plg.,  monallch
60  t  sowohl  für  hlestge  als  auch  für  auswärtige  Abonnenten.  —  Bektauncncune
frel  monatlich.  —  Telegramm  ·  Adresse:  Anzelger  Rosenhelm.  —
Teo  Anschiasle  Redaktion  und  Verlag:  Nr.  72;  Inseralen=  Abtellung:  235.

 

 

 

SEs##sa,  15.  Mäarz  10914

 

 

Rosenheimer  Anzeiger

Das  Abonnement  wird  für  Rotenhelm  in  der  M.  Nledermayr'schen  Buchdruckerei  somle  in
den  sechs  Flllal-Expedlilonen  der  Stadt  enigegengenommen:
cgrößeren  Ortschaften  der  Umgebung  errichteten  Agenturen,  sowle  alle  Postanstalten  und  sämtliche
  Postboten  die  Bestellung  für  den  „Nosenhetmer  Anzeiger“  an.  —  Die  eins
breile  Petitzelle  oder  deren  Raum  kostet  10  Pfennig,  die  75  mm  brelke  Zolle  im  Neklameteil
30  Pfennig;  bel  Wiederholungen  oder  Zellenabschlüssen  Rabatt  nach  aufllegendem  Tarlk.

auberdem  nehmen  die  in  ca.  40

einspaltige  50  mun

 

Rosenheimer  Tagblakt

Amtliches  Bublikakions-Organ

 

"Unnahme  von  Inseraten,  Neklamen  und  Bellagen  durch  dle  Annoneen  Expedlilon  Haasenslein  &  Vogler  A.·  O.  Nosenhelm,  4  Nürnberg.  —  Pern,  □—  Dr  resden.  Erfurt.  Fronkfurt
Schl  i  de  er  t  Inleraten  ·  Annahme  1  Uhr  mittags.  Nach  diesem  Zeitwunkt  konn  für  Auknahme  in  die  lausende  Togesnummer  nicht  mehr  harankten  werden.  Fü#  schechtgeschriebenes  Man#iro  tolrd  keine  Derantwortung  Übernomm

o.  M,  Hamburg,  Hannover,  Innsbruck,  —  Kbln  c.

 

die  heutlge  Hummer  umfasit  8  Seiten.

Neues  vom  Tage
14.  März.

Eriherzog-Thronsolger  Franz  Ferdinand  von-Oesierreich
  wird  am  14.  April  in  München
eintreffen.  um  in  (Vertretung  des  greisen  Kaisers
  Franz  Joses  den  Beiuch  zu  erwidern,
den  das  Königspaar  im  Juni  vergangenen
Jahres  dem  kaiserlichen  Hofe  in  Wien  abgestattet
  hat.

Eine  Zentrumointerpellalion  brachte  im  Reichslag
  eine  scharke  Auosprache  gegen  das
Duell.  Die  Antwort  des  Kriegsministers
befriedigte  jedoch  den  Reichstag  nicht.

Ein  neuer  Bergarbeiterstreik  soll  in  Auosicht
stehen.  In  beiden  Gewerkschastslagern  scheint
man  sich  darauf  zu  rüsten.

Der  Prinz  von  Wales  reist  am  Montag  nach

Norwegen  zum  Besuch  des  Königspaares  auf
drei  Wochen.

Südiuhland  und  das  Schwarze  Meer  wurden
von  einem  heft  tigen  Schneesturm  heimgesucht.
Große  Landstriche  wurden  vom  Vrrkehr  abgeschnitten.


Der  kandwirtschaftseial.

Kammer  der  Abgeordneten.
München,  13.  Mär

Das  Haus  setzte  die  allgemeinen  Erörterungen
  zum  Etat  für  Landwirtschaft  heute  sortl.
Von  den  90  vorgemerlten  Rednern  kamen  heute
junf  rmum  Zuge.  Sie  besprachen  eingeheno,
je  nach  ihrer  Parteirichtung  unterstrichen.  die
Forderungen,  die  sie  im  Intereise  der  banerischen
  Landwirtschaft  für  notwendig  hielien.

So  beklagte  Abg.  Gandorfer  (Bbd.)  den
NucGgang  der  Getreidepreise  und  verlangte
Mahnahmen  hinsichtlich  des  Güterzertrümmetungegesetzes,
  des  landwirtschaftlichen  Hypothekenmesens,
  der  Ermäßigung  der  Bodenzinse  und
bie  Errichtung  einer  staatlichen  Mobiliarversiche.
rung.  Abg.  Centner  (Soz.)  betonte,  bdaß  die
Sopaldemokratie  nicht  bauernfeindlich  sei  und
alle  Maßnahmen  zu  Gunsien  der  Lanowirtschaft
  unterstüge.  Er  forderte  dann  u.  a.  die
Schaffung  kiner  Landbank  und  die  Fördenung
  der  Innenkolonisation.  Abg.  Helck  (Bo.

*r••  „Königin  der  Locht“

Sceroman  von  HF.  Hil

Aus  meiner  Uhr,  die  man  mir  ebensalls  be.
lessen,  ersah  ich,  daß  ich  noch  vier  Siunden  zu
warlen  hatte,  che  ich  meine  Operationen  begennen
  koͤnnte,  und  die  Zeit  schlich  tatsächlich  recht
langsam  dahin.  Wahrenddessen  halle  ich  noch
äwen  **  Besucche  von  dem  ungewaschenen
Tiü#Sdas  als  Wächter  sungierte,  über  mich  ergehen
  zu  1asl  —  einmal  versahen  sie  mich  mit
dem  Abendessen,  und  dann  beehrtien  sie  mich,  um
nachzusehen,  ob  fur  die  Nacht  auch  alles  in
Oidnung  war.  Erst,  als  nach  dem  zweiten  Bejuche
  einige  zeit  vergangen,  und  die  Sonne
verschwunden  war,  begann  ich  das  Feuster  anzu-Krei:

  (u.

Da  é"dah  ich  das  schmale  Beit  hochlaopte,
  stelne  ich  mir  eine  Leiter  her,  die  es
mir  ermöglichte,  an  den  Sltäben  zu  arbeiten,
ehne  daß  ich  mich  daran  anzuhängen  brauchle.
Taun  ließ  ich  die  Feile  in  Tätigleit  treien.  Ab
und  zu  mahnte  mich  ein  fernes  Geräusch  in  dem
Grbaude,  daß  ich  mit  der  Arbeit  innehalten
ste,  daun  lauschte  ich,  denn  ich  fürchtele,
das  scharie  Kunschen,  das  ich  ja  nicht  umgeben
onnte,  balte  die  Aufmerlsamleil  der  Wackter
einegl,  doch  es  lam  mir  keiner  in  den  Weh,
und  nach,  iisrihalbsiuindiger  Arbeit  hatte  a#h
eine  Oefunng.  bergestelll,  die  groß  geung  war,
um  mich  hindurchzuzwangen.  Die  Strickleuer  zu
ber  estigen  und  mich.  hinnnterzuschwingen,  war
eine  leichte  Arbeit  für  einen  Seemann,  und  in
wenigen  Minnten  hatte  ich  den  verwüsteten  Garten
durcheilt  und  die  Ecke  der  Gartenmauer  erreicht,
ohn:  einer  Menschenserle  zu  begegnen  oder,  emen

   

 

d.  Landw.)  sehte  der  Bauernfreundlichleit  der
Sozialdemokralie  erhebliche  Zreifel  entgegen
und  unlerbreilele  dem  Minister  mehrfache  Wunsche
  der  Landwirte,  so  betr.  die  Förderung  des
Getreidebaues  und  der  Viehzucht  und  Gewährung
  vermehrter  Mittel  für  den  landwirtschaftlichen
  Unlerricht.  Abg.  Neuner  (lib.)  befürwortele
  ein  unbedingtes  Festhallen  an  dem  bestehenden
  Schutzoollsostem.

Schließlich  sprach  noch  Abg.  Diernreiier  (3.),
der  Pleichsallo  ein  Festhalten  am  Jollschutsynem
  sorderte,  sich  dann  in  einer  längeren  Po.
lemil  gegen  die  Landwirtschaftsfreundlickkeit
der  Sozialdemolraten  wandte  und  schließlich  das
Verhallen  des  Ministers  gegenüber  dem  Bayer.
Bauernverein  tadelte,  dessen  Eingaben  man
nicht  einmal  einer  Antwort  würdige.

Die  Weiterberatung  solgt  am  Samstag-Vormittea.


 

Der  Staaksbaudienst.
München,  13.  März.

JZur  Berakung  sieht  zurzeit  im  Finanzansschuß
  der  Etat  der  Staatsbauverwaltung  mit
den  Denkschriften  über  die  leistungsfähigere
Ausgestaltung  des  inneren  Staatsbaudienstes
und  die  Ausnützung  der  Wasserlräfle  in  Bayern.
  Dabei  kehrt  zunächst  die  alte  Klage  wieder,
daß  die  Staatsbeamten  Privatarbeiten  auslühren.
  Ministerialdireltor  Reverdy  bemerkt,
die  Ausübung  solcher  Tatigkeit  sei  vielfac,  auf
frühere  Dienstverträge  zurückzuführen,  aber  von
ähnlichen  Konzessionen  lönne  bei  zukünftigen  Anseellungen
  von  Beamten  teine  Rede  mehr  sein.

Postulate  für  die  Oberste  Baubehörde,
Ze  Kreisbauverwaltung  und  die  Wildbachverbauung
  werden  genchmigt.

Beim  Kapitel  Landbauämter.  Straßen=  und
Flußbauämter  mird  von  mehreren  Seiten  eine
weitergehende  Berücksichtigung  der  beimischen

Industrie  bei  Lieferungen  gefordert.  Abg.
Häberlein  warnt  daher,  den  Rreis  der  Lieseranten
  im  Interesse  der  heimischen  Industrie  zu
eng  zu  ziehen,  um  Repressalien  zu  vermeiden.
Der  Antrag  der  Staatsregierung,  zur  Entlastung
  des  Münchener  Landbauamtes  ein  neues
Amt  in  Ingolstadt  zu  errichten,  wird  von  der
Mehtheit  äbgelehnt.

Auf  die  Anfrage  des  Abg.  Auer  über  diel

aut  in  vernehmen,  der  daran  lundeulen  lonnte,
dag  mun  meine  Klucht  emdect  dalte.  Cine
schnelle  Prufung  der  Mauer  bewies  mir,  daß  sie
injolge  des  botzen  Allers  gauz  zerllujtet  war  und
ich  em  Ausrutichen  nicht  zu  befürchten  halte.
Mu  größter  Geichwindigleit  war  ich  oben  und
stand  nun  in  einem  dunklen,  mit  Bäumen  be—
deckten  Heckenweg,  als  kaum,  machdem  ich  den
Erdboden  berut,  eine  Gestalt  aus  der
Finsternis  auftanchte.

„Sind  Sie  es  Forrester2“  fragte  die  will.
kommene  Slimme  Kennards  in  natürlichem  Tone
rasch  und  slüsiernd.
.„Ja.  hier  bm  ich,  und  das  danle  ich
Ihnen,  versebte  ich  und  wagte  kaum  zu  atmen.

„Kein  Wort,  bevor  wir  nicht  aus  dem
Vereich  der  Versolger  sind.-  suhr  er  sort,  „solgen
Sie  mir

Tamit  führte  er  mich  durch  den  Heckenweg
und  bog  dann  in  ein  Jeld  ein,  das  wir  durchqueiten,
  bis  wir  an  eine  unbennuyte  Scheune
lamen.  Oier  zog  er  mich  hinein,  schloß  die  Tür,
zuindele  eine  Kerze  an,  suchte  unter  einem
Suohbündel  und  holte  ein  Palet  Kleidungsstücke
  hervor.

.So,“  sagle  er,  indem  er  sie  mir  reichte,

hier  können  wir  sprcchen,  ohne  befürchten  .

müssen,  gehört  oder  überrascht  zu  werden.  Na
dem  italientschen  Gesetz  sind  Sie  ein  emtiausener
Wahnsinniger  und  lönnen  jeden  Augenblick
wieder  verhaftet  werden,  doch  wenn  Su  diese
Kleidnugsstücke  aulegen  wollen,  habährend  ich
Ihnen  meine  Geschichte  erzahle,  bosse  ich.  Sie
ohne  weitere  Unannehmlichkeiten  aleo  Gernga  berhushuesteren
  zu  lönnen.  Nicht  die  Polizei  haben

zu  befürchten,  sondern  einen  verräterischen
H#n  der,  wie  ich  sohr  stark  vermute,  unser
Freund,  der  blinde  Passagier  ist.“

    

 

Arbeitsverteilung  bei  den  Straßenbauten  erllärt
der  Ministerialvertreter,  daß  es  unmöglich  sei,
allen  Wünschen  der  Arbeiter  gerecht  zu  werden.
Einen  wesentlichen  Mehraufwand  für  die  Straßenbauten
  verursache  der  immer  mehr  überbheuo
  nehmende  Automobilverkehr.  Gleich  den

bgg.  Häberlein  und  Auer  warnt  cuch  der
Ministerialreferent  vor  allzu  starker  Betonung

dei  heimischen  Industrie,  damit  man  ihr  den
Absatz  nach  außen  nicht  schädige.  Eine  planmäßige
  Anordnung  der  Staatsbauarbeiten

werde  er  mögli  chsi  fördern,
Winterarbeit  in  Aussicht
kann.

Die  Veratung  wurde  jodann  auf  Dienstag
vertagt.

damit  entsprechend
genommen  werden

Vollische  Rundschan.

Bapbern.
.  Ein  bayerischer  Kardinal?

Im  Berliner  „Tag“  beschäftigt  sich  Abg.
Erhberger  mit  der  Wahl  des  neuen  Fürstbischofsvon
  Breslau.  Er  kommt  dabei  auch  auf  das
kommende  Kardinalskollegium  zu  sprechen  und
äußert  dabei  über  die  Rolle,  die  das  Königreich
Bayern,  oie  baperische  Regierung  bezw.  der
bayerische  Ministerprasident  in  dieser  Sache  z
spielen  berufen  sei,  unter  anderem:  „Man  hat
in  manchen  nichtkatholischen  Kreisen  dieser  Tage
ofters  gesagt,  daß  selbst  zwei  deutsche  Kardinäle
noch  eine  ungenugende  Jemeten  Deutschlands
im  Kardinalskollegium  seien,  und  es  gibt  weite
katholische  Kreise,  die  diese  Auffassung  teilen
und  sehr  erfreut  sein  würden,  wenn  ein  dritter
deutscher  Kardinal  vorhanden  wäre.  Das  Hindernis
  jedoch,  das  der  Erfüllung  dieses  Wunsches
sich  entgegenstellt  liegt  nicht  in  Rom  und  nicht
im  Vatikan;  es  würde  eine  bedeutende  Tat
des  derzeitigen  bayerischen  Ministerptäsidenten
sein,  wenn  seine  geschickten  Hände  die  vorliegenden
  Bedenken  beseitigen  würden.  Das  Königreich
  Bayern  könnte  meines  Wissens  längst  einen
Kardinal  haben,  —  sei  es  unter  seinen  Bischöfen,
sei  es  ein  Kurienkardinal  wenn  von  der  bayerischen
  Regierung  die  Anregung  gegeben  würde,
und  wenn  man  die  ersorderlichenVoraueseczungen
schaffen  würde.  In  früheren  Jeiten  hat  Bayern
wiederholt  einen  Purpurträger  aufgewiesen,  uno

   

die  deutschen  Katholilen  haben  oft  jahrelang

Sie  meien  Wzard?  Haben  Sie  ihn  geseheu?
  rief  ich.
.Allerding.  Sie  hatten  also  Gelegenheit,

die  Stimme  des  blinden  Passagiers  zu  erkennen,
und  es  war  so,  wie  ich  erwarset  halte?“  fragte
Kennard  eifug.  „Zu  dem  Falle,-  fuhr  er  fort,
o·lun  Sie  wohl  am  besten,  Sie  setzen  mich  von
allem  in  Kenntnis,  was  geschehen  ist,  seit  wir
das  letzte  Mal  zusammen  waren.  Aber  ziehen
Sie  sich  diese  Kleider  an.  während  wir  sprechen.
Es  ist  keine  Zeit  u  b

Kennard  war  W  au  Land  gegangen,
um  gavertal  nachzuforichen,  und  befand  sich  insolgedessen
  nicht  an  Bord  der  Königin  der
Nacht“,  als  Vizard  dort  erschien.  Ich  begann
also  bei  diesem  Punlte  und  lapitulierte.  während
ich  mich  selbst  in  einen  ilalienischen  Fischer
verwandelte,  die  Vorsälle,  die  meinem  Vesuac
auf  dem  Konsulat  vorangegangen  waren.  Kennard,
der  in  dem  ernden  Kerzenlicht  auf  einem
Strohbündel  saß,  hörte  mich  bis  zu  Ende  an,
ohne  auch  nur  eine  Bemerkung  zu  machen,  und
sagte  dann

„Ibre  Mireeilungen  ergänzen  meine  Erlebnisse
  vollständi  und  passen  genau  zu  dem,  was
ich  selbst  in  Elsao#en  gebracht  habe.  Sie  llären
auch  den  einzigen  P#  auf,  über  den  ich  mir
noch  den  Kopf  zerbrach,  wie  sie  nämlich  den  Konsul
dazu  veranlaßt  haben,  ihnen  newissermaßen  in  die
Hände  zu  arbeiten.  Sie  selbst,  mein  Freund,
baben  sich  zu  sehr  vom  Impuls  binreißen  zaften.
und  können  sich  für  die  schlimme  Stunde,  die  Si
durchgem  acht  haben,  bei  der  Behandlung  s
die  Sie  Dizard  zu  teil  werden  ließen.  Es  wä
vicl  besser  gewesen,  Sie  hätten  sich  verstellt  *
ihm  nicht  gezeigt,  dan  Sie  ihn  erkannt,  denn  er
bewies  ihnen  ja  deutlich,  daß  er  das  nur  wollte.

#ch  sehe  in  der  Sache  ganz  llar,  e  lam  gus- 



  
 

 

drei  ihrer  Söhne  im  Kardinalskollegium  gehabt.
  Wenn“  Graf  Hertling,  der  in  Rom  schon
in  früheren  Jahren  für  deutsch-katholische  Interessen
  ersolgreich  gewirtt  hat,  die  ganze:
gelegenheit  in  die  Hände  nimmt,  ist  nicht  daran
zu  zweiseln,  daß  der  Wunsch  der  deutschen  Kxibolilen
  in  Erfüllung  geht,  und  #rar  um  so  rascher,
  je  weniger  sich  nichtiatholfsche  Kreise  mit
dieser  Angelegenheit  beschäftigen.“  Erzberger
deutet  dann  noch  an,  daß  der  preußische  Gesandte
am  Vatilan  sich  in  dieser  Sache  bemüht  hat;
menn  das  lichtig  sei,  dann  dürfe  man  sagen,
daß  schon  das  nächsie  Konsistorium  einen  bayerischen
  Kardinal  bringen  wird.
Deutschland.
Sozialdemokrat  und  Beamter.
Gegen  den  Gemeindeschöffen  Liebig  in  Bierstadt
  (Reg.-Bez.  Wiesbaden),  der  als  solcher
die  Eigenschaft  eines  mittelbaren  Staatsbeamten
besitzt,  wurde  das  förmliche  Disziplinarverfahren
eingeleitet,  weil  er  sich  hei  den  E—
als  sozialdemokratischer  Wahlma
stellen  lassen,  auch  in  entiprechender  rnt  es
gerählt  hat.  Der  Kreisausschuß  zu  Wiesbaden
  eitannte  gegen  den  Angeschuldigten  auf
Entfernung  aus  dem  Amte.  Er  ging  davon  aus,
aß  ein  Beamter  durch  seine  Zugehörigkeit  zur
Sozialdemokratie  sich  nicht  nur  des  durch  seinen
Beruf  erforderten  Vertrauens  unwüroig  zeige,
sondern  auch  die  Pllichten  seines  Amtes  verletze,
das  ihm  das  Eintreten  für  die  bestehende  Staatsund
  Nechtsordnung  gebiete,  während  mit  deren
Wahiung  die  Ziele  der  Sozialdemokratie  im
Widerspruch  ständen.  Der  Gerichtshof  betonte
weiter,  daß  der  Angeschuldigte  bei  der  Vereidigung
  als  Schöffe  auf  die  besonderen  Pflichten
  hingewiesen  sei,  die  er  damit  übernehme,  und
daß  er  ihre  Erfüllung  auch  versprocken  habe.
Wenn  er  trotzdem,  so  führte  der  Bezirksausschuß
aus,  auch  fernerhin  in  Beziehungen  zur  (ozialdemokratischen
  Partei  gestanden  habe,  so  lasse
sich  nicht  annehmen,  daß  er  seine  Stellung  zu
ihr  ändern  wer  Daraus  ergebe  sich,  daß
der  Angeschuldigte  nicht  im  Amt  belassen  werden
könne.  Er  legte  gegen  das  Urteil  des  Kreisausschusses
  Berufung  ein,  über  die  der  Dissiplinarsenat
  des  Oberverwaltungsgerichts  zu  entscheiden
  halte.  Der  Senat  hat  nun  am  10.
März  1913  in  nichtöffentlicher  Sitzung,  die
nach  §  35  des  GEesetzes  betreffend  die  Dienstver-#chließuch
  m  dem  :  rd,  Sie  zu  reizen.
danmt  Sie  ihn  von  der  Herrea  auf  der
„Kenmwin  der  Nach!l“  aueschließen  sollten.
Wicio““  fragte  ich,  ich  glaubte  zwar  Kennards

 
    

Worien,  war  mir  aver  über  die  Motive  noch
nicht  llar.
„Sehr  einfach,  weil  Ihre  Bchauptung,  ein

reicher  Passjagier,  der  den  Beweis  dafür  lieferte,
daß  er  sich  drei  Tage  vorher  in  London  ausge
halten,  min  einem  in  Barcelona  gelandeten  blinden
Passagier  identisch  sein  sollie,  den  Konful  zweisellos
überzeugen  mußte,  daß  Zovertals  Ertlärung,  Sie
wären  wabnsinnig,  durchaus  aus  Wahrheit  beruhte.
  Doch  horen  Sie  zu.  ich  will  Ihnen  die
Sache  deutlicher  erklären.“  fuhr  Kennard  fort,
„und  Ihnen  auch  mitteulen,  was  ich  erlebt  babe.
Zavberiai  war  zehn  Minuten  vor  mir  abgefabren.
boch  mit  dem  Versprechen  eines  guten  Trinlgeldes
ltrieb  ich  meine  Leute  zur  Eile  an,  und  die  Entfernung
  zwischen  uns  wurde  so  wesentlich  verringert,
  daß  ich  zur  richtigen  Zeit  an  Land  gesetzt
wurde,  mm  meinen  Mann  im  Auge  bchalten  zu
Iônnen.-=Er
  bog  in  die  Via  Vittore  Emanuele  ein,
ging  dann  durch  die  Via  San  Lorenzo,  dann  an
der  Piazza  Deferrari  entlang  und  trat  in  das
Hoel  de  Genes,  soweit  war  also  seine  Behauptung
eine  Lüge.  Daß  der  Mann  aber  so  ohne  weiteres
die  Wabrheit  gesprochen  haben  sollte,  kam  mir  jo
unglaublich  vor,  daß  ich  sojort  einen  Grund  vermutete,
  den  ich  dann  auch  bei  meinem  Eintritt
in  das  Hotel  entdeckte.  Er  trat  in  die  Vorhalle.
anstatt  sich  aber  dem  Bureau  zuzuwenden  und
dort  seine  Erkundigungen  cinzuziehen,  blich  er
innerhalb  der  Drehtüren  siehen  und  warlete  dar!.

(Fortsetzung  folgt.)