Juni 4.
522 1611 221.
dem Vorgeben zu begehren, dass er wegen der unabgebandelten Artikel zu
Regensburg mit den Kurfürsten, Fürsten ınd Befreundeten weiter handeln
wolle.! DiesVorhaben hat aber ein weites Aussehen, zieht allerlei Ungelegenheiten
nach sich und gibt zum Argwohn Anlass als hätte ich den Kaiser
in diesem Königreich nicht leiden mögen, mich mit ihm nicht vertragen
können, ihn nicht gebührlich respektieren und ihn allerlei Ungelegenheiten
zufügen wollen, so dass er notgedrungen zu dieser Resolution habe
greifen müssen. Ich habe dies E. L. mitteilen und dabei meine
Meinung deutsch und aufrecht dahin eröffnen wollen, dass ıch nie
daran gedacht habe, den Kaiser als den Aeltosten dos Hauses, der
mir alle diese Königreiche und Länder abgetreten hat, übel zu halten,
weniger noch ihn aus diesem Königreich zu vertreiben; ich bin vielmehr
jederzeit geneigt, mit ihm brüderlich zu handeln, wenn nur nicht
friedhässige Leute bei der Hand wären, die dem Kaiser fremde
Gedanken machen und ihn so verwirren, dass er zu keinem festen
„terminus‘“ kommen kann. Als wirklicher und regierender König vn
Böhmen muss ich allerdings tun, was mir von Amtswegen bei jetziger
Beschaffenheit zu tun gebührt, aber das soll meinerseits die Vertraulichkeit
und brüderliche Liebe nicht aufhalten. Wenn E. L. von
diesen Sachen ungleicher Bericht vorkommt, so bitte ich Sie, solchen
Informationen keinen Glauben zu schenken sondern dergleichen an
mich gelangen zu lassen, damit ich wahrhaften Gegenbericht tun
kann. Ich versichere E. L., wenn der Kaiser hier zu erhalten ist,
dass ich es an mir nicht fehlen lassen werde; wenn aber bis.
friedhässige Leute den Ausschlag erteilen, so will ich wenigstens dazu
keine Ursache gegeben haben; vor allem aber will ich mich und
meine Königreiche und Länder vor künftigem Uebel, das diese
bösen Leute leicht verursachen könnten, gebührlich versichera,
das übrige aber dem Kaiser anheimstellen. Geben Prag den 4. junii
anno 1611.!
Nachschrift: Die verhafteten kaiserlichen Räte sind nicht von mir
sondern von den böhmischen Ständen eingezogen worden. Ich bin
eben daran, mich über die Beschaffenheit der Sache zu erkundigen
und die Gebühr geschehen zu lassen.?
Wi, IA ı, Ka. 2990; Kpt. mit Verbesserungen Khiesis.®
! Ygl. no. 200, S. 485, Anın. 2.
? Am6.Juni überschickt der König den Herrn Wolf Sigmund von Losenstait.
Hans Georg Freiberrn von Teufel und Ulrich von Gersdorf die Interrogatorieo
auf Hannewald und dessen Aussagen; wegen verschiedener Widersprüche in
diesen und weil Hannewald da und dort mit blossem Vermeinen antworte oder
Unwissenheit vorgebe, sollen sie Hannewald nochmals befragen und ihn ermahnen.
rund auszusagen und sich nicht durch andere Aussagen und Indizien überführen
zu lassen; wenn er offen die Wahrheit sage, wolle ihn der König
der Haft entledigen, „im widrigen fall aber [sei der König] durch anders
ernstliche mittl auf den grund zu kommen entschlossen“. Darnach haben
die Kommissarien ebenso das Verhör mit Hegenmüller gütlich, „doch mit
ernstlicher betroung* auf grund besonderer Interrogatorien vorzunehmes
(wi., I Ai, Ka. 2990; Kpt.).
® Von den Originalen dieses Schreibens liegen mir ausser denen
an die Teilnehmer des Konvents noch die an Württemberg und Anhalt