Volltext : Kriegsamtliche Mitteilungen und Nachrichten. Nr. 51-60 (5)

Nummer  58

Krieqsamt.  Hmsilcie  ungen

und  Nochrichten

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stteilungen  des  Kriegs-Auslchulles
für  Sammel-  und  Helferdienst

(unter  dem  Vorlsitze  des  Kriegsamtes).

*  Die  Hamburger  Schulfammlung
für  Altmaterlal.

(Neuordnung,  Hauptammeltage.)

Wie  an  vielen  Orten  Deutschlands  ist  auch  in  Hamburg
Knochensammlung  der  Ausgangspunkt  für  das  allgeeine
  Sammelwesen  geworden.  In  den  Dienst  der  Knochenumlung
  hatten  sich  5000  Schüter  gestellt.  Aber  schon
ajangs  Januar  hatte  die  Oberschulbehörde  diesen  anheime#ogeben,

  ihre  Tätigkeit  auch  auf  die  Sammlung  von  Altnaterial
  auszudehnen  und  dieses  zusammen  mit  den  Knochen
in  den  Knochensammelstellen  abzuliefern.  Im  Juni  wurde
dann  eine  Neuorganisation  vorgenommen,  die  durchgreisende
  Veränderungen  mit  sich  brachte;  denn  wie  es  in
einem  Rundschreiben  der  Oberschulbehörde  vom  21.  Juni
heißt,  konnte  sich  diese  den  ernsten  Vorstellungen  des  Kriegsamtes
  in  Berlin  und  des  stellv.  Generalkommandos  des
9.  Armeekorps  gegenüber  der  Einsicht  nicht  verschließen,  daß

die  Zeitverhältnisse  es  dringend  notwendig  machen,  aus  den

Privathaushaltungen  möglichst  alles  entbehrliche  Altmaterial

  zu  erfassen  und  auf  dem  kürzesten  Wege  der  Verarbeitung

  in  der  Kriegsindustrie  zuzuführen.  „Bei  der
Verfolgung  dieses  Zieles“,  so  heißt  es  wörtlich  in  dem  angeführten
  Rundschreiben,  „muß  erforderlichenfalls  das  Intereffe
  der  Schule  hinter  dem  der  Allgemeinheit  zurückstehen.“

Das  nun  in  Hamburg  zur  Einführung  gelangte  System
kann  insofern  als  vorbildlich  bezeichnet  werden,  als  es  sich
einerseits  auf  die  Schulen  stützt,  andererseits  auf  öffentliche
Sammelstellen;  daß  ferner  die  geschäftliche  Fürsorge  über
die  aufgebrachten  Rohstoffe  nicht  der  Schule  zur  Last  fällt,
sondern  kaufmännisch  geregelt  wird,  und  auch  darin  liegt
eine  Besonderheit  —,  daß  den  Schülern  das  Entgelt  für  die
abgelieferten  Gegenstände  durch  die  Schule  ausgezahlt  wird.
Die  von  der  Sch#ljammlung  für  Altmatertal  bisher  eingerichteten
  Sammelstellen  bleiben  nach  wie  vor  besteher.
Damit  sie  aber  allen  Schülern  mehr  als  dies  bisher  der
Fall  war,  bekannt  werden,  wird  in  jedem  Klassenraum  ei
Verzeichnis  derselben  ausgehängt,  so  daß  jedem  Schüler  die
der  elterlichen  Wohnung  oder  auch  einem  fremden  Haushait
benachbarte  Sammelstelle  bekannt  ist.  Diese  Sammelstellen
sind  an  jedem  Werktag  von  8—6  Uhr  geöffnet.  Ueber  das,
was  der  Schüler  aus  dem  elterlichen  Haushalt  oder  auch)
aus  einem  kinderlosen  fremden  Hausbalt  an  die  Sammelstelle
  abliefert,  wird  dem  Schüler  eine  Quittung  ausgehändigt.
  Diese  bon  den  öffentlichen  Sammelstellen  ausgestellten
  Quittungen  sind  dem  Klassenlehrer  durch  die
chüler  abzuliesern.  Dieser  trägt  sie  in  eine  Liste  ein.  Die
Listen  der  einzelnen  classen  werden  am  9.  eines  jeden
Monats  mit  den  dazugehörigen  Quittungen  dem  für  jede
Schule  bestellten  Sammlungsleiter  ausgehändigt  der  für
die  weitere  Verrechnung  und  für  die  Uebersendung  an  den
kaufmännischen  Leiter  Sorge  trägt.  An  einem  bestimmten
Tage  zahlt  dann  der  Klassenlehrer  den  Schülern  die  Vergütung
  für  die  von  ihm  eingelieferten  Gegenstände  aus.  Am
Tage  vor  der  Auszahlung  wird  den  Eltern  durch  den
Klassenlehrer  in  geeigneter  Weise  Kenntnis  davon  gegeben,
daß  das  Geld  zur  Auszahlung  gelangt,  Diese  Mitteilung
an  die  Eltern  ist  am  Tage  der  Auszahlung  unterschrieben
dem  Klassenlehrer  vorzulegen.  Die  Hamburger  Oberschulbehörde
  nimmt  an,  daß  sich  nicht  nur  die  öffentlichen,  sondern
  auch  die  privaten  Schulen  in  dieser  Art  an  der

Soammeltatigkeit  beteiligen,  und  bat  auch  entsprechende  Vordrucke
  an  alle  Privatschulen  versandt.  Besonderer  Wert  wird
darauf  gelegt,  daß  die  Klassenlehrer  täglich  darauf  hinwirken,
  daß  die  Schüler  von  der  Moglichkeit,  jederzeit  in  den
öffentlichen  Sammelstellen  Altmaterial  abzugeben,  fleißig
Gebrauch  machen.

Neben  dieser  vorgeschilderten  Art  der  Sammlung,  bei
welcher  die  Sammelgüter  in  den  öffentlichen  Sammelstellen
abgegeben  werden,  sind  aber  noch  besondere  Hauptsammel-=tage
  vorgesehen,  an  denen  die  Altmaterialien  unmittelbar
in  die  Schule  gebracht  werden.  Diese  Tage  werden  von  der
Oberschulbehörde  festgesetzt,  werden  vorher  durch  die  Presse
der  ganzen  Bevölkerung  bekanntgegeben,  an  ihnen
fällt  der  Unterrichtaus.  Den  Schülern  wird  es  zur
besonderen  Pflicht  gemacht,  diese  Tage  dazu  zu  benntzen
alles  entbehrliche  Altmaterial  aus  dem  Hause  der  Eltern,
sowie  aus  befreundeten  oder  benachbarten  Hänfern,  ans
denen  keine  Kinder  die  Schule  besuchen,  zur  Schule  zu
bringen.  Dort  werden  an  den  Hauptiammeltagen  Annahmestellen
  für  bestimmte  Arten  Altmaterial  eingerichtet.  Selbstverständkich
  bleiben  auch  die  öffentlichen  Sammelstellen  an
diesen  Hauptsammeltagen  geöffnet,  da  anzunehmen  ist,  daß
sie  gerade  an  diesen  Tagen  besonders  stark  in  Anspruch  genommen
  werden  dürften;  es  soll  den  Schülern,  die  einen
weiten  Schulweg  haben,  nicht  zugemntet  werden,  das  Altmaterial
  erst  zur  Schule  zu  bringen.  Vielmehr  ist  es  den
Schütern  und  Schülerinnen,  deren  Wohnung  einer  öffent-„lichen

  Sammelstelle  näher  liegt  als  das  Schulgebände,  gestattet,

  das  Sammelgut  auch  am  Hauptsammeltag  an  der
öffentlichen  Sammenlstelle  abzugeben.  Die  Sammelgüter,
die  unmittelbar  in  der  Schule  angenommen  werden.  sind
auf  Papier  und  Pappe,  Flaschen,  Weißblechdosen,  Korke
und  Frauenhaar  beschränkt.  Das  in  diesen  Hauptsammeltagen
  in  der  Schule  zusammengebrachte  Sammelgut  wird
dann  innerhalb  einer  Woche  durch  Kraftwagen  und  andere
Fahrzeuge  abgeholt,  die  vom  Generalkommando  9.  A.  K.
estellt  werden.  Am  5.  Juli  fand  nun  der  erste  derartige
Hauptsammestag  statt.  Sein  Ergebnis  muß  als  ein  glänzendes
  bezeichnet  werden,  wie  aus  der  folgenden  Aufftellung
hervorgeht.  ·

Es  wurden  zmammengebracht  an:

Papier  287  118,5  Ki
Flaschen  237  166  Stülr
Weißblechdole  302  660  „
Sektkorke  9183  „
Weinkorke  20  589  6½
Bruchtorke  987  Kilo
Haar  832  «

—
Kupfer  1928
Zink  und  Blei  1  398
Gußmetalle
Aluminium  5
Staniol
Staniolkapsein
Messing
Zinn
Nickel  2,8  „

Summa:

Kilo

17

Glühbirnensockel
Grammophonplatten
Grammophonplattenbruch
Gummi  1  165  („
Silber  70  Gramm

Dieser  Erfolg  zeigt  deutlich,  was  an  Werten  der  All.
gemeinheit  zuge  ührt  werden  kann,  wenn  Schulbehörde  und
militärische  Stellen  unter  Mitarbeit  kaufmännischer  Sachverständiger
  so  vorbildlich  zusammenarbeiten,  wie  dies  in
Hamburg  der  Fall  ist.

3689  Stürr
57

51,5  Kilo