472 Land und Natur.
Andere meist nicht über die Grenze des Weinbaus hinausgehende Unterländer
sind der schwarze Senf, Sinapis nigra, der gelbe Sauerklee, Oxalis strieta
und corniculata, die Erdkastanie, Carum Bulbocastanum, die wilde Ringel-
blume, Calendula arvensis, der Mäuseschwanzschwingel Festuca Myuros.
Die am meisten in die Augen fallenden Kräuter und Sträucher der Keuperwälder
sind der hohe Weiderich, Epilobium angustifolium, mit fußlangen purpurnen
Blumenähren, die goldgelben Blumenähren des Geisklees, Cytisus nigricans.
die Zwergrose mit großen Blumen, Rosa gallica, verschiedene Brombeeren, der
Bärenfenchel, Peucedanum oftiecinale, ein prächtiges, um Stuttgart häufiges
Doldengewächs mit fein zertheilten dunkeln Blättern, die Bergpetersilie, Peuce-
danum Oreoselinum, die Hirschwurz, Peucedanum Cervaria, und die Bocks-
blume, Himantoglossum bhireinum.
Diegelbe Wucherblume, Chrysanthemum segetum, auf den sandigen Aeckern
des nördlichen Deutschlands ein höchst beschwerliches Unkraut, auf dessen Ausrottung
Preise gesetzt wurden, ist bei uns eine botanische Seltenheit der Gegend von Heilbronn.
Andere, nur an einzelnen Stellen gefundene Seltenheiten sind drei Elatinen,
Elatine Alsinastrum, triandra und hexandra, das Tausendkorn, Radiola
linoides, der Diptam, Dictamnus Fraxinella, die kassubische Wicke, Vieias
cassubica, die weiße Walderbse, Orobus albus, die Sumpfblatterbse,
Lathyrus palustris (Aumühle), das Hornblatt, Ceratophyllum submersum,
zwei Rebendolden, Oenanthe fistulosa und peucedanifolia, der Roßkümmel,
Seseli coloratum, die falsche Möhre, Laserpitium prutenicum, das Floh-
kraut, Pulicaria vulgaris, die anderwärts häufige Feldstabwurz, Artemisia
campestris, in Württemberg nur bei den Salinen von Schwäbisch Hall und Fried-
richshall und an den Felsen des Schlosses Stocksberg, eine kleine Schwarzwurzel,
Podospermum laciniatum, die Lindernie (bei Maulbronn), die weiße Brau-
nelle, Prunella alba, der Kleinling, Centunculus minimus, der nordische
Mannsschild, Androsace septentrionalis, das einblättrige Weichkraut, Ma-
laxis monophyllos (Lorch), und ein Zwerggras, Chamagrostis minima. Die
„Wasserpest“, Elodea canadensis, kommt nun auch bei uns und zwar in den
Degerlocher Wassergruben und bei Eßlingen und Nürtingen vor.
An Kryptogamen ist das Unterland gar nicht arm; namentlich die Wald-
ungen des sandigen Keuperbodens beherbergen viele derselben. Farne kommen in
den Nadelwäldern des Jagstkreises oft so üppig vor, wie im Schwarzwald; kleinere
oder größere Strecken werden oft von Lycopodium annotinum und clavatum, selten
von L. complanatum, eingenommen, während andere Flächen mit Flechten, na-
mentlich hellgrauen oder weißgelben Cladonien und wieder andere Stellen mit dichten
blassen Polstern von Torfmoosen (S8phagnum) bedeckt sind. An den Rinden
und Zweigen der Bäume finden sich reichlich Moose und Flechten. Das Unterland
hat ein Farnkraut, das den andern Landestheilen fehlt, den Schriftfarn, Grammitis
Ceterach., welcher an Mauern im Freien wächst. Ein in Deutschland seltenes
Astmoos, Anacamptodon splachnoides, ist in der Gegend von Untersontheim an
nassen Stellen von Baumstumpen ziemlich häufig.
Von Algen nennen wir die Enteromorpha intestinalis (Mergentheim,
Vellberg, Oehringen) und zwei Clathrocystis, die spangrüne aeruginosa vom
obern Anlagensee in Stuttgart und die rothe roseopersieina in einem Teich bei
Plieningen. Auch ein paar Flechten mögen noch angeführt werden: Anaptzychia
leucomelas, Tornabenia chrysophthalma, Parmelia Acetabulum, Lenormandia
Jungermanniae; Cladonia carneola.