Liberia.
Deutschland seit den Freiheitskriegen üblich
geworden. Aus der liberalen Partei
ging 1848 die demokratische Partei hervor,
welcher dann eine gemäßigt liberale
Partei gegenübertrat, die namentlich in
der Fraktion „Vincke im preußischen
Abgeordnetenhaus vertreten war. Von
dieser, der sogen. altliberalen Partei,
löste sich 1861 die noch jetzt bestehende
deutsche Fortschrittspartei (s. d.) los.
Als aber diese letztere Partei sich mehr
und mehr in unfruchtbare Negation zu
verlieren schien, gab die Gründung des
Norddeutschen Bundes Veranlassung zur
Bildung eines neuen Parteiverbands, welcher
sich den Namen nationalliberal
beilegte, um anzudeuten, daß seine Angehörigen
nicht nur die Forderungen der
liberalen, sondern auch diejenigen der nationalen
Idee zu verwirklichen suchen und
die Regierung bei dem Ausbau der Bundes=
und nachmals der Neichserfassung im
nationalen Sinn unterstützen wollten,
auch wenn es nicht immer gelingen werde,
die eigentlichen liberalen Lordekungen in
ihrem ganzen Umfang Geltung zu
bringen (s. Nationalliberal). Daneben
beharrte die Fortschrittspartei bei
ihren entschieden liberalen Prinzipien,
indem sie es verschmähte, die Taktik der
Nationalliberalen, welche durch Kompromisse
das Mögliche zu erreichen suchten,
mitzumachen. Die eigentlich ertrem
liberale Partei aber fand in der Sozialdemokratie
(s. d.) ihren Platz, welche,
abgesehen von der sozialen Frage, viele
radikale Elemente an sich heran= und in
sich großzog. Neuerdings ist in Süddeutschland
noch eine sogen. Volkspartei
hinzugekommen, welche zwar nicht den
eigentlichen. sezialdemotratischen, wohlaber
den demokratischen Grundsätzen Eingang
zu verschaffen suck. Überhaupt scheint es,
als ob mit der Entwickelung des politichen
Lebens in Deutschland das Gebiet
der politischen Mittelparteien sich mehr
und mehr verenfere und die entscheidenden
Parteigegensätze zwischen der liberalen
und konservativen Richtung schärfer
hervorträten; namentlich scheint der Nationalliberalismus
seine Mission erfüllt
zu haben. Die Schwächung der national-341
liberalen Partei ist alerdings zumeist das
Werk des Fürsten Bismarck, welcher ein
Jahrzehnt hindurch ihre Unterstützung
genossen hatte, sich aber von ihr abwandte,
als das Gros derselben die von ihm inaugurierte
Zoll= und Steuerpolitik nicht
voll und ganz unterstützte. Seitdem ist
die Partei in einem Zersetzungsprozeß begriffen,
indem sich 1879 die liberale
GruppeSchauß-Völk= abzweigte, welche
schutzzöllnerisch gesinnt, und 1880 die
Gruppe „Forckenbeck- (liberale Vereinigung),
welche entschieden liberal
und mehr dem Freihandel zugethan ist,
eine Sezession (s. d.) aus der nationalliberalen
Partei veranlaßte. Die Verwirklichung
des Gedankens, die entschieden
liberalen Elemente Deutschlands zu
dem Verband einer großen liberalen Partei
zusammenzufassen, würde freilich auf
viele Schwierigkeiten stoßen; der Gedanke
selbst ist aber allem Anschein nach für die
Masse des Volks ungemein sympathisch.
Libersa, Negerrepublik an der sogen.
Pfefferküste (Oberguinta) in Westafrika;
ca. 24,800 qkm, 718,000 Einw., darunter
etwa 18,000 zivilisierte Neger; Hauptstadt:
Monrovia mit ca. 3 Einw. Der
Fripaus L. ging aus einer Negerkolonie
ervor, welche einem 1816 in Washington
egründeten = Kolonisationsverein zur An-16
elung freier Farbigen der Vereinigten
Staaten ihre Entstehung verdankte, aber
leider die damit verbundenen Hoffnungen,
daß von dieser Kolonie eine Zivilisation
der eingebornen Neger ausgehen werde,
wenig oder gar nicht erfüllte. Die Unabhängigkeitserklärung
der ursprünglich
unter jener Gesellschaft stehenden Kolonie
7 26. Juli 1847. Nach der Verfassung,
welche der nordamerikanischen
nachgebildet ist, steht ein Präsident an der
Spige der Republik, in dessen Handen sich
die Exekutivgewalt befindet. Die Gesetzgebung
ist Sache des aus 8 auf 4 Jahre
gewählten Mitgliedern bestehenden Senats,
in welchem der Vizepräsident der
Republik den Vorsitz führt, und des Repräsentantenhauses,
welches sich aus 13
auf 2 Jahre gewählten Repräsentanten
zusammensetzt. Eine stehende Armee ist
nicht vorhanden, sondern jeder waffenfähige