Full text : Realienbuch nebst einem Anhange für Deutsch und Raumlehre.

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seine  Niederlagen  teuer  zu  verkaufen.  Noch  einen  solchen  Sieg,  und  ich
werde  mit  meinem  Stabe  in  der  Hand  allein  nach  Petersburg  kommen
und  die  Nachricht  bringen.“  —  1760.  Der  König  überfiel  und  schlug  den
15.  Angust  bei  Liegnitz  die  Osterreicher  und  vertrieb  sie  aus  Schlesien.  Bei  Torgau
schlug  er  sie  am  3.  November  nochmals  in  einer  äußerst  blutigen  Schlacht,  die
Ziethen  eigentlich  zur  Entscheidung  brachte.  —  1761.  Der  König  mußte  sich  jetzt
nur  noch  auf  bloße  Verteidigung  beschränken.  Drei  Wochen  schlossen  ihn  die  Russen
und  Osterreicher  in  seinem  festen  Lager  bei  Bunzelwitz,  unweit  Schweidnitz,  ein.
Hunger  nötigte  die  Russen  zum  Abzuge,  und  der  König  war  befreit.  Die  Osterreicher
eroberten  Schweidnitz  und  konnten  zum  ersten  mal  in  diesem  Kriege  ihre  Winterquartiere
  in  Schlesien  halten.  Die  Russen  eroberten  Kolberg  und  besetzten  auch
Pommern.  Des  Königs  Lage  wurde  immer  gefährlicher.  —  1762.  Da  starb  am
Anfange  dieses  Jahres  die  Kaiserin  Elisabeth  von  Rußland,  und  ihr  Nachfolger
Peter  III.  wurde  Friedrichs  Bundesgenosse.  Auch  die  Schweden  schlossen  mit  Friedrich
  Frieden.  Friedrich  schlug  die  Osterreicher  nun  noch  bei  Burkersdorf,  und
sein  Bruder,  Prinz  Heinrich,  bei  Freiberg  in  Sachsen.  Auch  Frankreich  und  die
deutschen  Reichsfürsten  baten  jetzt  um  Frieden.  Da  blieb  nun  Maria  Theresia  nichts
übrig,  als  am  15.  Februar  1763  auf  dem  sächsischen  Jagdschlosse  Hubertsburg
mit  Friedrich  d.  Gr.  auch  Frieden  zu  schließen  und  dem  unbesiegten  Helden  Schlesien
zu  lassen.  Durch  diesen  ruhmvollen  Krieg  trat  Preußen  in  die  Reihe  der  europäischen
  Großmächte.

§  16.  Friedrich  der  Gr.  als  Regent.  a.  Thätigkeit.  Der  König  war  unermüdlich
  thätig.  Zwei  Grundsätze  standen  bei  ihm  fest,  nämlich  nie  ein  Geschäft  auf
den  andern  Tag  zuverschieben  und  die  strengste  Ordnung  in  allen  Dingen  zu  beobachten.
Deshalb  hatte  er  seine  Zeit  so  eingeteilt,  daß  ihm  keine  Stunde  unnütz  verstrich.
Schon  um  4  Uhr  morgens  stand  er  auf  und  arbeitete  oft  bis  in  die  späte  Nacht.
Jährlich  durchreiste  er  alle  seine  Länder  und  untersuchte  alle  Zweige  der  Staatsverwaltung.
  b.  Sorge  für  das  Wohl  des  Landes.  Immer  war  er  bemüht,  die  Einkünfte
  seines  Landes  zu  vermehren  und  Geld  zu  sparen;  denn  er  hatte  eingesehen,
daß  Länder  ohne  Geld  nicht  bestehen  können.  Er  sagte  deshalb  einmal:  „Fürsten
müssen  im  Frieden  Geld  sparen,  damit  sie  im  Kriege  Geld  haben.“  Er  hinterließ
seinem  Nachfolger  einen  großen  Staatsschatz.  Nach  den  schlesischen  Kriegen  war  er
bemüht,  den  Wohlstand  des  Landes  zuheben.  Er  ließ  ganze  Dörfer  und  Städte
bauen  und  verschenkte  die  Häuser.  Die  Oderbrüche  ließ  er  urbar  machen  (Finowkanal)
und  sprach  erfreut:  „Da  habe  ich  mitten  im  Frieden  eine  Provinz  gewonnen!“  Er  rief
Leute  aus  andern  Ländern  dahin.  Leider  brachte  er  auch  viele  Franzosen  ins  Land,
deren  lose  Sitten  auf  das  Volk  einen  verderblichen  Einfluß  ausübten.  Der  König
war  sehr  wohlthätig.  Abgebrannten  Städten,  überschwemmten  Ortschaften  gab  er
oft  Hunderttausende  oder  ließ  Häuser  bauen  und  verschenkte  sie  an  die  Unglücklichen.
Er  sagte  einst:  „Ich  habe  kein  größeres  Vergnügen,  als  wenn  ich  einem  armen  Manne
kann  ein  Haus  bauen."“  Groß  war  auch  seine  Gerechtigkeitsliebe,  wie  die  Geschichte
  von  König  Friedrich  und  seinem  Nachbar  es  zeigt.  Er  schaffte  die  schrecklichen
  Folterstrafen  ab.  Viel  that  Friedrich  für  den  Soldatenstand;  denn  er  hielt  ihn
für  die  Stütze  des  Landes.  Das  preußische  Volk  war  stolz  auf  seinen  König  und
nannte  ihn  nur  den  „Alten  Fritz“.  —  c.  Letzte  Kriege.  Tod.  Er  nahm  teil  an
der  ersten  Teilung  Polens  1772.  Die  Polen  waren  hinterlistige,  feindselige  und
unruhige  Nachbarn,  und  es  stand  zu  befürchten,  daß  Rußland  ganz  Polen  an  sich
bringen  würde.  Darum  willigte  er  1772  in  eine  Teilung  Polens  und  erhielt  Westpreußen
  außer  Danzig  und  Thorn,  den  Netzedistrikt  (Bromberger  Kanal)  und
das  Bistum  Ermland.  Er  nannte  sich  jetzt  König  von  Preußen.  Nachdem  der  große