triebenen Bischoͤfen, den Haͤuptern des großen Landesverrates,
die gemaͤß dem Frieden Wiedereinsetzung verlangten; Plauen
jedoch verweigerte „die Natter im Busen und das Feuer im
Gehren zu huͤten.“
So vergingen dem Meister zwei sorgenvolle Jahre. König
Wladislaw erkannte an der jammervollen Zerruͤttung des
Ordenslandes die Torheit des uͤbereilten Friedensschlusses.
In der Tat, was auch uͤberkluge Gelehrte dawider sagen, die
alte Tradition der Schulen ist im vollen Rechte, wenn sie den
Untergang des Ordens von der Schlacht von Tannenberg datiert:
von jenem Tage an hoͤrten die Deutschen auf, die Herrscher
zu sein unter den Westslawen, und der Orden verlor, was einem
Militaͤrstaate die Haͤlfte seiner Macht bedeutet: den Ruf der
Unbesiegbarkeit. Das Ordensland war, seit es von katholischen
Feinden umringt stand, nichts Besseres mehr als die anderen
deutschen Territorien; die Gaͤste, die jetzt noch nach Preußen
zogen, wußten allein noch die Widerstandskraft der festen
Ordensburgen zu ruͤhmen, und diese defensive Kraft des aus—
gesogenen Landes konnte zuletzt doch nur durch die Geldmittel,
die der Orden aus seinen deutschen Guͤtern zog, erhalten werden.
Des Sieges gewiß, begann daher Wladislaw ein System
frechster Gewalttaͤtigkeit wider den Orden. Seine Hauptleute
fielen pluͤndernd ein in das preußische Grenzland, der preußische
Kaufmann ward auf polnischer Heerstraße niedergeworfen;
ja, der Litauerfuͤrst erbaute auf dem Gebiete des Ordens die
Feste Welun und gab den Klagenden die bedeutende Antwort,
ganz Preußen habe dereinst seinem Volke gehört. Noch ging
der Meister friedliche Wege. Er bat den Ungarnkönig Sigmund
um seine Vermittlung. Der aber vergaß seiner Pflicht gegen
das Reich. Gleichwie er später, dem Dänen zulieb, den deutschen
Schauenburgern ihr Erbrecht auf Schleswig absprach, so sah er
jetzt in dem Kampfe der Deutschen mit den Polen nur die willkommene
Gelegenheit, sich zu bereichern. Die Vermittlung mißlang.
70