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Herbste 1913 anläßlich der Jahrhundertfeier des 16. Dragonerregiments in
Lüneburg, dessen Chef der König der Belgier war. Damals hatte eine
Unterredung zwischen dem letzteren und dem Generalstabschef, General
v. Moltke, im Neuen Palais zu Potsdam stattgefunden, bei der Kaiser Wilhelm
II. nicht zugegen war. General v. Moltke hatte bei dieser Gelegenheit
seiner Überzeugung Ausdruck verliehen, Deutschlands Heer werde sich
dem französischen an Ausbildung und innerem Werte überlegen zeigen,
wenn es einmal zu einem Zusammenstoße kommen sollte. Diese Äußerungen
in Verbindung mit anderen des deutschen Kaisers, über die Baron
Beyens seinen französischen Kollegen in Berlin alsbald unterrichtetet),
und die dieser schleunigst nach Paris weitergab, sind das Einzige, worauf
die erwähnte Kommission in ihrem grundlegenden Berichte hinzuweisen
vermag, um darzutun, daß der deutsche Kaiser „schon viele Monate
vor derim Juli 1914 zum Ausbruch gekommenen
Krisis aufgehört habe, als Schutzherr des
Friedens aufzutreten‘. Dieser einzige Vorgang genügt ihr als
Beweis für Deutschlands ‚vorgefaßte Absicht, Krieg führen zu wollen“.
Sie verzichtet darauf, Deutschlands Schuld aus der weiteren politischen
Vorgeschichte des Weltkrieges erweisen zu wollen, und geht unmittelbar
auf die Ereignisse nach dem 28. Juni 1914 über.
Über diese letzteren Vorgänge geben uns die belgischen Dokumente
nichts, da sie mit dem 2. Juli abschließen. Sie bestätigen aber den
Grundgedanken der deutschen Politik in der kritischen Zeit, als den wir
nach Kenntnis aller inzwischen veröffentlichten Beweisstücke erkennen,
Österreichs — auch deutscherseits für nötig gehaltene
— Abrechnung mit Serbien örtlich zu begrenzen,
einen Weltkrieg aber unbedingt zu vermeiden.
Von einem solchen hatte Deutschland nichts zu erhoffen,
alles zu fürchten. Rußlands Mobilmachung hat ihn entfesselt. Schon
seit Monaten rüstete Rußland zum Kriege. Die beigischen Gesandten
wußten es und berichteten darüber. Zahllose andere Beweisstücke
erhärten es. Die dem Zweibunde von seiner Entstehung an innewohnende
offensive Grundrichtung entfesselte den Weltbrand.
Die Beweggründe für das Verfahren der Entente in Versailles
liegen klar zutage. Sie ist sich dessen bewußt, daß eine Schuld am
Ausbruche des Weltkrieges Deutschland nicht nachzuweisen ist, wenn
man die gesamte politische Entwicklung der Jahrzehnte vor dem Weltkriege
mit heranzieht. Sie vermeidet es daher, von diesen Dingen
auch nur zu sprechen. Das Gespräch anläßlich des belgischen Monarchenbesuches
in Potsdam, unmittelbar darauf die Erwähnung der Untat von
Serajewo und dann sofort eine umständliche Erörterung der verwickelten
Vorgänge bis zum Kriegsausbruche: das ist die Beweisführung, mittelst
deren die Siegerstaaten die alleinige Schuld Deutschlands und seiner
Verbündeten zu begründen suchen.
“ 1) Vgl. meine bei Hans Robert Engelmann, Berlin, 1919 erschienene Schrift:
„Der geistige Kampf um die Verletzung der belgischen Neutralität‘, S. 11 ff.
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