Contents : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Restitutionsedikt  —  Reutlingen.

Reichsvikariat.  Nach  Errichtung  der  provisorischen
  Zentralgewalt  1848  ward  Erzrzog
  Johann  von  Osterreich  (s.  Joann
  3)  zum  R.  erwählt.
Restitutionsedikt  (lat.,  Befehl  zur
Wiederherstellung  einer  Sache“),  eine
Verordnung  Kaiser  Ferdinands  II.  vom
.  März  1629,  worin  den  Protestanten
auf  Grund  des  geistlichen  Vorbehalts  die
Herausgabe  aller  seit  dem  Passauer  Vertrag
  (1552)  eingezogenen  Stifter,  Bistümer,
  Klöster  und  Kirchengüter  an  die
Katholiken  befohlen  und  den  katholischen
Reichsständen  das  Recht  eingeräumt  wurde,
die  evangelische  Lehre  in  ihren  Landen  zu
unterdrücken.  Das  R.  bestimmte  die  Protestanten
  zur  Fortsetzung  des  Dreißigjährigen
iegs  und  zum  Anßßluß  an  Schweden.
Im  Frieden  von  Prag  1635  verzichtete  der
Kaiser  teilweise,  im  Westfälischen  Frieden
gigzüich  auf  Durchführung  desselben.
euß,  deutsches  Fürstentum,  seit  Jahrhunderten
  im  Besitz  eines  Herrscherhauses,
  welches  sich  von  den  Herren  von  Weida
ableitet.  Alserster  des  Geschlechts  gilt  Erkenbert
  I.  (um  1122),  dessen  Nachkommen
zu  der  Vogtei  von  Weida  auch  die  von  Gera,
Greiz,  Hof  und  Plauen  erwarben.  Eine
Teilung  der  Besitzungen  trat  um  1244
ein,  und  es  entstanden  die  Linien  Weida,
Plauen  und  Gera.  Die  erstere  erlosch
1535,  die  zweite  1550,  und  Heinrich  V.
von  Plauen  vereinigte  die  reußischen
Lande.  Alsmitseinem  Sohn  Heinrich  VII.
sein  Geschlecht  ausstarb,  fiel  das  Land  der
jüngern  Plauenschen  Linie  der  Ren  b;
von  Plauen  zu  welche  sich  um  1296
von  der  Hauptlinie  Plauen  abgetrennt
hatte.  Der  Name  erinnert  an  die  Mutter
des  Stifters,  eine  russische  Prinzessin.
Die  jüngere  Plauensche  Linie  teilte  sich
1564  in  drei  Zweige:  die  ältere  Linie
auf  Untergreiz,  die  mittlere  auf  Oberger
  und  die  jüngere  auf  Gera.  Als
616  die  mittlere  Linie  erlosch,  fielen  ihre
Fesifungen  an  die  ältere.  1671  nahmen
die  sämtlichen  Herren  R.  von  Plauen
mit  Genehmigung  des  Kaisers  den  Grafentitel
  an.
In  der  ältern  Linie  wurde  Heinrich  XI.
1778,  in  der  jüngern  gpeimei
in  den  Reichsfürstenstand  erhoben.

363

In  R-Greiz  (ältere  Linie)  trat  Heinrich
  XIII.  1807  dem  Rheinbund  und  1815
dem  Deutschen  Bund  bei.  Sein  jüngerer
Sohn,  HeinrichKX-(1836—59),  gab1848
seinem  Land  eine  Verfassung,  die  jedoch  in
der  Zeit  der  Reaktion  nicht  durchgeführt
wurde.  Ihm  folgte  sein  Sohn  HeinrichXXII.
  (s.  Heinrich  18),  zunächst  unter
Vormundschaft  seiner  Mutter  Karoline.
Als  diese  1866  auf  Osterreichs  Seite  trat,
wurde  das  Ländchen  von  Preußen  besetzt
und  mußte  im  Frieden  vom  26.  Sept.  eine
Kriegsentschädigung  zahlen  und  dem  Norddeutschen
  Bund  beitreten.  Heinrich  XXII.,
welcher  28.  März  1867  die  Regierun
selbst  übernahm,  gab  dem  Land  endlich
die  ersehnte  Verfassung  und  schloß  mit
Preußen  eine  Militärkonvention.  Die
jüngere  Linie  R.  von  Plauen  hatte  sich
1647  in  die  Linien  Gera,  Sgalburg.
Schleiz  und  Lobenstein  geteilt.
Schleiz  und  Gera  erloschen  schon  1666
und  1802,  die  Linie  Lobenstein  in  ihrem
Zweig  Ebersdorf  1853,  nur  R.-Saalburg,
  das  seit  1666  die  Bezeichnung  R.
Schleiz  führte,  hat  sich  erhalten  und  reiert
  heute  im  Fürstentum  R.  jüngere
einie.  Heinrich  XIII.  von  R.  Shtei
trat  1807  dem  Rheinbund  und  1815  dem
Deutschen  Bund  bei.  Sein  Nachfolger
Heinrich  LXII.  (1818—54)  kam  1818
auch  in  Gera,  welches  seit  1802  in  Gemeinschaft
  mit  der  ältern  Linie  verwaltet
war,  und  in  Lobenstein-Ebersdorf,  wo
Heinrich  LXXII.  abdankte,  zur  Herrschaft.
Ihm  folgte  sein  Bruder  Heinrich  LXVII.,
der  sich  bei  der  Bundesabstimmung  14.
Juni  1866  zwar  auf  Osterreichs  Seite
stellte,  aber  schon  26.  Juni  dem  in  Aussicht
genommenen  Norddeutschen  Bund  beitrat
und  eine  Militärkonvention  mit  Preußen
schloß.  Sein  Nachfolger  war  1867  sein
Sohn  Heinrich  .  (s.  Heinrich  19).
Eine  Nebenlinie  ist  R.-Schleiz-Köstritz,
  die  sich  1692  von  R.-Schleiz  abzweigte.
  Ihr  Oberhaupt  führt  den  Titel
pürtte  die  übrigen  Mitglieder  heißen
»  rinzen-.  Ihr  gehört  Prinz  Heinrich
  VII.,  der  Botschafter  des  Deutschen
Reichs  in  Wien,  an.  Vgl.  Limmer,
Kurze  Geschichte  des  Hauses  R.  (1829).
Kentlingen,  Hauptstadt  des  württem-