Full text : Blätter für Rechtsanwendung. XXXIV. Band. (34)

12  Cession.  Verbriefung.

Ganz  abgesehen  nämlich  von  der  Frage,  ob
ein  Vertrag  über  die  Cession  einer  Hypothekforderung
nach  Art.  14  des  Notariatsgesetzes  vom  10.  Nov.
1861  notariell  errichtet  werden  müsse,  so  war  die
Giltigkeit  der  fraglichen  Cession  schon  nach  der  Vorschrift
  des  bayer.  Landr.  Th.  IV  Kap.  I  F.  7  Nr.  3
von  einer  gerichtlichen,  nun  nach  Art.  11  Abs.  2
Nr.  1  des  letztgenannten  Gesetzes  notariellen  Verlantbarung
  bedingt,  wonach  eine  solche  auch  dann
nothwendig  ist,  wenn  die  Parteien  selbst  sie  vereinbaren.
  Dies  war  aber  nach  Inhalt  der  Klage  wirklich
  der  Fall,  da  hierin  ausdrücklich  bemerkt  ist,  daß
die  Zahlung  des  Cessionspreises  sofort  nach  Verbriefung
  der  Cession  vor  dem  Notare  habe  gezahlt
  werden  sollen  und  daß  Beklagter,  als  er  mit
dem  Kläger  zu  dem  Notare  habe  gehen  sollen,
Geschäfte  vorgeschützt  habe,  woraus  klar  hervorgeht,
daß  die  notarielle  Verlautbarung  verabredet  war.

Die  wirklich  vom  Kläger  erklärte  Cession  enthielt
  aber  nur  den  einseitigen  Vollzug  des  außergerichtlichen
  Vertrages  über  den  Verkauf  der  fraglichen
Hypothekforderung,  welcher  Vollzug  aber  nicht  rechtswirksam
  war,  weil  das  Rechtsgeschäft,  auf  dessen
Grund  derselbe  bethätigt  wurde,  ungiltig  gewesen
und  auch  nicht  durch  nachträgliche  notarielle  oder
wenigstens  stillschweigende  Zustimmung  des  Beklagten
  giltig  geworden  ist.

Man  kann  zwar  einseitig  Rechte  auf  einen
Anderen  übertragen;  wenn  aber  die  Verpflichtung
zu  Gegenleistungen  hiemit  verbunden  ist  oder,  mit
anderen  Worten,  wenn  ein  zweiseitiger  Vertrag  geschlossen
  war,  hat  die  einseitige  Uebertragung  des
Rechtes  erst  dann  gesetzliche  Wirkung,  wenn  auch
zugleich  die  Verbindlichkeiten  erfüllt  worden  sind
oder  die  spätere  Erfüllung  in  gesetzlicher  oder  vertragsmäßiger
  Form  stipulirt  ist.

Nirgends  ist  vom  Kläger  behauptet,  daß  eine
oder  die  andere  dieser  Voraussetzungen  eingetreten