Volltext : Blätter für Rechtsanwendung. LVII. Band. (57)

274  Erbrecht  der  unehellchen  Kinder  nach  Bayer.  Landrecht.

war,  der  Erblasser  aber  gar  keinen  anderen  erbberechtigten
  Verwandten  hinterlassen  hat.

Diese  Regelung  des  Erbrechts  gegenüber  den  mütterlichen
  Großeltern  beruht  nach  Schmid  auf  dem  Grundsatz.
  daß  der  Enkel  jure  repraesentationis  an  die  Stelle
selner  ehelichen  Eltern  und  seiner  unehelichen  Mutter
trete  und  dann  Erbrecht  habe,  wenn  diese  Personen  erbberechtigt
  gewesen  wären.  Bezüglich  der  Möglichkeit  testamentarischer
  Zuwendungen  an  ein  uneheliches  Kind  durch
seine  mütterlichen  Großeltern  wird  im  Art.  5  auf  Art.  2
verwiesen;  ob  sich  diese  Gleichstellung  nur  auf  die  ehelichen
  Eltern  der  unehelichen  Mutter  oder  auch  auf  die
unehelichen  Eltern  der  unehelichen  Mutter  oder  endlich
auch  auf  die  unehelichen  Eltern  der  ehelichen  Mutter  bezieht,
  ist  weder  aus  dem  Text  des  Gesetzes  noch  aus  den
Anmerkungen  zu  entnehmen.

Den  Ausschluß  der  unehelichen  Kinder  von  der
mütterlichen  Erbschaft  bei  Vorhandensein  ehelicher  Descendenz
  erklärt  Schmid  damit,  daß  der  Gesetzgeber  das
Motiv,  welches  Justinian  zur  Erlassung  der  I.  5  Cod.  VI,
57  (welche  den  unehelichen  Kindern  einer  mater  illustris,
die  eheliche  Descendenz  hat,  das  Erbrecht  abspricht)  bestimmt
  hat,  nämlich,  daß  die  Heilighaltung  der  Keuschheit
  besondere  Pflicht  so  hochstehender  Frauen  sei,  den
Grundsätzen  des  Christenthums  zufolge  nunmehr  als  für
alle  Frauen  zutreffend  erachtet  habe.

Artikel  6  versagt  allen  den  obigen  Vorschriften  zuwider
  von  geistlichen  oder  weltlichen  Obrigkeiten  ertheilten
Privilegien  die  Gültigkeit.

Artikel  7  endlich  befaßt  sich  mit  der  3.  Klasse  der
unehelichen  Kinder,  den  liberi  ex  damnato  coitn.  Sie
sollen  weder  ab  intestato,  noch  durch  Testament,  weder
vom  Vater  noch  von  der  Mutter,  mehr  erhalten  können
als  den  bloßen  Unterhalt  bis  zu  ihrer  Erwerbsfähigkeit;
hiegegen  soll  auch  keine  Legitimation  wirksam  sein.  Nur
wenn  Vater  oder  Mutter  gar  keine  Verwandten  und