Full text : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

—  157°  —

heranzuziehen  ').  So  hoffte  Landgraf  Philipp,  auf  Strafsburg,  dessen
evangelischer  Eifer  und  Anhänglichkeit  an  das  Gotteswort  allerdings
  über  jeden  Zweifel  erhaben  waren,  durch  den  Herzog  von
Veldenz,  der  mit  der  Stadt  freundliche  Beziehungen  unterhielt,
einwirken  zu  können?).  Wenn  ferner  Worms  und  Speier  genannt
sind,  so  war  hier  die  Voraussetzung  der  Verbündeten  wohl  diese,
dals  der  Kurfürst  von  der  Pfalz  ihre  Bestrebungen  sich  zu  eigen
machen  werde;  denn  in  diesen  Gegenden  wog  sein  Einflufs  vor,
der  sich  besonders  auch  Worms  wie  Speier  gegenüber  geltend  gemacht
  hatte.  Beide  Städte  nämlich  hatten  in  den  letzten  Jahren
eine  ganz  ähnliche  Entwicklung  durchgemacht®).  In  beiden  hatte
das  Luthertum  frühzeitig  Wurzel  geschlagen,  und  in  beiden  war
der  Bauernkrieg  die  Veranlassung  geworden,  sich  der  Neuerung
mit  vollster  Entschiedenheit  zuzuwenden.  Namentlich  war,  in  Speier
wie  ın  Worms,  die  Bedrängnis  der  Geistlichkeit  während  des  Aufstandes
  benutzt  worden,  um  derselben  wertvolle  Zugeständnisse  zu
entreilsen.  Speier  hatte  den  städtischen  Klerus  ganz  unter  seine
Hoheit  gebracht,  Worms  die  Geistlichen  genötigt,  auf  die  s.  g.
Pfalzgrafenrachtung,  einen  dem  Klerus  günstigen  Vergleich,  den
im  Jahre  1519  Pfalzgraf  Ludwig,  der  Kurfürst,  vermittelt  hatte,
zu  verzichten  und  zuzugestehen,  dafs  die  Pfarrer  durch  die  Pfarreingesessenen
  ein-  und  abgesetzt  werden  könnten.  Damit  waren
in  beiden  Orten  weitere  Mafsregeln  zur  Befestigung  des  Luthertums
  Hand  in  Hand  gegangen:  man  hatte  die  Prediger  verpflichtet,

ı)  Auffallend  ist  freilich,  dafs  Augsburg  und  Ulm  nicht  verzeichnet
sind,  auf  die,  wie  erwähnt,  schon  in  Friedewald  gerechnet  worden  war;  vielleicht
  meinten  die  Fürsten.  dieser  beiden  Städte  sicher  zu  sein,  sobald  nur
erst  Nürnberg  gewonnen  wäre;  denn  auf  dieses  hörten  sie  trotz  der  empfangenen
  Ablehnung  keineswegs  auf  für  ihr  Bündnis  zu  zählen,  dem  die  neue
Lehre,  die  hier  so  fest  eingewurzelt  war,  wie  an  wenig  anderen  Punkten,
die  Stadt  doch  über  kurz  oder  lang  zuführen  zu  müssen  schien.

»)  8.0.  Kap.  3  S.  135.

3)  Vgl.  über  Speier  die  kleine  Schrift  von  C.  Weils,  Gesch.  der  Stadt
Speier.  Die  Akten  für  die  Reformationsgeschichte  der  Stadt,  aus  denen  auch
Weifs  schöpft,  befinden  sich  zumeist  im  Stadtarchiv,  Fasz.  333  und  359;
s.  auch  Hartfelder,  Zur  Gesch.  des  Bauernkrieges  in  Südwestdeutschland
  S.245  ff.  —  Der  Antwort.  welche  Speier  am  24.  Juni  dem  Herzog
Heinrich  d.  J.  auf  die  kaiserliche  Werbung  gab,  dafs  es  die  Neuerungen
nicht  gänzlich  fern  zu  halten  im  Stande  sei,  wurde  schon  gedacht.  —  Für
Worms  vgl.  Ad.  Becker,  Beiträge  zur  Gesch.  der  Frei-  und  Reichsstadt
Worms.