197. 1611 473
197. Der Kurfürst von Mainz an den Bischof von Speier.
Johann Jakob Rinck wird E.L. berichtet haben,!was wir ihm auf seine
Werbung u.a.wegen Abdankung des kurkölnischen und rietbergischen Volkes
geantwortet baben. Wir haben uns inzwischen bemüht, zur Erhaltung des
Kredits der katholischen Union das zur Abdankung nötige Geld durch
Handelsleute aufzubringen; ? da dies in der Eile nicht möglich war, auch
Kurtrier?uns diedazu nötige Obligation ungefertigt mit dom zurückgeschickt
bat, dass er erst den Bericht seiner Gesandten vom würzburger Ligatag abwarten
und mit dem Domkapitel handeln müsste, sich aber schliesslich
zur Quote bereit erklärt hat, uud dann auch E. L. wegen Fertigung der
Obligation Schwierigkeiten einwandten, so lassen wir vorläufig unsere
und Worms’ Quote, die erlegt worden ist [ein Betrag von 20.435 fl.],
nach Köln schaffen und mit Triers Quote, falls sie erlegt wird, Hoevelich
einhändigen, um mit der Bezahlung und Abdankung des rietbergischen
Volkes einen Anfang zu machen. Dabei behalten wir,
nachdem wir unsere Quote berichtigt haben, uns ausdrücklich vor, wenn
der eine oder der andere Stand mit Erlegung der seinigen säumig wäre
und dadurch die Last vergrössert würde, dass wir zu deren Tragung
uns unverbunden erachten und die daraus entstehenden Ungelegenheiten
auf den Säumigen laden. Unser geworbenes Fähnlein Knechte in
Mainz wollen wir ehestens abdanken * und der Union vom 17. Mai ab
deswegen keine weitere Beschwerung zuziehen. E. L, haben
aber zu ermessen, was durch Ihre und Triers Weigerung, — die
Obligation des Anleihens vor dem 17. Mai zu fertigen, an dem vermöge
aufgerichteten Rezesses das Kriegsvolk zu bezahlen gewesen wäre, —
ans rheinischen Ständen statt des verhofften Vorteils, der uns zur
Ausstellung der Obligation veranlasst hat, für Ungelegenheit zugewachsen
ist; wir hätten nämlich, wenn unser wolgemeinter Vorschlag mit
der Obligation verwirklicht worden wäre, mit dem zu Würzburg
ı Zur unverzüglichen Abdankung des Kriegsvolks der Liga gedachte
Kurmainz auf Rechnung der rheinischen Kasse eine Anleihe von
ungefähr 60000 fl. aufzunehmen und sandte deshalb zunächst an Speier
eine Schuldurkunde zur Unterfertigung; der Bischof aber schickte sie am
6. Mai unvollzogen zurück, weil die andern Bundesstände den Vorrang hätten,
er sich erst mit seinem Domkapitel benehmen müsste und das rietbergische
Volk ihn nichte angienge (Wmz., a. a. O.; Or). Der Kurfürst lehnte am
8. Mai diese Gründe ab und erinnerte den Bischof, wie gerade er vordem
das Bundeswesen so stark und eifrig betrieben habe; die Höhe des Ausstanldes
rühre davon her, dass der Bischof seine Quote nicht rechtzeitig
erlegt habe; vom rietbergischen Volk habe Kurmainz ebenso wenig Vorteil
gehabt wie Speier (Wmz., a. a. O.; Kpt.). Darauf ordnete der Bischof am
12. Mai seinen Rat Johann Jakob Rinck von Baldenstein nach Mainz ab
(Beglaubigung vom 12. Mai; ebenda).
? Am 13. Mai berichten die beiden mainzer Handelsleute Hieronymus
Costa und Johann Paul Volpi dem Kurfürst über ihren Miserfolg, in Köln
die Geldsumme aufzubringen (Wmz, a. a. O.; Or.).
* Kurtrier an Kurmainz am 14. Mai (Wmz., a. a. O.; Or.).
* Vgl. no. 154, 8. 381, Anm. 2.
Mai 19