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Die erste Handlung war der einmütige Beschluß einer Adresse. „Kein Opfer ist dem deutschen Volke zu schwer,
aber es wird endlich auf der behaupteten Waistall den von allen Völkern geachteten Boden friedlicher und freier
Einigung finden“, sagte sie bedeutungsvoll. Ohne Debatie wurde die beantragte Kriegsanleihe von 120 Millionen
Thalern genehmigt; die beiden sozialdemokratischen Abgeordneten Bebel und Liebknecht enthielten sich der Abstimmung.
Nach sechs Sitzungen innerhalb dreier Tage konnte der Reichstag schon am 21. geschlossen werden.
Die wichtige Frage, wie sich die süddeutschen Staaten stellen würden, war bereits in der Hauptsache entschieden.
König Ludwig zweifelte keinen Augenblick, wo Bayerns Platz sei; schon am 16. Juli ordnete er die
Mobilmachung an. Dafür statteten ihm die Münchener frohen Dank ab. Unsicherer war die Kammer. Die
bisherige Mehrheit, die „Patrioten“, wollte nur zu bewaffneter Neutralität Geld bewilligen, aber die Minister Graf
Bray und v. Pranckh wiesen die Einwürfe zurück, und schnell lichtete ihre Reihen der Abfall zum deutschen
Vaterlande; mit 101 Stimmen gegen 47 wurde der Antrag der Regierung angenommen. In herzlichen Worten
beantwortete König Wilhelm die deutschen Brudergrüße König Ludwigs.
Auch in Württemberg erhob sich deutsches Nationalgefühl zu mächtiger, allen Widerstand wegspülender Woge.
König Karl hatte gleichfalls alsbald die Mobilmachung angeordnet, und seine Minister Mittnacht und v. Varnbüler
vertraten entschieden die nationale Sache. Das Beispiel Bayerns wirkte auf die demokratische Partei, so
daß die Regierungsvorlage mit allen gegen eine Stimme Kraft erhielt. Wie in München begrüßte auch in Stuttgart
unendlicher Jubel die willkommene Entscheidung.
Die Haltung Badens ließ sich im voraus berechnen, obgleich dieses Land am meisten der Kriegsgefahr ausgesetzt
war und der französische Geschäftsträger sich zu barbarischen Drohungen verstieg. Großherzog Friedrich
und die Minister Jolly und Freydorf hielten es nicht einmal für erforderlich, den Landtag zu berufen, weil sie
seiner vollsten Zustimmung gewiß waren. Auch Großherzog Ludwig III., Bevölkerung und Landtag von Hessen-Darmstadt
nahmen bereitwillig an dem großen Werke teil.
Wie Schaum waren die französischen Hoffnungen auf die Süddeutschen zerstoben. Napoleon hatte sie zu locken
und von der gemeinsamen Sache zu trennen versucht; nur gegen Preußens maßlose Ansprüche führe er Krieg,
nicht gegen Deutschland, dessen Unabhängigkeit er achte und dessen Völker in freier Weise über ihre Geschicke verfügen
sollten. Sie thaten das allerdings, aber nicht wie welsche Arglist ihnen einflüsterte.
Die franzöfischen Staatsmänner hatten auch auf die Hilfe Österreichs und Italiens gerechnet. Sie überschätzten
die dort vorhandene Bereitwilligkeit, und die ersten deutschen Siege vernichteten bald jede Hoffnung.
Italien konnte später durch die Besetzung der von den Franzosen geräumten Stadt Rom das letzte Hindernis
seiner Einheit beseitigen; so verdankte das junge Königreich seine größten Fortschritte den preußischen und deutschen
Waffen. Das alte Kaisertum hatte mit der Unterwerfung Italiens begonnen, das neue förderte seine freie
nationale Einigung.
Frankreich hatte sich beeilt, dem Gegner zuvorzukommen, und frühzeitig schon manche Vorbereitungen getroffen.
Napoleon plante anfänglich, den Rhein unterhalb von Straßburg zu überschreiten, nach dem Schwarzwalde vordringend
schnell den Süden von dem Norden zu trennen und Preußens Bundesgenossen wankend zu machen,
während die Flotte an den norddeutschen Küsten erscheinen und dort starke Streitkräfte entfalten sollte. Gar bald
erwies sich der schöne Entwurf als unausführbar, und statt daß Frankreich angreifen konnte, sah es sich zur Verteidigung
gezwungen. Französische Sünden und deutsche Tugenden bewirkten den schnellen Umschwung; gleich der
Anfang des Krieges ließ seinen Ausgang ahnen.
Frankreich stand keineswegs so erzfertig da, wie der Kriegsminister Leboeuf behauptet hatte. Infolge der
in Frankreich beliebten Gesamtleitung des Militärwesens von einem Punkte aus verwalteten die einzelnen Korps
die Ausrüstung der Mannschaften nicht so felbständig und verantwortlich wie die in Deutschland. Daher riß gleich
ärgste Verwirrung ein. Viele Regimenter waren fern von ihren Zeugniederlagen, ebenso standen die meisten nicht in
den Gegenden, aus denen sie ihre Mannschaften bezogen. Weil außerdem mehrere Korps vor dem Eintreffen ihrer
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