Full text: Ludendorff, meine Kriegserinnerungen 1914-1918

Der Aufmarsch in Oberschlesien 63 
  
  
v. Woyrsch und sein Chef seien ermordet. Es vergingen viele Tage, ehe 
wir klar sehen konnten und erkannten, daß die Gerüchte unwahr seien. 
Es war dem Korps gelungen, sich durchzuschlagen. Wir nahmen in 
Breslau sofort Verbindung mit ihm auf und forgten, so gut es ging, 
für seine Ergänzung und Neuausstattung. Auf seine Bitte erhielt 
es auch schwere Artillerie. Wir konnten ihm nur ein Landwehr- 
Bataillon geben, das alte Feldhaubitzen hatte. Sie waren sehr schwer 
für die schlechten Wegeverhältnisse. Der Wert der schweren Artillerie 
wurde aber so hoch eingeschätzt, daß alle Schwierigkeiten überwunden 
wurden. Der Beweglichkeit der Artillerie wird oft eine zu große Berück- 
sichtigung auf Kosten der Wirkung eingeräumt. 
Die Taten des Landwehrkorps sind eine stolze Erinnerung für alle 
Beteiligten. Sie bilden zugleich einen vollgültigen Beweis für die Güte 
unserer Armee, für die Richtigkeit unserer Heereseinrichtungen sowie für 
den hervorragenden Wert der Ausbildung und Erziehung unserer Soldaten 
vor dem Kriege. Dies setzte uns in den Stand, im Östen mit Landwehr= und 
Landsturmformationen in immer steigendem Maße den Krieg zu führen. 
III. 
Der Vormarsch nördlich der Weichsel begann am 28. September. 
Die k. u. k. 1. Armee schwenkte rechts gegen die untere Nida ein und 
ging gegen die Linie Sandomir—Opatow vor. 
Die einzelnen Verbände der 9. Armee hatten folgende Vormarsch- 
richtungen: 
Landwehrkorps über Proschowitze—Pintschow—Opatow, 
XI. A. K. über Jendrtschejew, Lagow ebendorthin, 
Garde-R. K. über Chentziny, Kielce, Ostrowjetz, 
XX. A. K. über Wloschtschowo, Bshin, Ilsha, 
XVII. A. K. über Nowo Radomsk, Konssk—Radom, 
35. Res. Div. über Petrikau auf Tomaschow, 
8. Kav. Div., Ldw. Div. Graf v. Bredow in allgemeiner Richtung Bahn- 
hof Koljuschki östlich Lodz. 
Vom Feind waren keine neuen Nachrichten eingetroffen. Er leistete 
zunächst auch keinen Widerstand und zog sich vor unserem Vormarsch zurück. 
Das Hauptquartier ging nach Wolbrom, dann nach Mijechow und 
Jendrtschejew. Wolbrom war nur eine Fabrik, die beiden Städte trugen 
die Merkzeichen der kleinen verschmutzten polnischen Städte. Wanzen 
waren an der Tagesordnung. In Mijechow waren wir sehr weit vorn. 
Kosakenpatrouillen streiften in der Nähe. General v. Woyrsch, der sich
	        
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