Full text: Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916/18

Besprechungen über eine neutrale Friedensvermittlung u. d. Buriansche Friedensschritt 307 
  
  
4. 
Mitieilungen des Staatssekrekärs v. Hintze ũber die Besprechung in Spaa. 
Abgeordneter Graf v. Westarp schreibt: 
Eurer Exzellenz Berlin, den 18. März 1919. 
beehre ich mich mit Bezug auf unsere Besprechung sehr ergebenst mitzu- 
teilen, daß sich die Vorgänge im August und September 1918, auf die es 
Eurer Exzellenz ankommt, nach meinen Notizen wie folgt abgespielt haben: 
In der Parteiführerbesprechung vom 21. August 1918“) hob Exzellenz 
v. Hintze in einem Bericht, den er über die letzten Beschlüsse des Großen 
Hauptquartiers erstattete, hervor, die neuesten militärischen Erfolge der 
Feinde hätten ihren Siegeswillen und ihre Zuversicht in ungeheuer großem 
Maße gesteigert, so daß sie an dem Ziel vollständiger Niederwerfung 
Deutschlands festhielten. Bei uns hätten unsere Mißerfolge gleichfalls eine 
ungemein starke Wirkung erzielt, beides in einem Maße, das sachlich nicht 
voll berechtigt sei. Was der Feind errungen habe, habe ihn tatsächlich 
seinem Ziele nicht näher gebracht. Nach Urteil des Feldmarschalls könnten 
unsere vorübergehenden Mißerfolge dem Feinde nicht das Recht zu der 
Annahme geben, daß es ihm gelingen werde, unsern Willen zu brechen. 
Auch wir könnten wieder mit der Möglichkeit von Erfolgen rechnen; zu 
dem hohen Maße von Depression, wie es sich bei uns zeige, liege ein mili- 
tärischer Anlaß nicht vor; wir hätten keinen Grund, zu sagen, daß wir an 
einem für uns ehrenvollen, unsere Zukunft sichernden Frieden zweifeln. 
Dann ging Exzellenz v. Hintze ausführlich auf die Schwierigkeiten der po- 
litischen Lage und auf die große Schwäche der Verbündeten ein. Nach 
diesen politischen und militärischen Erwägungen seien alle maßgebenden 
Stellen zu folgendem Ergebnis gekommen: Wir sind entschlossen, alle Fäden 
anzuspinnen, um mit den Feinden Fühlung zu bekommen und zu ergrün- 
den, was sie letzten Endes zugestehen und fordern wollen, und wir würden 
anderseits Fühler, die von anderer Seite kommen, nicht zurückweisen. 
Wir erstreben also Verhandlungen; das geschieht in der Zuversicht, daß wir 
unsere militärische Stellung in Feindesland halten und auch wieder neue 
Erfolge erzielen werden, so daß wir unsere Stimme mit vollem Erfolge 
für einen „uns genehmen, ehrenvollen und uns sichernden Frieden“ ins 
Gewicht legen werden. Kein Friedensangebot, aber alle Mittel versuchen, 
um zum Meinungsaustausch zu kommen. Beschlüsse über solche Versuche 
sind gefaßt. Näheres darüber könne er nicht mitteilen. 
Am 23. August wurde ich allein von Exzellenz v. Hintze empfangen. 
Er schilderte unter vier Augen die Lage noch ernster als in der Partei- 
*) Unter Vorsitz des Bizekanzlers v. Payer. Der Verfasser.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.