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weiter gegen die schwedischen Raubvögel, die zerstreut in den Marken
umherflogen. Der Kurfürst eilte mit seinen 5000 Reitern voraus;
5000 Mann Fußvolk und 13 Stück Geschütz folgten auf 146 Wagen
nach. Unter großen Mühseligkeiten drang der Zug durch die sandigen
Heiden und sumpfigen Niederungen gegen die Havel vor. In Strö-
men stürzte der Regen Tage lang vom Himmel herab auf vie Leder-
koller und Panzer der Reiter, und die Rosfe versanken fast in dem auf-
geweichten Boden. Der Kurfürst erfuhr, daß der schwedische Oberst
Wangelin mit einer Schaar Dragoner in Rathenow eingerückt sei, um
von dort nach Brandenburg zu marschiren. Diese Nachricht theilte er
seinem Felymarschall Deeofflmger mit, und es wurde der Plan gefaßt,
die Feinde in Rathenow zu überfallen. Der kurfürstliche Landrath
von Briest erhielt heimlich Befehl, die schwedischen Offiziere zu einem
Gastmahle einzuladen. Während diese nun nach Herzensluft aßen und
tranken und guter Dinge waren, umzingelten die Brandenburger in
aller Stille die Stadt. Derfflinger, der früher lange unter den
Schweden gedient und deren Kriegsgebrauch und Sprache genau kannte,
ließ einen Theil seiner Leute in schwedische Röcke kleiden, ritt damit
bis an den Wachtposten und gab sich für einen verirrten Offizier aus,
der von den Brandenburgern hart verfolgt werde und begehrte Einlaß.
Die Wache ließ sich täuschen, der alte Held gelangte in die Stadt,
erstürmte mit seinen Dragonern vie Brücke und jagte die Schweden aus
einer Straße in die andere. Zu gleicher Zeit drangen die branden-
burgischen Reiter, nachdem sie die Thore gefprengt, auch von andern
Seiten in die Stadt. Da entbrannte ein kurzer heißer Kampf. Die
Feinde wehrten sich bis zum Tode tapfer, wurden aber größtentheils
niedergehauen oder gefangen genommen.