Vorwort. VII
genen Fremdwörter angewandt hatte, unterschiedslos auf alle nur der Sprache der
Gelehrten angehörigen fremden Wörter zu übertragen, da erhob sich ein lebhafter
Widerspruch, der sich begreiflicherweise nicht nur gegen die weit über das Ziel hinaus
stürmenden Heißsporne, sondern gegen die ganze Reform der Rechtschreibung richtete.
Man wollte sich seine Kreise nicht stören lassen und wenn irgend möglich einfach
beim alten bleiben. Dieser passive Widerstand erwies sich aber bald als unausführbar.
Als das preußische Staatsministerium und die Reichsbehörden, unter denen sich
doch auch solche befinden, die, wie z. B. das Kaiserliche Patentamt, von Amts wegen
sehr viel mit Fremdwörtern zu hantieren haben, angewiesen wurden, nach dem amtlichen
Wörterverzeichnis zu schreiben, und als immer augenscheinlicher wurde, daß
fast die gesamte Tagespresse, daß die literarischen Zeitschriften, ja ein großer Teil
der wissenschaftlichen Fachzeitschriften der neuen Rechtschreibung folgten, da war ein
Nichtbeachten des rechtlich und tatsächlich bestehenden Zustandes nicht mehr möglich.
Was zweifellos innerhalb des Gebietes der Sprache des täglichen Lebens fiel,
dafür mußte ohne weiteres die neue Rechtschreibung zur Anwendung kommen; das
Gebiet der fremden Wörter, für die die neue Schreibweise nicht gilt und niemals
hatte gelten sollen, mußte abgegrenzt und für das streitige Grenzgebiet mußte
ein Modus vivendi gesucht werden. Das war eine überaus schwierige Aufgabe.
Kein Privatmann konnte sie lösen, eine Lösung von Staats wegen war nicht zu erwarten,
da blieb nichts andres übrig, als zwischen den Vertretern der verschiede-à
nen Wissenschaften und der Technik einerseits und denen der neuen Rechtschreibung
anderseits eine Vereinbarung zu versuchen. Es ist das Verdienst des Vereins
Deutscher Ingenieure in Berlin, die Sache in die Hand genommen und glücklich
durchgeführt zu haben. Das Ergebnis mehrjähriger Beratungen, die zum Teil mündlich
in gemeinschaftlichen Sitzungen in Berlin, zum Teil schriftlich gepflogen wurden,
liegt jetzt in der Schrift »Dr. Hubert Jansen, Rechtschreibung der naturwissenschaftlichen
und technischen Fremdwörter. Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung,
Berlin-Schöneberg 1907°6 fertig vor. Es läßt sich kurz dahin zusammenfassen, daß
auch die in das Gebiet der Naturwissenschaften und der Technik fallenden gelehrten
Schriften die neue Rechtschreibung anzuwenden und besonders die in den allgemeinen
Gebrauch übergegangenen Fremdwörter nach der Vorschrift des amtlichen Wörterverzeichnisses
wiederzugeben haben, während die nur der Wissenschaft angehörigen
fremden Wörter nicht unter die Regeln der neuen Rechtschreibung fallen. Dabei wurde
anerkannt, daß es eine ziemlich große Anzahl von Wörtern gebe, die auf der Grenze
stehen, d. h. die sowohl der Gelehrtensprache als auch der allgemeinen Sprache des
täglichen Lebens angehören. Für diese wurden zwei Schreibungen festgesetzt, eine
gelehrte und eine volkstümliche, z. B. Acetylen und Azetylen. Alle diese der sogenannten
neutralen Zone angehbrigen Wörter sind in das Wörterverzeichnis des
Ingenieurvereins in beiden Schreibungen aufgenommen.
So hat das Werk des Ingenieurvereins in dankenswerter Weise die Aufgabe
gelöst, eine Vereinbarung zwischen den Vertretern des Alten und des Neuen
auf dem Gebiete der Rechtschreibung herbeizuführen, und sich um die Einheitlichkeit
unsrer Schreibung ein nicht geringes Verdienst erworben.
Für unser Buch ergibt sich aus der Arbeit des Ingenieurvereins der Vorteil,
daß uns für die Schreibung einer großen Anzahl von Fremdwörtern, die wir