Full text: Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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bekehrten sich und nahmen das Kreuz. Bilas und Conrads Liebe 
war eine geistige; der fromme Mann zog fort zu andern Bölkern, 
die Fürstin aber blieb zurüch und widmete ihr ganzes Leben der 
Verbreitung des Christentums, und als ihr letztes Stündlein schlug, 
da erbat sie sich von ihrer Schutzheiligen St. Anna die Gnade, zu- 
weilen beim Herannahen wichtiger Ereignisse ihrem Volke erscheinen 
zu dürfen, und dies ging auch in Erfüllung: wenn sie sich gezeigt 
hat, pflegt gewöhnlich der Stadt Annaberg irgend ein freudiges 
Ereignis zu begegnen. 
1248. Das Schloßfräulein vom Greifenstein. 
Gräße, Bd. II, S. 450 ff. 
Die Felsengruppe des Greifensteins bei Thum zeigt an vielen 
Stellen Spuren von Mauerwerk, und da man auch innerhalb und 
bei demselben Pfeile, Eisenwerk u. dgl. gefunden hat, so scheint 
die Vermutung nicht unwahrscheinlich, daß jene einst ein Raubschloß 
in sich gefaßt habe. Das Volk erzählt sich über den Untergang 
desselben eine schauerliche Geschichte, die also lautet: Im 11. Jahr- 
hundert soll ein Ritter, Odo von Greifen, an dem Hofe des Herzogs 
Wratislaw von Böhmen gelebt haben, und nachdem er sich von hier 
ein Fräulein entführt, mit dieser in den damals fast nur von wilden 
Tieren bewohnten Freiwald bei Thum gezogen sein und sich hier 
ein Schloß, die Greifenburg, erbaut haben. Hier lebten beide nur 
der Erziehung ihres einzigen Sohnes; eines Tages aber brachte 
der Ritter von einem seiner Jagdzüge ein kRleines Alädchen von 
ohngefähr zwei Jahren mit nach Hause, die er im Dickicht schlafend 
gefunden hatte. Diese ward nun mit dem jungen Ritterssohne 
zusammen erzogen, beide liebten sich wie Geschwister; als sie aber 
in das mannbare Alter getreten waren, versäumten ihre Eltern, sie 
gehörig zu überwachen und ihrem beständigen Zusammensein Hinder- 
nisse in den Weg zu legen. So Rham es, daß aus der geschwister- 
lichen Zuneigung ein weniger unschuldiges Verhältnis entstand; in 
einer unbewachten Stunde vergaßen sich die Liebenden, und nach 
Verlauf einiger Monate fühlte sich das unglüchliche Mlädchen Mutter. 
Zwar hoffte sie, es werde ihrem Geliebten gelingen, seine Eltern 
dahin zu stimmen, daß sie ihre Einwilligung zu seiner Verheiratung
	        
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