Contents : Geschichte der Hohenzollern.

Die  Rückkehr  des  jungen  Fürsten  gab  dem  erfreuten  Vater  Gelegenheit
zu  einem  triumphirenden  Empfange.  Feierlichkeiten  aller  Art  wurden  zur  Erhöhung
  des  Festes  angestellt.  Als  ein  besonderer  Zug  zur  Charakteristik  unserer
damaligen  Zustände  und  der  noch  wenig  geförderten  Kultur  unserer  Städte  verdient
  der  Befehl  an  die  Bürger  Berlins  erwähnt  zu  werden,  daß  sie  ja  die
Gassen  rein  halten  sollten,  durch  welche  der  Zug  gehen  würde.  Die  Bürger
bewiesen  aber  auf  die  allerthätigste  Weise  ihre  Liebe  für  das  angestammte  Fürstenhaus,
  denn  Alles  strömte  weit  aus  der  Stadt  dem  Zuge  entgegen,  ja  selbst
die  vornehmsten  Frauen  und  Jungfrauen,  welche  sich  sonst  der  Sitte  jener  Zeit
gemäß  nicht  leicht  öffentlich  zeigten,  hielten  bei  dieser  Gelegenheit  mit  ihren
Zeichen  der  Liebe  und  Anhänglichkeit  nicht  zurück.  Der  Kurfürst  selbst  war,
als  sein  Sohn  in  voller  Rüstung  vom  Pferde  sprang  und  ihm  entgegen  eilte,
so  gerührt,  daß  er  nur  wenige  Worte  des  Empfanges  stammeln  konnte;  Gemahlin
  und  Kinder  des  Prinzen  empfingen  den  gefeierten  Sieger  mit  Thränen
und  Küfsen,  während  die  Geschütze  donnerten,  die  Glocken  läuteten,  alle  Orgeln
in  den  Kirchen  tönten,  und  frohe  Schaaren  die  ganze  Stadt  mit  ihrem  Jubelrufe
  erfüllten.  Dann  folgten  allerlei  Belustigungen,  für  welche  die  wohlhabenden
  Leute  von  ihrem  Ueberfluß  reichlich  gespendet  hatten;  kurz  überall  herrschte
Freude  und  Lust,  und  noch  nie  hatte  man  etwas  Prächtigeres  in  Berlin  gesehen.

Es  scheint  überhaupt,  als  wenn  unter  Joachim  I.  Regierung  der  Glanz
des  Hofes  sich  erhöht  und  überhaupt  das  Leben  in  der  Mark  gegen  die  frühern
Zeiten  einen  freundlicheren  Charakter  angenommen  hätte;  auch  von  prächtigen
Turnieren  unter  ihm  wird  Manches  erzählt.  Eins  derselben,  welches  weit  und
breit  gerühmt  und  in  Gedichten  verherrlicht  wurde,  ward  im  Jahre  1512  bei
Gelegenheit  eines  Friedensschlusses,  welcher  die  lange  Fehde  zwischen  dem  Könige
von  Dänemark,  dem  Schwiegervater  des  Kurfürsten,  und  den  Hansestädten  endete,
in  Ruppin  abgehalten.  Bei  diesem  Ritterspiele  glänzte  Joachim  I.  selbst  durch
seine  Geschicklichkeit,  die  junge  Kurfürstin  durch  ihre  Anmuth  und  fürstliche  Würde.

Der  Kurfürst  überlebte  nicht  lange  die  ruhmvolle  Rückkehr  seines  Sohnes
aus  dem  Türkenkriege.  Obgleich  er  erst  in  das  einundfunfzigste  Jahr  eingetreten
war,  fühlte  er  doch  seine  Kräfte  schwinden;  denn  früh  schon  den  Anstrengungen
eines  thätigen  Lebens  geweiht,  gehörte  er  außerdem  zu  jenen  leidenschaftlichen
Naturen,  in  welchen  alle  Empfindungen  mit  einer  gewissen  Gewaltsamkeit  auftreten,
  und  deshalb  die  Lebenskraft  desto  rascher  verzehren.  Kurz  vor  dem  Lebensschlusse
  ließ  er  seine  Söhne  rufen,  mahnte  sie  an  ihren  hohen  Beruf  und  zur
Eintracht,  beschwor  fie  aber  vor  Allem,  die  alte  Lehre  zu  schützen  und  zu  erhalten,
  der  Ketzerei  des  Protestantismus  kräftig  entgegenzutreten.

Die  Regierung  Joachim  I.  war  für  die  innere  Entwickelung  des  Kurstaates
von  unendlicher  Wichtigkeit,  ia  man  kann  mit  Recht  sagen,  daß  erst  durch  ihn
eine  gewisse  Einheit  in  denselben  kam  und  eine  geregelte  Landesregierung  eintrat,
  während  vor  seiner  Zeit  noch  Alles  nach  mittelalterlicher  Weise  in  Sonder-Interessen
  auseinander  ging.  Wenn  also  auch  die  äußere  Laͤndervermehrung