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Bildung, die ihm der Vater Maximilian und der Oheim Friedrich
August geben ließen, war höchst gewählt und vielseitig, und bei den
trefftichen Lehrern machte der junge König glänzende Fortschritte.
Darum ist ihm auch jeßtzt kein Zweig des Wissens und der Verwal-
tung fremd, und er vermag für Alles, was zur Landeswohlfahrt ge-
hört, mit Einsicht zu sorgen. — Die Mitwelt, die in der ernsten
Zeit vor seinen Augen stand, und die Männer und Ereignisse, die
seinen Blicken begegneten, dienten ihm bald zur Ermunterung und
Nachahmung, bald zur Vorsicht und Warnung in seinem Fürstenbe=
rufe. Höchst einflußreich aber auf sein Regentenleben waren unbe-
zweifelt die Prüfungen, die ihm Gott früh bereitete. Im siebenten
Jahre seines Lebens verlor er die sorgende Mutter; im Jahre 1800
mußte er mit den übrigen Gliedern der Königsfamilie des Krieges
wegen das Land verlassen, und eben so im November 1813 zum zwei-
ten Male. Dann sah er mit Wehmuth die Zerreißung des uralten
Wettinerlandes; dann trug er in Italien der Krankheit schwere Bürde
und den Verklust des geliebten Bruders Clemens. Seine erste Ge-
mahlin, eine östreichische Kaiserstochter, war fortdauernd krank, konnte
nirgends Heilung finden und starb vier Tage nach Friedrich August's
Geburtstage im Jahre 1832. Dies Alles und Vieles Andere, was
die ernste Zeit gebar, machte sein Leben von Kindheirt an zu einem
sorgenvollen Leben und störte immer aufs Neue die lieblichen Freuden
der Jugend. Auch das Jahr 1830, wo Unzufriedenheit und Unru-
hen im Lande ausbrachen, wie viel Kummer mag es ihm bereitet ha-
ben, wenn gleich sein Wort: „Vertrauen erweckt wieder Vertrauen“
und seine weise Thätigkeit in jenen Tagen ihm auch hocherfreuliche
Früchte trug. — Seit jener Zeit wurde er Mitregent des Königs
Anton, vermählte sich dann zum zweiten Male mit unserer allverehr-
ten Landesmutter und gelangte am 6. Juni 1836 zur Alleinherrschaft
und Kônigswürde. — Seitdem sorgt er mit seltener Treue und Um-
sicht für das Wohl unsers Landes und für Aufrechthaltung der heil-
samen Verfassung, die er mit König Anton zugleich uns 1831
verliehen. Er ist ein weiser und väterlich sorgender Fürst —
das bezeugen die vielen und höchst heilsamen Gesetze, die seit 1831
zum Heile aller Landeskinder, ohne Ansehung der Geburt und des
Htandes, gegeben worden sind. Er ist ein gerechter Furst — das
erfahren die Armen, die Bedrückten und Gekränkten nicht allein durch
bessere Gerichtspflege und schnellern Gerichtsgang, sondern auch bei
den öffentlichen Audienzen, die der König allmonatlich allen Hilfe-
suchenden persöntich giebt. Er ist ein wahrhaft frommer Fürsft, der
der Religion seiner Väter und seines Hauses treu ergeben, aber fern