306 Bekämpfung der Unfruchtbarkeit.
die Frau zu einem bewährten Frauenarzt und erbitte ein umfassendes Urteil
über ihre Fortpflanzungsorgane. (Man lese über „Unfruchtbarkeit“ nach.)
Oft wird es heißen: „Ihnen fehlt nichts, Sie sind ganz gesund!““ Dann
gehe der Mann zu einem Spezialisten und verlange dasselbe, und wenn auch
er gesund befunden wird, dann liegt es an der Beschaffenheit der Innenhaut
des Uterus und an dem Nervenleben der Frau. Wie schon an anderer
Stelle ausgeführt wurde, muß die Frau sich dann einer Reinigungs= und
Erfrischungskur unterziehen, um günstigere Bedingungen zu schaffen und sich
im übrigen in Geduld fassen. Man hat viele Fälle beobachtet, in welchen
nach acht-, ja sogar zwölfjähriger Ehe noch ein Kindchen anrückte, obwohl
keine Kur voraus gemacht worden war. Im Organismus hatte sich etwas
geändert, das wir nicht kontrollieren konnten.
Nur wer einen schweren organischen Fehler hat, wie eine alte Knickung,
eine unentwickelte, kindlich gebliebene Gebärmutter, ein Gewächs an den
Beckenorganen usw., gebe die Hoffnung auf Mutterschaft auf; denn sie ist in
solchen Fällen entweder unmöglich oder nicht wünschenswert. Noch sei bemerkt,
was man zu tun oder zu lassen hat, um unter normalen Verhältnissen die
Befruchtungsmöglichkeit zu erhöhen.
Der Geschlechtsverkehr sei nicht zu häufig; ausgeruhte Organe,
größere Liebeswärme und Sehnsucht nach der Vereinigung schaffen günstigere
Bedingungen. Die Leidenschaft und Mittätigkeit des weiblichen Teiles sind
nicht gleichgültig bei dem Akte. Man achte auch darauf, daß der Orgasmus
bei Mann und Frau gleichzeitig eintreten, weil dadurch für den Eintritt
des Samens in den Uterus am meisten Aussicht vorhanden ist. Selbstverständlich
mache die Frau niemals gleich nach der Vereinigung eine Ausspülung;
denn wohl in den meisten Fällen zieht sich der Samen erst nachträglich in
die Gebärmutter hinein. Dann wähle man die für die Befruchtung günstigste
Zeit, das ist die erste Woche nach der Menstruation, wenn die
Frau das lebhafteste sexuelle Empfinden hat, und trachte sich vorher in
einem seelisch harmonischen und körperlich ruhigen Zustand zu erhalten. Sofortiges
Einschlafen nach dem Akte ist der Befruchtung günstiger als
Unruhe und Bewegung. Eine mehrwöchige Massagekur nach Thure-Brandt
erhöht oft die Aufnahmesähigkeit eines vielleicht vorher träge
gewesenen Uterus. Bei gut gebildeten Organen ist die Rücken-Bauchlage
für die Liebenden die natürlichste und schönste, aber zuweilen erhöht die
Bauchlage der Frau die Befruchtungsmöglichkeit (coitus a posteriori). In
hartnäckigen Fällen muß alles versucht werden, was A. ssicht auf Erfolg hat
und wenn verschiedene Anwendungen gleichzeitig zusammenwirken, so bleibt
dieser auch selten aus. Die Bauchlage der Frau führt uns auf tierische
Verhältnisse zurück und entspricht dem anatomischen Bau der Sexualorgane
beider Geschlechter besser. Doch ist sie weniger ästhetisch und führt, längere
Zeit angewendet, allmählich zu einer Entfremdung der Gatten, da sie den