Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Kufasser  100

Geschworenenauslosung.  Die  fünfke
bie  sährige  Sitzungsperiode  des  oberbayerischen
Schmurgericzts  beginnt  am  18.  Mai.  U.  a.  wurden
  mig  ude  Geschworene  dazu  ausgeloh:  :  Kaufjaann
  Jolrann  März  in  Bergen,  M  G.  Traunstein;
  Bauer  Felin  Paul  in  Huben,  Gemeinde
Crobbolhausen,  A.-G.  Rosenheim;  Schmiedmeister
  Heinrich  Blank  in  Aufham,  Gemeinde
Eggstätt,  A-G.  Prien;  Bauer  Jolef  Drerl  in
Degerndorf,  A.-G.  Nosenheim;  Bauer  Georg
Thurnhuber  in  Eschwendt,  Gemeinde  Guteenberg,
  A.-G.  Mühldorf.

Die  Gastwirtsinnung  hält  morgen
Donnerstag  ihre  Generalversammlung  von  mit-#ags
  1  Uhr  an  im  „Schmidtbräu“  ab.  Neben
der  Befsprechung  sehr  wichtiger  Einläufe  sieht
die  Einführung  des  Flaschenpfandes,  der  Jahresbericht,
  der  Rechenschaftsbericht  und  die  Neuwahl
des  Auoschusses  auf  der  Tagesordnung.

Die  Generalversammlung  der  Berg-#eiger=
  und  Schneeschuhriege  des  Turnver#ins
Rosenheim  von  1860  konnte  sich  eines  guten  Besuches
  erfreuen  und  nahm  einen  schönen  Verlauf.
  Dem  vom  Schriftführer,  Herrn  Erank,
rerjaßten  eingehenden  Jahresbericht  ist  zu  entnehmen,
  daß  der  frische  Geist,  der  gleichgesinnte,
zu  idealen  Zielen  vereinte  Männer  beseelt,  ermöglichte,
  baß  in  verhältnismäßig  lurzer  Zeit
auf  dem  Gipsel  der  Hochries  eine  mustergüllige
benzeitlich  Stihütte  vollendet  werden  konnte.

Der  Riege  gehören  zurzeit  61  Mitglieder  an.
An  24  Riegentouren  beteiligten  sich  282.  Die
Riege  führte  im  Verbande  mit  der  Alpenvereinslektion
  Rosenheim  einen  Skikurs  auf  der
Auen  und  rie  zwei  Rosenheimer  Skiwettläufe
im  Cebiete  des  Riesenkopf-Wildbarren  und  des
Hochriesstrockes  durch.  Vorträge  fanden  zwei  statt.
Der  Bericht  des  Kassiers,  Herrn  Krichbaum,
war  gründlich,  mit  interessantem  statistischem
Material  ausgestattet  und  von  Begeisterung  diklier:.
  Darnach  beziffert  sich  das  Vermögen  der
Niege  ouf  elwa  635  Mark.  Der  Tourenwart,
Iar.  Helien  berichtete  über  die  alpine  Tätigkeit  der
Rie  und  dankte  den  Mitgliedern  fur  die
Fourenberichte,  welche  ein  Gesamtbild  der  bergsteigerüchen
  Täligkeit  geben  werden,  auf  das  die
Riege  mit  Recht  siolssein  tiann.  Der  Antrag,  es
möchten  im  Jahre  zwei  Versammlungen  stattsinden,
  die  eine  zur  Berichterstattung,  die  andere
  zur  Beratung  sportlicher  und  technischer
UAngelegenheiten,  wurde  einstimmig  engenommeni.
  Im  Laufe  des  Sommers  finden  die  Zufammenkünfte
  der  Riege  je  Donnerstags  auf  der
Vereinsalm  statt.  Die  Neuwahl  hatte  folgendes
Ergebnis:  Vorsitzender  Herr  Hans  Rummel,
tbristführer  Herr  Karl  Frank,  Kassier  Hert
Krichbaum,  Tourenwart  Herr  Heliel,  Fahrwart
Lerr  Madl.  Dem  scheidenden  Vorsitzenden,
Herrn  Karl  Jelinek,  welcher  seit  mehreren  Jabren
  dem  Verrine  große  Opfer  brachte,  wurde  der
Dank  der  Riege  ausgesprochen.  Damit  fand
Fie  von  groher  Liebe  für  die  Berge  und  für  oen
schönen  und  gesunden  Schneeschuhsport  getradene
  Generalversammlung  ihren  Ahschluß.

Das  Leiberfest  auf  dem  Wendelfein.
  Ter  Besuch  der  ehemaligen  „Leiber“  bei
ihrem  Kameraden,  Herrn  Hotelier  Fuchs  auf
dee  Wendelstein,  welcher  Ehrenvorstand  cer

RKeschenhaller  Leiberverein#igung  ist,  findet  am
und  10.  Mai  statt;  er  scheint  einer  großen
Beteiligung  sich  erfreuen  zu  lönnen.  Die
Münchner  kommen  am  Samstag  und  Sonntag
den  9  und  10.  Maij  in  Ertrazügen  mit  der  vollständigen
  Kapelle  des  1.  Schweren  Reiter-Regi.
ments.  Am  Samstagabend  findet  Bergfeuer,
Ball  auf  der  Alm  usw.  statt.  Am  Sonn.-tae,

  vormittags  10  Uhr,  zelebriert  H.  H.
Ste  adtpsarrer  Ströbel  von  Bad  Reichenball  eine
Vergmesse,  bei  der  die  Kapelle  der  Schwelten
  Reiter  die  Choralmusik  srellt.  Die  hl.
Wesie  fundet  um  Freien  statt  am  Fuße  zum  Wenkelsteingipfel
  oberhalb  der  Klause.  Im  Anschluß
  daran  ist  großes  Konzert,  in  das  ver.
schiedene  Volksbelustigungen  eingestreut  werden.
Von  2  bis  6  Uhr  nachmittags  schlient  sich  dann
die  Talsahrt  an,  während  abends  von  128  Uhr
ab  im  Bahnhofhotel  Brannenburg  die  Kopelle
det  Schweren  Reiter  konzertiert.  Wenn  das
Wetler  günstig  bleibt,  dürfte  sich  am  9.  und  10.
Mai  auf  dem  Wendelstein  Besuch  einstellen,  wie
er  dort  oben  in  so  großer  Zahl  wohl  noch  nichl
Lgesehen  worden  ist.  Bei  schlechtem  Wetter
mürde  das  Fest  um  acht  Tage  verschoben  weroen.

Militärische  Uebungereisen.  Die
Zeutralstelle  des  Generalstabs  bölt  vom  4d.  bis
Mai  unter  Leitung  des  Chefs  des  Generalhobs.
  Generalmafors  Krafft  von  Dellmensingen
  eine  prößere  Uebungsreise,  die  sich  über  das
#böstliche  Bayern  erstrecken  wird;  als  Ausgangspunlt
  der  Reise  wurde  Nosenheim  bestimmt.
  Im  ganzen  nehmen  31  Offiziere  an
biejier  Uebungsreise  teil.  Die  Kriegsschüler  treten
  am  11.  A##u  eine  längere  Reise  an,  die  mhäckst
  der  Besichtigung  der  Schlachtfelder  ven
Weibenburg  und  Wörth,  dann  der  Besichtigung
verschiedener  Festungewerke  um  Straßburg  und
am  oberen  Rhein  gilt;  am  23.  Mai  treffen  sie
über  Konstam  wieder  in  München  ein.  Am  25.
Mai  fahren  die  Kriegsschüler  nach  Traunstein,
in  dessen  Umgebung  sie  bis  mit  19.  Juni  taklüche
  Uebungen  und  Geländeaufnahmen  vornehmen


„einberusungen  der  Reserve  und
Landwehr.  Die  Zahl  der  für  das  Rechnungs-156.
  1914(April  1914  bisEnde  März1915)  einzuberufenden
  Mannschaften  der  Resexve  und  Land- 



Rosenhelm̃er  Añzelgek
Ju  den  Wirren  in  Merike:  Die  „Garde“  Duertas.

 

 

wehr  der  drei  bayerischen  Armeekorps  beläuft
ich  auf  über  79  000  Unteroffiziere  und  Mann.
chaften,  um  über  24,.000  Mann  mehr  als  im
Echnun  sjahr  1913;  davon  entfallen  allein

2'  Menn  auf  die  Infanterie  und  Jäger,
%%  büber  20  000  Mann  mehr  als  im  Voriahre.
Der  größte  Teil  der  einmberufenden  Mannschoften
  wird  in  14tägigen  Uebungen  eingezogen.
  Besonders  groh  ist  in  diesem  Jahre  die
Zahl  der  aus  dem  Beurlaubtenstand  gebildeten
Truppenteile.

Obstblüte.
für  Obst=  und  Gemn.
cheyx,  Salvatorstraße  D20,  be-  ichtet  über  den  i
leuf  der  Obsrblüte  folgendes:  DTer  Blütenaman
isie  im  ganzen  Lande  als  überreich  zu  nennen  Die
Obstbäume  versprechen  eine  Rekordernte  zu  geten,
  da  durch  den  Ausfall  der  Vorfahrserntdie
  Bäume  Reiervesroffe  genug  angehäuft  hoden,
  um  eine  Vollernte  ernähren  zu  lkönner
Sreziell  wird  aus  dem  Vol  acher  Steinobe#gebiet
derichtet,  daß  der  Blütenverlauf  des  Frühobneein
  rascher,  gleichmäßiger  und  tadelloser  ist.
Aprilosen  und  Pfirsiche  haben  abgeblühe,  es
lätt  sich  reichlicher  Fruchtansatz  erkennen.
Reineklauden,  Mirabellen,  Kirschen  und  Weiche
  sowie  Frühzwetschgen  befinden  sich  im  letzten
Blütenstadium.  Birnen  und  Spätzweischgen
blühen  vollauf  und  wenn  die  Witterung!  so  günsis
  bleibt  wie  bisher,  werden  durch  einen  reichen
  Erntesegen  die  Mißerfolge  des  Vorjahres
ausgerogen.  Aus  der  Kirschengegend  Loher
om  Main  berichtet  der  Obstbauverein,  daß  die
Kirschen  bereits  im  Verblühen  sind  und  sich  arter
  Fruchtansatz  zeigt,  so#  dah  bei  Fortdauer  der
gegenwärtigen  guten  Witterung  ein  reiches
Obstjahr  in  Aussicht  slteht.  Auch  der  Wein  berechtigt
  zu  guter  Hoffnung,  da  derselbe  sehr
viel  Blutengescheine  zeigt.  Die  Spargelernt:
ist  seit  Mitte  dieses  Monats  im  vollen  Laufe
und  kostet  zur  Zeit  40—50  Pfg.  das  Pfun#e.

Verhaftung.  Eine  Kellnerin  von  Rosenheim
  wurde  zur  Strafersiehung  wegen  Gewerbsunzucht
  fesrgenommen.

HRusk  und  Thealer.

Operetten-Ensemble  des  Landshuter
  Stadttheater.  Für  Dienstagabend
war  als  Benefiz  für  die  Operetten-  Soubhrete
Ida  Salter  die  reirende  „Fledermaus“  angesetzt.
  Von  dem  gukl  besetzten  Hause  wurde  die
Aufführung  mit  großem  Beifall  ausgenommen.
Ersie  Anerkennung  verdient  zweifellos  das  Orchesier,
  das  mit  bestem  Erfolge  uns  eines  der
populärsten  Werle  des  Walzerkönigs  zu  Gebör
  brachte.  Kapellmeisier  Raab  erreichte  selbst.
bei  der  lleinen  Besetzung  durch  unsere  Sladllapelle
  ein  vortreffliches  Gelingen  des  musikaläichen
  Teiles.  Unsere  Stadtkapelle,  an  der
Spitze  die  beiden  Herren  Berr,  leisieten  darch
das  aufmerksame  Eingeben  auf  die  Weisungen
ihres  Dirigenten  gonz  Vorzügliches.  Für  die
Rotalinde  trat  ein  Gast  auf.  Nini  Matzrorif
bot  vor  allem  gesanglich  eine  prächtige  Ro
salinden-Partie.  Ihre  Stimme  ist  außerordentsich
  voll  und  reich  und  besonders  in  den  hoben
Lagen  sehr  sicher  und  kragfähig.  Mimik  und
Geste  bedürfen  zwar  noch  der  Routinc,  doch  iönnte
  zu  diesem  Engagement  der  Direllion  nur
gratuliert  werden.  Jda  Salter,  als  Adelc,
die  Krone  aller  Stubenmärchen,  hatte  einen
sehr  glücklichen  Abend.  Stimmlich  war  sie  sehr
aut  disponiert  und  an  Tems'#ramen  #
die  Fledermaus-Adele  es  benötigt,  fehlt  es  ihr
bekanntlich  nicht.  Dabei  hat  sie  stets  ein  92=fätlliges
  Spiel,  das  sich  vor  Uebertreibung  zu-D
rückhält.  Ein  liebenswürdiger  Schwerenöter  war
der  Eisenstein  von  Leo  Wanaus.  Allen  Situationen
  gewachsen,  zeichnete  er  in  seinen  Linien
den  jugendlichen  Lebemann.  Stimmlich  schien
er  etwas  indisponiert,  doch  suchte  er  es  tapfer
niedermkämpfen.  Schlimmer  war  es  um  den
Alfred  des  Erwin  Zöschegg  beslellt.  Die  Stimme
  war  sehr  belegt  und  lonnte  sich  niemas  F
nötigen  Höhe  aufschwingen;  seine  Darstellung
war  zu  farblos,  ja  sogar  tot.  Einzig  seine
sompathssh  Ersestrung  sprach  für  Fihn.
WMiizzi  Gruber  konnte  Fen  Prinzen  Orlofsko
zwar  nicht  in  der  sonst  gewohnten  temperamentvollen
  Weise  hinstellen,  doch  schuf  sie  aus
den  ihr  Gebote  siehenden  Mitteln  eine  so
hraziös  zierliche  Jünglingsfigur,  daß  der  Prinz

Die  baycrische  „Ventralstelle

 

 

 

auch  in  dieser  Weise  jehr  ansprechend  war.  Der
Gefänanisdireltor  Neudecks  und  der  Notar  Wesener?
  waren  gut  getrossen.  Ernst  Singer  gab
eine  originelte  Figur  für  den  Advokaten  Blind
und  Psaudler  erntete  großen  Beifall  und  schuf
vriel  Humor  mit  seinem  Frosch,  Auch  die  kleinen
  Rolten  waren  in  guten  Händen.  Ida  Salter
ernlete  ein  paar  Blumenarrangements  zur!  *
Th.  1

eriennung.
Alpines.

xAom  Spitzsteinhaus.  Der  Alpenver=*
  München-  Giesing  hat  das  Spitzsreinha#u#  vor
wenigen  Tagen  nebst  zwei  bewirtschafteten  Almen
  und  der  Gipfellapelle  mit  143  Tagwerk
Verpgrund  von  dem  bisherigen  bäuerlichen  Belitzer
  erworben.  Der  Verein  wird  a#  aus
Stein  erbaute  Spitzsteinhaus,  das  heizbare  Ziminer
  und  ein  gemütliches  Gastlokal  besigt.  nunmehr
  zweckentsprechend  renovieren  lassen  und
mit  neuer  Einrichtung  ausstatten.  Nach  der
Neueinrichtung  lönnen  40—50  Perfonen  zualeich
  übernachten.  Das  1277  Meter  (Gipfel
1580  Meter)  hochliegende  Haus  gewährt  eine
prächtige  Fernsicht  und  besitzt  ein  ausgeieichnetes
  Sligelände.  Im  nächsten  Winter  läßt
der  Verein  hier  Stikurse  abhalten.  Die  feierlich:
Eröffnung  wird  voraussichtlich  Ende  Juni  Katlsinden.
  Von  der  Bahnstation  Oberaudorf  über
den  Ort  Mühlgraben  find  231  Stunden  und  von
Station  Oberaudorf  über  das  Passionsdorf  Erl
drei  Stunden  bis  mum  Spitzsieinhaus.

Aus  Industrie  und  Gewerbe.

Boyer.  Wolldeckenfabril  Bruckmühl
  A-G.  München.  Die  aus  der  Bayer.
Wolldeckenjabrik  Bruckmühl,  Weiler,  Baur  #u#
Cie  G.mb.  H.  herrorgegangene  Gesellpyhaft
hat  die  im  vergangenen  Jahre  beischlossene  Erweiterung
  des  Betriebes  durchgeführt.  Wena
dieselbe  auch  nur  für  das  zweite  Halbjahr  mit
voller  Wirlung  zum  Ausdruck  kam,  so  war  es
nach  dem  GEeschäftsbericht  doch  möglich,  den  Umlatz
  gegen  das  Jahr  1912  wieder  bedeutend
iu  sieigern.  Das  Verhältnis  zwischen  den  Preisen
  dez  Rohmaterialo  und  jenen  der  fertigen
Ware  war  während  des  ganzen  Jahres  nicht
günstig,  da  die  Preise  für  Wolle  und  Kamelhaar
  fortg  esetzt  sich  erhöhten,  und  zwar  is  zu  25
bis  30  Proz.,  während  die  Gesellschaft  mit
ihren  Verlaufspreisen  nicht  Jtsperchen  folgen
lonnte.  Der  nach  36  514  Mk.  Abschreibungen
Lech  A#lagen  verbleibende  Reingewinn  beträg!

3  Mk.,  worin  26  070  Mk.  Gewinnvor-00%
  Ws  jind.  Es  sollen  10  Proz.  Dioidende
  auf  das  einbezahlte  Aktienkapital  von
1312  500  Mk.  P.  r.  k.  verteilt,  34309  Mk.  zu
Tantiemen,  20  000  Mk.  zur  Dotierung  der  Spe.
hlalreferve  und  39036  Mk.  zum  Vortrag  auf
neue  Rechnung  Verwendung  finden.  Im  neuen
Ceschäftsjahr  haben  sich  die  Verlaufspreise  gebestert;
  mit  Aufträgen  ist  das  Unternehmen
reihlich  versehen.

Aus  Rechk  und  Gesetz

Wirtschaftskonzession.  Zum  Betrieb
der  Schankwirtschaft  ist  die  Erlaubnis  des  Bebeirleamt--
  erforderlich.  Schankwirt  ist,  wer  Getränle,
  seien  es  geistige  oder  nicht  geistige,  als
Genußmittel  zum  sosortigen  Genusse  an  der
Verlaufsstelle  gewerbsmäßig  ausschenlt.  Es  bedarf
  also  auch  der  Ausschanl  von  Tee,  Kassee,
Limonade,  Mineralwasser  usw.  der  Erlanbnis.
Bei  nichtgeisiigen  Getränken  ist.  ledoch  die  Würdigung
  der  beim  Ausschank  geistiger  Getränke
zu  prüfenden  Bedurfniefrage  ausgeschlossen,  d
h.  es  kommt  bei  der  Erlaubniserteilung  vich
darauf  an,  ob  ein  Bedürfnis  nach  einer  weileren
  Ausschankstelle  für  nichtgeistige  Getlranke
besteht.

Erbschaftssteuer.  Die  Erbschaftssteuerbeträgt
  4  bezw.  6,  8  oder  10  Prozent  der  Eis  -
schast,  und  zwar  werden  die  höheren  Prozen
jätze  bei  enifernterer  Verwandtschaft  Adth
Ein  Steuersatz  von  5  Prozent  lönnte  bei  einer
Erb#chaft  im  Betrage  von  unter  20  000  Mk.  nur
dann  in  Frage  kommen,  wenn  der  Erwerb  für
lirchl,  oder  gemeinnützige  Zwecke  anfällt.  Schenlungen
  unterliegen  im  allgemeinen  der  gleichen
  Besteuerung  wie  Erbschaften.  Bis  zu  einem
Betrag  von  500  Mk.  tritt  Steuerfreiheit  ein.
Die  Eltern  des  Erblassers  bezw.  Schenkers  sind
von  der  Steuerpflicht  nicht  befreit.

 

 

 

 

Donnerstag,  30.  Aprll  1913

Aus  dem  Gerichissanle.
Kol.  Amtsgericht  Nosenhelm.
Dienstog  den  23.  April.

Mit  Einstellung  des  Hauptverfahreas  eie1#
die  Verhandlung  in  Sachen  des  bereits  vorbetraften
  Bäckers  Wolfgang  Nidol  von  Crubbotz
wegen  gefährlicher  Körperverletzung.  Er  stand
gleichzeitig  mit  dem  Bäckergesellen  August  Goßner,
  nunmehr  in  der  Pfalz,  bei  Bäcermeisier
Jetob  Kirmaier  dahier  zu  bessen  vollsten  Zufriedenheit
  in  Diensten.  Nichtsdesloweniger  versuchte
  Goßner,  den  Nickol,  weil  dieser  nicht  orhanisiert
  war,  bei  seinem  Meister  und  dessen
Ehefrau  anzuschwärzen,  daß  er  seinen  Verpflichlungen
  nicht  nachtame.  Nickol  erfuhr  davon,
machte  aber  dem  Goßner  leinen  Vorhalt;  erst
als  er  im  März  es  selbst  mit  eigenen  Ohren
horte.  wie  ihn  Goßner  „verkaufte“,  siellte  er

hu  jofort  zur  Rede.  Es  kam  dabei  zu  einem
Kinen  Zusammensioß  der  beiden  Widerfacher,
bei  dem  Goßner  mit  einer  Kratzwunde  an  der
rechten  Brustseite  davon  kam,  aber  auch  von  eem
Angellagten.  am  Halse  gewürgt  wurde,  als  er
sich  zur  Wehr  jetzte.  Nun  gab  Goßner  bei
jeiner  eidlichen  Vernehmung  in  Kirchhimbolanden
  an,  er  sei  gleich  darauf  zur  Polizei  gelausen.
  Dort  habe  er  angegeben,  er  sei  von
dem  Angellagten  mit  einem  Messer  in  die  Brust
gestochen,  am  Hals  gewürgt  und  mit  einer
Eisenstange  gegen  die  Magengegend  qdeileßen
worden.  Auch  gab  Goßner  an,  er  sei  diei  Tage
arbeitelos  gewesen.  Durch  Vernebmung  des
Bötermeisters  Kirmaier  und  des  Schuywante

Schauer  wurden  die  Unwahrheirten  dieser  A##  aben
  nachgewiesen.  Rirmaier  bekundete,  datz
er  mit  dem  Angellagten  sehr  zufrieden  sei  und
ihn  nun  schon  drei  Jahre  im  Dienste  habe.  Von
einer  Arbeitsunfähigteit  Gohners  könne  keine
Rede  sein.  Dieser  habe  noch  fast  14  Tage  bis
zu  feiner  Entlassung  gearbeitet.  Der  Ange#agte
gab  zu,  daß  er  den  Goßner  gewürgt  hatc,  aber
er  habe  weder  ein  Messer  gehabt,  noch  sei  er  mir:
einer  Eisenstange  auf  den  Zeugen  losgegangen.
Schutzmann  Schauer  sagie  aus,  daßz  Goß  ner
wohl  auf  die  Polizei  gelommen  sei  und  die
obengenannten  Aussagen  gemacht  babe,  doch
sfei  dies  mehrere  Tage  hernach  gewesen.  Die
Aussagen  Goßners  erwiesen  sich  also  als  vollitändis
  unwahr,  weshalb  das  Hauptverfahren
unter  Ueberbürdung  der  Kosien  aufs  die  Staalslasie
  eingestellt  wurde.

Ein  unverbesserlicher  Zechpreller  ist  der  le.
Taglöhner  Leonhard  Urmann  von  Nirder:nocien,
  der  in  letzter  Zeit  erst  wegen  solcher  Aercgeben
  eine  20tägige  Gefängnisstrafse  vom  tiefi.
„#n  Schöffengericht  belam.  Nach  Neuih'l.
berscvand  er  wieder  einmat  in  der  Wirt“-  1
Jiegelberg  unter  Hinterlassung  eines  Vierre#s
Uu#nd  einer  Zechschuld  von  36  Pfennig:#  Er
will  schon  Gerd  bei  sich  getragen,  abrr###  veripielt
  fdaben.  Wegen  dieses  neuen  Vergebens
erkannte  das  Gericht  auf  5  Tage  Gefängnis.

Besser  kam  der  schon  vorbestrafte  Taglöhner
Joief  Hinterhuber  von  Kolbermoor  weg,  der
sich  eines  Notdiebstahles  schuldig  machte.  In
jeiner  Notlage  entwendete  er  in  Redenfelden
dem  Fabrikarbeiter  Georg  Pauser  ein  Paar
Halbsnefel  im  Werte  von  12  Mark.  Dies  teug
ihm  5  Mk.  Geldstrafe  oder  einen  Tazg  (Orfän
  nis  ein.

Auf  abschüssiger  Bahn  befindet  sich  der  erst
20  Jahre  W  fedoch  schon  erheblich  wegen
Elgentumedelilte  vorbestraste  Knecht  Fr.  Tav.
Madl,  zurzeit  in  Kolbermoor.  Er  war  früher
  in  Högling  bedienstet.  Am  5.  Februar
kam  er  aus  der  Wanderschaft  spät  abends  zu
dem  Bauern  Josef  Michlbauer  in  Moos.  Weil
er  ganz  erschöpft  und  durchsroren  war.  gewährten
  sie  ihm  Unterkunft.  Der  Angeklagte  erhielt
  von  seinen  Gast  gebern  ein  Paar  Schuhe
im  Werte  ron  6  Mk.,  weil  die  seinigen  schon
ganz  dur  hgearbeltet  waren,  un:  außerdem  noch
ein  Dorleben  von  1  Mark,  weil  er  vormachte,
er  sei  von  dem  Kasereibesiser  Zehermaier  in
Oberaudcri  gerungen,  dieser  habe  ibm  schon  6
Mark  Drangeld  geschickt,  das  Geld  sei  aber
durch  die  Transportkloften  seines  Kleiderkastens
nach  Obcraudorf  aufgez#ehr:  worden.  Ferner
versprach  der  Angeklante,  das  Darleben  und
auch  den  Wert  der  Schube  in  Bälde  zurückzuer
statten.  Bei  dem  Oekonomen  Bleideicke  ent.
wendete  Madl  n  der  Nact  vom  11.  auf  12.
Februar,  wo  er  übernachtete,  ein  Paar  Schube,
einen  grauen  Filihut  mit  Gamsbart,  einen
Stock  mit  Hirschborngriff,  eine  Tuchjoppe,  ein:
Untersacke  und  eine  Tabakspfeise.  In  der
Hauptverhandlung  dediente  der  jugendliche
Gauner  das  Gericht  mit  den  frechsten  Lũgen.
Mit  Rüchicht  auf  seinen  bereits  erheblich  getrübten
  Leumund  verurteilte  ihn  das  Gericht
wegen  des  Dichstahlo  zu  vier  Wochen  und  weaen
  des  Betrugs  zu  drei  Wochen  Gesangni:,
die  in  eine  Gesamtgefängniestrafe  von  sechs
Wochen  zu  vereinigen  waren.

Noch  schlechter  scheint  es  mit  dem  Spengier
Andrece.  Oefele  ron  hier  zu  stehen.  Oefele  wurde
  in  Oesterreich  wegen  Sittlichkeitoverbrechen
zu  einer  mehrmonatlichen  schweren  Kerkerstraf:
verurteitl  ferner  des  Landes  verwiesen.  Auch
jonst  ist  er  leine  gerichtefremde  Person.  Seit  fast
zwei  Jahren  steht  er  nun  in  Rosenheim  in  Diensten.
  Er  lebt  mit  der  von  ihrem  Manne  geschiedenen
  Maurersfrau  Maria  Lackner  in  wilder
Ehe,  bei  der  die  Folgen  nicht  ausblieben.  Zur
Anzeige  gebracht,  erhielt  er  einen  Strafbesehl,