Full text : Realienbuch nebst einem Anhange für Deutsch und Raumlehre.

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reich.  Damals  galt  in  Deutschland  nur  das  Recht  des  Stärkeren,  das  Faustrecht.
Viele  deutsche  Städte  schlossen  zu  gegenseitigem  Schutze  den  Hansabund.

*;m“  §  7.  Rudolf  von  Habsburg.  a.  Die  deutschen  Fürsten
wählten  endlich  (1273)  auf  den  Rat  des  Erzbischofs  von  Mainz
den  einfachen  und  frommen  Rudolf  von  Habsburg  zum
Kaiser.  Die  Habsburg  (Habichtsburg)  lag  in  der  Schweiz.
Zunächst  suchte  er  die  Ordnung  in  Deutschland  wieder  herzustellen,
  zerstörte  eine  Menge  Raubburgen  und  ließ  die  Raubritter
  ohne  Gnade  hinrichten.  Auch  mehrere  deutsche  Fürsten,
die  ihm  nicht  gehorsam  sein  wollten,  demütigte  er,  so  den  mächtigen
  König  von  Böhmen,  Ottokar.  In  der  Schlacht  auf  dem
Marchfelde  verlor  derselbe  Reich  und  Leben.  Rudolf  gab  die
nun  herrenlosen  Reichsländer  Osterreich,  Steiermark,  Kärnthen,
Krain  seinen  Söhnen  Albrecht  und  Rudolf  und  legte  so  den
Grund  zur  Größe  des  habsburgischen  Hauses.  Alle  Kriege
mit  Italien  und  den  Päpsten  vermied  er;  denn  er  verglich
Italien  mit  der  Höhle  des  Löwen,  in  die  wohl  viele  Spuren
hinein,  keine  aber  herausführen.  Das  Land  erholte  sich  wieder,
und  als  der  Kaiser  1291  starb,  trauerte  das  Volk  um  den
„Wiederhersteller  Deutschlands“.  —  Es  folgten  jetzt  eine  Reihe
Kaiser  aus  verschiedenen  Häusern,  und  darauf  das  schwache
und  ruhmlose  Geschlecht  der  Luxemburger,  unter  welchen
Karl  IV.  deshalb  besonders  merkwürdig  ist,  weil  er  1356  das  Reichsgesetz  der
goldenen  Bulle  gab,  wodurch  das  Wahlrecht  der  Kaiser  7  Fürsten  (Kurfürsten:
Böhmen,  Sachsen,  Brandenburg,  Pfalzgraf  vom  Rhein,  die  Erzbischöfe  von  Köln,
Mainz,  Trier)  zuerkanmt  wurde.

b.  Johann  Huß.  Um  jene  Zeit  war  viel  Uneinigkeit  in  der  christlichen  Kirche.
Ernste  Männer  verlangten  eine  „Reformation  (Kirchenverbesserung)  an  Haupt  und
Gliedern.“  Der  damalige  Kaiser  Sigismund,  der  letzte  Luxemburger,  berief  darum
eine  Kirchenversammlung  nach  Konstanz  am  Bodensee.  ,...

Hier  mußte  auch  Johann  Huß,  Professor  der  Theologie
zu  Prag,  erscheinen  und  sich  seiner  Schriften  und  Lehren
wegen,  die  besonders  gegen  Mängel  des  Papsttums  und
Unsittlichkeit  der  Geistlichen  gerichtet  waren,  verantworten.
Obgleich  ihm  sicheres  Geleit  zugesagt  war,  verurteilte  man
ihn  zum  Tode  und  verbrannte  ihn  am  6.  Juli  1415.  Seine
Anhänger,  die  Hussiten,  ergriffen  aber  die  Waffen  und
verwüsteten  Böhmen  und  Sachsen  unter  ihren  Feldherren
Ziska  und  Prokop  in  einem  15jährigen  Kriege  schrecklich.

e.  Es  folgte  jetzt  das  habsburgische  (österreichische)
Kaiserhaus,  von  1438—1806.  Kaiser  Sigismund  hinterließ
  nur  eine  Tochter,  die  dem  Herzoge  Albrecht  von
Osterreich  vermählt  war.  Der  wurde  jetzt  zum  Kaiser
gewählt,  und  damit  gelangte  das  Haus  Habsburg  wieder
auf  den  deutschen  Kaiserthron.  Wichtige  Kaiser  aus  diesem
Geschlechte  waren:  Friedrich  III.  von  1439—93,  zu  dessen
Zeit  besonders  merkwürdige  Erfindungen  und  Entdeckungen
gemacht  wurden  (siehe  folg.  Abschnitt|).  Maximilian  I.,
von  1493—1519,  der  „letzte  Ritter“",  hob  das  Fehderecht
  durch  den  ewigen  Landfrieden  auf.  Alle  Streitigkeiten  sollten  nicht  mehr

Fig.  7.  Rud.  v  Habsburg.

Fig.  8.  Maximilian  I.