Heinrichs auswärtige Bundesgenossen. 433
Macht befand. Trotz der Demütigung wegen der Ermordung Thomas
Beckets war ihm die Kirche seines Landes strenger untertan, als irgendeinem
anderen Fürsten dieser Zeit. Irland war zum größten Teil erobert worden. 1171
In Frankreich besaß Heinrich II. durch Erbschaft und durch Heirat die Nor-
mandie, Bretagne, Gascogne, Guyenne und das Poitou. Mutig hatte er den
vereinten Angriff seiner drei Söhne, des Königs Wilhelm von Schottland und
Ludwigs VII. von Frankreich niedergeschlagen, Wilhelm zur Anerkennung c. 1174
seiner Lehnsherrlichkeit genötigt und mit Ludwig, sowie dessen schlauem und
staatsklugen Sohne und Nachfolger Philipp II. August ein freundliches Ver seit 1180
hältnis angeknüpft.
Frankreich befand sich damals auf einer ziemlich niedrigen Stufe der Macht
und des Ansehens. Von dem jetzigen Frankreich war nur Isle de France
und ein Teil des Orléanais — fünf der gegenwärtigen 78 Departements
— in den Händen des Königs. Ganz Westfrankreich gehörte dem englischen
Herrscher als Herzog der Normandie und Aquitaniens. Im Norden war der
Graf von Flandern ebenso mächtig, wie der König, im Osten die einer
Familie entsprungenen Grafen der Champagne, von Blois und Chartres zu-
sammen mächtiger, als der Nachfolger Hugo Kapets. Lothringen und Bur-
gund, Elsaß, Dauphiné und Provence waren dem deutschen Kaiser untertan.
Die Grafen von Toulouse in dem herrlichen Languedoc erkannten des Königs
Oberherrlichkeit kaum dem Namen nach an. Selbst in den der Krone un-
mittelbar gehörigen Ländern herrschte unter den kleinen Vasallen Gesetz-
losigkeit und ewiger Kampf. Die Patrimonialgerichte der großen Vasallen
urteilten noch in letzter Instanz, die königlichen Gerichte galten allein in den
Kronprovinzen. Seit kurzem erst hatte Ludwig VI. unter der Leitung des
klugen Abtes Suger und Philipp August die große Laufbahn begonnen, die
das französische Königtum zur höchsten Macht in Europa führen sollte.
Etwas weiter in seiner Festigung, wenn auch innerhalb Ueinerer Verhält-
nisse, war die Staatseinheit in Dänemark gediehen, dem örtlich nächsten
Lande, von dem Herzog Heinrich Hilfe erhoffen konnte. Nach einer langen
Reihe von Familienkriegen im Hause Swen Estritsons stellte Waldemar I., seit 1157
unterstützt von dem trefflichen Erzbischof von Lund, Absalon, nicht nur im
Innern des Reiches die Ruhe wieder her, sondern erweiterte dieses auch, frei-
lich nur mit der Hilfe Heinrichs des Löwen. Mit dessen Unterstützung schlug
er die westlichen Seeräuber, die alle dänischen Inseln und die ganze jütische
Halbinsel verheert hatten, eroberte Rügen und faßte endlich sogar in Pommern
festen Fuß. Aber die Dankbarkeit ist eine schwere Last, und wem man die
empfangenen Wohltaten nicht zurückerstatten kann, dem sucht man gewöhn-
lich so viel Feindliches wie möglich zu erweisen; diese allgemeine Regel be-
währte sich auch in dem Verhältnis König Waldemars zu Heinrich dem Löwen.
Freilich hatte dieser alles getan, um die Dankbarkeit jenes so viel als möglich
zu schwächen, indem er den König immer mit großer Verachtung, wie einen
Vasallen, behandelt hatte. Jetzt sah er sich selbst in der Lage, den Bundes-
Sbilippson, Heinrich der Löwe 28