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e) Warum legt der Schmied den eisernen Reif erhitzt um das Wagenrad?
Warum geht ein eiserner Topf kalt in die Röhre, heiß aber nicht heraus?
Warum zerspringt ein kaltes Glas, wenn man plötzlich heiße Flüssigkeit hinein-
gießt oder es an den heißen Ofen stellt? Warum bekommen Steinplatten, die
von eisernen Klammern zusammengehalten sind, in der Kälte Risse? Warum
dürfen Zinkplatten auf Dächern nicht zusammengenietet oder gelötet, Eisenbahn-
schienen nicht dicht aneinander gelegt werden? Warum springen Gefäße, in
denen Wasser gefriert? Warum springen Kastanien mit einem Knall auf, wenn
man sie auf heiße Kohlen legt? Warum schwillt eine schlaffe Schweinsblase auf,
wenn man sie an den warmen Ofen bängot Warum steigt der Rauch in die
Höhe? Warum sitzen Schröpfköpfe so fest und bringen das Blut zum Ausströmen,
nachdem sie über dem Lichte erwärmt sind? Warum halten sich im Winter die
Fliegen an der Zimmerdecke auf? Warum schlägt eine Lichtflamme im geheizten
Zimmer oben in der geöffneten Thür nach außen, unten nach innen? Warum
tanzt eine Papierschlange auf der Nadel, wenn sie auf den Ofen gestellt wird?
Warum weht an Meeresküsten tagsüber der Wind vom Meere nach dem Lande,
nachts aber vom Lande nach dem Meere? (Das Land erwärmt sich rascher,
strahlt aber auch die Wärme schneller aus als das Wasser.)
26. Veränderung des Körperzustandes durch Wärme. a) Auf
einen Tisch im warmen Zimmer gieße ich etwas Wasser und setze einen
innernen Teller darauf. Auf denselben thue ich eine Mischung von ge-
koßenem Eis oder Schnee und Kochsalz! Nach einiger Zeit ist Salz und
Eis geschmolzen, d. h. in flüssigen Zustand übergegangen, der Teller aber auf
dem Tische angefroren, weil das Wasser in festen Zustand übergegangen ist.
— Setze ich die Flüssigkeit einer Siedewärme aus, so wird nach und nach
das Wasser verschwinden, d. h. sich in Dampfform verwandeln und unsichtbar
in der Luft schweben. — Schlägt der Wasserdampf an die kalten Fensterscheiben,
so geht er durch Entziehung der Wärme wieder als Fensterschweiß in den
flüssigen Zustand über, ja bei Kälte draußen friert er zu Eisblumen am Fenster.
b) Soll ein fester Körper schmelzen, so braucht er dazu erhöhte Wärme-
grade; die verschiedenen Körper brauchen verschieden hohe Wärme. Diese
Wärme wird der Umgebung entzogen. So entzogen auch Eis und Salz
beim Schmelzen dem Wasser au dem Tische die Wärme durch den gut
leitenden Zinnteller hindurch und verwandelten es in festes Eis. — Während
der Verdunstung wurde die Ofenwärme verbraucht, um die flüssigen Teile
in luftförmige zu verwandeln. Die dabei verbrauchte Wärme ist für die
Stubenheizung verloren. — Die kalten Scheiben entzogen dem Wasserdampfe
die Wärme und verwandelten ihn in eine Flüssigkeit; weitere Wärmeentziehung
ließ diese zu Eis erstarren. Fest, flüssig, luftförmig ist der dreifache
Zustand, in dem wir die Körper nach dem Maße der Wärme erblicken. Bei
dem Ubergange aus dem luftförmigen in den flüssigen und aus diesem in
den festen Zustand wird Wärme frei. Geht aber ein Körper aus dem festen
in den flüssigen und luftförmigen Zustand über, d. h. schmilzt oder verdunstet
er, so entzieht er der Umgebung die Wärme und bindet sie, erregt also Kälte.
Die wasserhaltigen Flüssigkeiten auf der Erde verdunsten durch Wärme,
steigen als Wasserdampf in die Höhe, nehmen in der Luft Nebelform an und
bilden Wolken. Der Wasserdampf der unteren Schichten verdichtet sich bei
Abkühlung der Luft und setzt sich in zarten Tröpfchen als Abend= oder
Morgentau an die kalten Blätter. Sinkt die Temperatur der Luft unter
den Gefrierpunkt, so gefriert der Tau zu Reif. Die Wolken werden von
dem Luftzuge fortgetragen. Trifft sie ein kälterer Luftstrom, so verdichten
sich ihre Wasserbläschen, vergrößern sich in dampferfüllten Luftschichten,
fließen zu Tropfen zusammen und fallen als Regen herab. Im Winter ver-