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des Schreckens, Lockens usw.; wenn dies nicht hilft, so kann
man ja bei einem Staatsstreiche anlangen. Den deutschen
Fürsten kann ich nur Furcht einflößen, ihr Vertrauen muß
der König gewinnen.“ Endlich deutete er auf seine Ab-
weichungen von der Partei GEerlachs in der auswärtigen
Politik hin. „Ich bedarf des guten Gewissens, das ich nur
habe, wenn ich alle Vergleichsversuche mit den Gegnern
erschöpft habe. Im Uebrigen sehe ich mich als Lehensmann des
Königs an, der remonstriert, aber dann gehorcht; ich
muß den König bei frischem Mut und gutem Gewissen er-
halten.“ "
Berlin, Mitte November 1862.
Unterredung mit dem bayerischen Gesandten
Grafen Montgelas, betreffend die handels-
volitische Frage.
Bismarck eröffnete dem bayerischen Gesandten, daß ihm
der Gedanke fern liege, Konferenzen über die am 2. Au-
gust 1862 mit Frankreich abgeschlossenen handelspolitischen
Verträge herbeizuführen.
Graf Montgelas kam wiederholt auf die Bedenken seiner
Regierung zurück und suchte nach Auswegen.
Bismarck: „Jede Regierung hat nicht bloß das Recht,
sondern selbst die Pflicht, sich dahin zu wenden, wo sie die
Interessen des eigenen Landes und die Bedürfnisse der eigenen
Untertanen am besten und sichersten befriedigen zu können
glaubt. Denkt also Bayern, daß seine Interessen auf einer
anderen Seite liegen, daß die Fortsetzung seiner bisherigen
Verbindung im Zollverein mit Preußen ohne Berücksichtigung
der von ihm befürworteten österreichischen Wünsche ihm zum
Nachteil gereicht, und daß es auf der — übrigens mil seiner
Zustimmung betretenen — Bahn nicht mit Preußen gehen
kann, so wird die bayerische Regierung dies allein zu erwägen