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Stimmung herrscht in der Armee, den konservativen Kreisen
der Regierung und auch im Gemüte des Königs, hier zumal
seit der völlig ungeeigneten Art, in welcher der Herzog den
letzten Brief Sr. Majestät beantwortet hat. Auf diese Weise
ist die augustenburgische Kandidatur für Preußen unmög-
lich geworden und sie bleibt dies so lange, als jene Uebelstände
nicht beseitigt sind und die Gegenregierung nicht aufhört.
Dies ist auch in diesen Tagen ganz bestimmt nach Wien er-
klärt worden, und von der Antwort hierauf sind die weiteren
Entschließungen Preußens abhängig.
Es gibt nur einen Weg, die augustenburgische Kandi-
datur wieder möglich zu machen, nämlich den, daß der Herzog
sich an das Gemüt des Königs wendet, und anstatt lediglich
auf sein angebliches Recht zu pochen, anerkennt, daß er der
freiwilligen Uebertragung der Rechte Preußens und Oester-
reichs bedarf, um zum Ziele zu gelangen. Freiwillig kann
Preußen den Herzog einsetzen, aber aufzwingen kann es sich diese
Kandidatur so wenig lassen, als eine andere, zumal mit dem
Hintergrunde von Agitation, den man ihr gegeben hat. Die
Ehre und die Aufrechthaltung des monarchischen Ansehens im
Innern gestattet dies nicht. Der Herzog mag nach Berlin
kommen und sich an den König wenden in der soeben bezeich-
neten Weise und durch Vermittlung des Kronprinzen, und es
ist alle psychologische Wahrscheinlichkeit dafür, daß er als an-
erkannter Herzog zurückkehren wird.“
Pfordten: „Welche Garantie kann man denn bieten
für den Erfolg eines solchen Schrittes und für die ungehinderte
Freiheit der Entschließungen des Herzogs, wenn der Schritt
gleichwohl erfolglos bleibt?“ «
Bismarck: „Eine politische Garantie kann nicht gegeben
werden, denn der ganze GEedanke ist mein rein persönlicher;
er geht nicht von dem Könige aus, und ist diesem noch nicht