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mich dieses Ausdruckes bedienen darf, als Freund und Rat-
geber ganz frei und offen zu sprechen. Sie sind von einer
ganzen Nation einstimmig zum Fürsten gewählt; folgen Sie
diesem Rufe, gehen Sie direkt in das Land, zu dessen Re-
gierung Sie berufen sind!“
Prinz Karl erwiderte, daß dies ohne Genehmigung des
Königs als seines Familienoberhauptes und obersten Kriegs-
herrn unmöglich sei, obgleich er selbst den Mut zu diesem
Entschlusse wohl in sich fühle.
Bismarck: „Um so mehr also — die Genehmigung des
Königs brauchen Sie in diesem Falle nicht direkt. Verlangen
Sie Urlaub vom Könige, Urlaub ins Ausland — der König
ist fein genug, ich kenne ihn ja genau, um dies zu verstehen
und die Absicht zu durchschauen. Sie nehmen ihm dadurch
außerdem die Entscheidung aus der Hand, was ihm sehr will-
kommen sein muß, da ihm politisch die Hände gebunden sind.
Vom Auslande aus kommen Sie dann um Ihren Abschied
ein, und begeben sich im strengsten Inkognito nach Paris, wo
Sie den Kaiser im geheimen um eine Audienz bitten lassen.
In dieser mögen Sie ihm Ihre Absichten darlegen mit der
Bitte, daß Napoleon Ihrer Sache sein Interesse schenke
und dieselbe bei den übrigen Mächten befürworte. Dieses
ist nach meiner Ansicht, wenn Eure Durchlaucht überhaupt
an die Annahme der in Rede stehenden Krone denken, die
einzige Art und Weise, die Sache anzufassen. Kommt letztere
dagegen erst vor die Pariser Konferenz, dann wird sie sich
nicht monate-, sondern jahrelang hinschleppen. Die am meisten
beteiligten Mächte Rußland und die Pforte, werden den
entschiedensten Protest gegen Ihre Wahl erheben. Frankreich.
England und Italien werden auf Ihrer Seite stehen, und
Oesterreich wird alles aufbieten, um Ihre Kandidatur zum
Scheitern zu bringen. Doch ist gerade von dieser Seite nicht