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Nach einigen gleichgültigen Worten sagte Bismarck: „Mir
liegt viel daran, in guten Beziehungen zu Frankreich zu stehen,
die Abtretung eines deutschen Gebietsteiles kann aber nicht
in Frage kommen. Die Bevölkerung der Rheinlande ist deutsch
und will deutsch bleiben, höchstens einige Schuhmacher= und
Schneidergesellen, welche in Paris gearbeitet und sich den
Kopf mit französischen Ideen vollgepfropft haben, geben sich
den Anschein, Franzosen geworden zu sein. Ich habe meine
Meinung bezüglich Nordschleswigs, seitdem ich Sie zum ersten
Male darüber gesprochen habe, nicht geändert und ich wünsche
sehr, mit Dänemark und seiner Regierung auf freundschaft-
lichem Fuße zu stehen.“
Nachdem Hansen darauf hingewiesen hatte, daß er die
Vorgänge in Deutschland, welche für Dänemark von großer
Bedeutung sein könnten, aufmerksam verfolge, sagte Bismarck:
„Ja, Sie haben Recht. Es bereiten sich große Ereignisse
vor; jeder wird dabei seine Rolle spielen, Sie auch.“
Hansen: „Eure Ezzellenz dürfen nicht vergessen, daß
meine Rolle eine sehr bescheidene ist.“
Bismarck: „Nun wohl, Sie können dieselbe größer
machen.“ «
Hansen: „Ja, an dem Tage, wo ich Präfekt von Sonder-
burg sein werde.“
Bismarck ging auf die letzte Bemerkung nicht ein und
der Däne verabschiedete sich.
Berlin, den 24. Mai 1866.
Unterredung mit dem Herzog Ernst von
Sachsen, betreffend die Kriegsgefahr.“)
Als der Herzog, der sich zur Taufe des Kronprinzen
(Viktoria) nach Berlin begeben hatte, den Besuch Bismarcks
empfing, konnte sich derselbe sehr bald überzeugen, daß die
Dinge nicht mehr so friedensgünstig standen, wie der König
noch anzunehmen schien. Bismarck sagte, daß er den Krieg
*)) Ernst II. „Aus meinem Leben“, III. Bd. S. 515.