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Berlin, Ende Juni 1866.
Unterredung mit dem General von Moltke,
betreffend die Beschleunigung des Auf-
bruchs des Heeres. 7)
In der Juninacht 1866, in der Bismarck Moltke zu
sich eingeladen, um sich zu vergewissern, ob der Aufbruch
des Heeres nicht um 24 Stunden verfrüht werden könnte, be-
jahte Moltke die Frage und war durch die Beschleunigung
des Kampfes angenehm erregt. Indem er elastischen Schrittes
den Salon verließ, wandte er sich an der Tür noch einmal
um und richtete im ernsthaften Tone die Frage an Bismarck:
„Wissen Sie, daß die Sachsen die Dresdner Brücke gesprengt
haben?"“ Auf Bismarcks Ausdruck des Erstaunens und Be-
dauerns erwiderte er: „Aber mit Wasser, wegen Staub.“
Eine solche Neigung zu harmlosen Scherzen kam bei ihm in
dienstlichen Beziehungen mit Bismarck sehr selten zum Durch-
bruch.“)
bei dem französischen Minister Drouyn de Lhuys gewesen und
von demselben beauftragt worden sei, Bismarck vorzustellen, „daß
für Preußen jetzt die Zeit da sei, Frankreich Anerbietungen zu
machen.“ Der Agent gab Bismarck zu verstehen, daß Frank-
reich das Dreieck zwischen Mosel und Rhein, einschließlich des
Großherzogthums Luxremburg erwarte. Bismarck erwiderte, es
sei nicht der Augenblick, darüber zu sprechen. Preußen sei jetzt
in militärischer Aktion begriffen und diese müsse erst entschieden
sein, ehe über die Zukunft gesprochen werden könne. Loftus
ermähnt dies Gespräch, ohne für die Authentizität zu garantieren.
*) Bismarck, „Gedanken und Erinnerungen“, Bd. II S. 92.
*“) Am 30. Juni 1866 sah der französische Kriegskorre-
spondent Bismarck, als er Abschied von seiner Familie nahm.
„Treffen Sie in Reichenberg zu uns — sagte er zu Vilbort
— und halten Sie sich nicht in Berlin auf, denn alles bereitet
sich zu einem ensscheidenden Schlage vor.“