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schrecke, um die Armee-Reorganisation durchzuführen, ohne
welche der Krieg unmöglich, und selbst die Sicherheit des
Staates gefährdet war. Dieser Kampf kostet mich jedoch
meine Nerven, meine Lebenskraft! Aber besiegt habe ich alle!
Alle!“ (Dabei nannte Bismarck die Namen von drei Per-
sönlichkeiten, die ihm besonders viel Aergernis bereitet hatten.)
Seherr: „Und welches wird nun das Los der süd-
deutschen Staaten sein?“
Bismarck: „Diese Ultramontanen können wir nicht
brauchen, auch dürfen wir nicht mehr schlucken, als wir ver-
dauen können, denn wir wollen nicht in den Fehler von
Piemont verfallen, das sich durch die Annexion von Neapel
mehr geschwächt, als gestärkt hat.“
Seherr: „Und was wird mit Böhmen geschehen?“
Bismarck: „Nun, was wir haben, das behalten wir.“
Zum GElück für Oesterreich und die Herren Tschechen kam
dieser momentane Gedanke nicht zur Realisierung.
Marschauartier Czernahora, den 12. Juli 1866.
Bemerkungen im Kriegsrat, betreffend die
Richtung des weiteren Vorgehens gegen
Wien.)
Die Debatte drehte sich um den Angriff auf die Be-
festigungen von Floridsdorf unter Herbeiziehung der Bela-
gerungs-Artillerie von Magdeburg. Bismarck fragte, wie
lange die Sache dauern würde. Man bemaß den Zeitraum
*) Nach der Darstellung in der „Münchner Allg. Zeitung“
vom 27. August 1891. Penzler, „Bismarck nach seiner Ent-
lassung“, Bd. II S. 211. Die obige Darstellung ist fast wört-
lich in Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen“, Bd. II S. 36
übergegangen. Augenscheinlich hatte der Chefredakteur des
Münchner Blattes, Hugo Jacobi das Manufkript des späteren
Bi#marck-Buches vor sich, oder er hatte den Vorgang von Bis-
marck erzählt erhalten.