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läufig darüber, daß es Oesterreich gegenüber nur auf dessen
Austritt aus dem Bunde ankäme, eine weitere Schädigung,
durch Gebietsabtretung und so weiter, dürfe nicht stattfinden,
da Preußen später Oesterreichs Kraft für sich selbst brauche.
„Direkte Verhandlungen finden nicht statt; bis jetzt hat nur
Napoleon von Oesterreich den Frieden gefordert. Dieser aber
zeigt Respekt vor unseren militärischen Qualitäten und wird
sich hüten, ohne Zwang aus dem eigenen Lager Krieg mit
uns zu beginmnnen. Ohne unglücklichen Krieg werde ich aber
Napoleon sicher keine Konzessionen machen. Bis gestern haben
die diplomatischen Angelegenheiten sehr gut gestanden, und
ich kann versichern, wie wunderbar ich es empfinde, daß
glänzende militärische Erfolge die beste Unterlage für diploma-
tische Künste sind. Es geht alles wie geschmiert.“
Von dem Kronprinzen sprach Bismarck mit vieler Ach-
tung und kam mehrfach darauf zurück, wie ihm alles daran
läge, dessen Einverständnis zu gewinnen.
„Uebrigens ist der Waffenstillstand nahe. Obgleich Oester-
reich noch lange nicht genug gedemütigt ist, scheint es doch die
Ueberzeugung zu gewinnen, daß es überhaupt keine Waffe
mehr gegen uns hat; es ist bereit, seine Verbündeten zu
opfern, und macht nur noch Sachsens wegen Schwierigkeit.“.)
Nikolsburg, zirka 22. Juli 1866.
Unteredung mit dem österreichischen Kriegs-
minister Grafen Degenfeld über die öster-
reichische Kriegskostenentschädigung.“")
Als bei den Verhandlungen die Höhe der Kriegsent-
schädigung zur Sprache kam und Biemarck dieselbe mit
*) Am 21. Juli teilte Bismarck dem französischen Kriegs-
korrespondenten Vilbort in Eisgrub mit, daß die Feindseligkeiten
vom 22. Juli mittags ab auf fünf Tage suspendiert werden
sollten. Oesterreich ergebe sich darin, aus Deutschland auszu-
scheiden: Vilbort a. a. O. Bd. II S. 111.
*#) Nach den im Maiheft der Deutschen Revue 1909 publi-
zierten „Erinnerungen eines alten Oesterreichers“ (Ludwig Ritter
von Przibram).