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Preußens die gleiche Treue und die gleichen Dienste einbringen
würden; wenn Preußen den Krieg noch ein wenig fortsetze,
so würde es auch für sich eine vollständigere Erfüllung des
Bismarckschen Programmes erlangen.
Bismarck setzte Govone auseinander, wie die militärischen
Dinge für den Augenblick lagen. „Die Politik Preußens
muß sich auch hiernach richten. Das jetzt 100 Meilen von seiner
Operationsbasis entfernte Heer ist in seiner Kopfstärke durch
die zurückgelassenen Besatzungstruppen beträchtlich geschwächt
worden. Die Cholera ist in mehreren vom Heere be-
legten Orten ausgebrochen und nimmt eine bedrohliche
Gestalt an. Die bei einer unmittelbaren Fortsetzung
des Krieges auszuführenden Operationen, wie z. B. den
Feind aus den Verschanzungen vor Wien zu werfen
und über die Donau zu gehen, zählen zu den schwie-
rigsten militärischen Unternehmungen. Sind sie gelun-
gen, so muß der Krieg nach Ungarn hineingetragen wer-
den, aber das ungarische Klima ist während des August
mörderisch, sodaß das Heer dadurch zu Grunde gerichtet wer-
den könnte. Zu all diesen Schwierigkeiten müssen Sie noch
einen entscheidenden Umstand nehmen: wie unserm General-
stab als feststehend gilt, sind heute schon 100 000 Oesterreicher
von Italien nach Wien gekommen. Somit ist das öster-
reichische Heer beinahe wieder ebenso stark, wie es beim Be-
ginn der militärischen Operationen war. Können wir, an-
gesichts einer solchen Lage, den Krieg fortsetzen, wenn uns
obendrein noch Frankreich über den Hals kommt? Die Folgen
einer Niederlage würden nicht nur für uns tödlich sein, sondern
auch schwer auf die Lage Italiens drücken. Wir haben einem
Waffenstillstand zustimmen zu sollen geglaubt, der erst am
2. August beginnt, also zu einer Zeit, wenn der Termin der
Italien bewilligten achttägigen Waffenruhe abläuft. — So
werden wir den Monat August gewinnen. Aus den mit den
österreichischen Bevollmächtigten gepflogenen Verhandlungen