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der Wehrverfassung wird durchgesetzt. Man bringt zunächst
einen Militärgouverneur hin: — General von Voigt-Rhetz.“
Hartmann machte Bismarck darauf aufmerksam, wie
wichtig es sei, der Stadt Hannover ihren Verkehr zu lassen,
möglichst einen Hof dorthin zu bringen.
Bismarck erwiderte, daß dies ganz seine Ansicht sei,
das könne aber nur der Kronprinz sein.
Hartmann griff das sehr lebhaft auf, erinnerte Bismarck
daran, daß die Kronprinzeß auch eine hannoversche Prinzeß sei.
„Ja, setzen Sie das mal durch!“ war die Antwort.
Auf die Bemerkung Hartmanns, Hannover sei durch
und durch konservativ-liberal, seine Staatsdienerschaft bür-
gerlich, antwortete Bismarck: „Hannover ist nicht so liberal
wie wir; wir sind ungesund liberal, die Hannoveraner sind
gesunder. Man irrt sich, wenn man mich nach meiner Oppo-
sition vom Jahre 1848 her beurteilt. Mit den Ansichten der
„Kreuzzeitung“ kann man nicht regieren. Es kommt darauf
an, eine Regierung zu führen nach den Ansichten der Den-
kenden in der Nation. Die Macht des Königtums in Preußen
muß gestützt werden durch eine kräftige Armee, sie muß aber
mit der Meinung der Nation gehen, und es ist die Pflicht jedes
preußischen Ministers, den Willen des Königs als maßgebend
anzusehen, zugleich aber den Willen des Königs von der
Meinung der Nation sich sättigen zu lassen. Die Ansichten
der „Kreuzzeitung“ könnten vielleicht maßgebend sein, wenn
der Thronerbe ein Georg V. wäre. Der Kronprinz aber mit
seinen durch und durch liberalen Anschauungen fordert auch
vom Ministerium des Königs, das an die Zukunft zu denken
hat, ein Hinübergehen nach links; eine Achtelschwenkung
links ist durchaus Pflicht. Hannover ist ein harter, schwer
verdaulicher Klumpen in unserem Schlunde, aber wir mußten
es haben, wir konnten nie wieder eine ähnliche Lage dulden,
als die war, in die wir durch die Politik Hannovers versetzt
wurden. Wir müssen die territoriale Verbindung mit den