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kunft Hannovers Gewißheit zu verschaffen und Bismarck über
die richtige Stimmung namentlich im Adel aufzuklären.
Bismarck: „Ich bedauere sehr, Ihnen nicht viel Ange-
nehmes sagen zu können, es geht mir selbst jetzt manches zu
rasch; ich kann Sie versichern, daß ich die Annezion nicht
beabsichtigt habe, daß ich von vornherein die Selbständigkeit
Hannovers habe achten wollen. Anfangs Mai habe ich Han-
norer noch ein Neutralitätsbündnis angeboten ohne Reform-
projekt und mit Garantie des ganzen Territorialbestandes;
ich habe immer gehofft. Hannover würde, wie im siebenjährigen
Kriege zu Preußen halten. Niemals hätte ich geglaubt, daß
es ein solch vorteilhaftes Anerbieten hätte ausschlagen können.
Während über diese Anerbieten in Berlin verhandelt wurde,
sind gleichzeitig in Wien sehr lebhafte Verhandlungen wegen
eines Bündnisses mit Oesterreich und der Anschließung der
hannoverschen Armee an die Brigade Kalick geführt worden.
Prinz Karl Solms ist dann nach Hannover gekommen und die
feindselige Haltung des Königs und seiner Regierung ist nun
offen hervorgetreten. Der König hat keine Gelegenheit ver-
säumt, seinem Hasse gegen Preußen Luft zu machen, und hat
jede Verhandlung unmöglich gemacht.“
Münster unterbrach hier Bismarck mit der Bemerkung,
derselbe möge von der Person des Königs absehen; es handle
sich hier um das Schicksal einer der ältesten Dynastien in
Europa; er möge die Abdikation verlangen und erklären,
er wolle nur mit dem Kronprinzen verhandeln. Bismarck:
„Ich habe diese Idee auch gehabt, habe auch den König in
Wien in dieser Richtung sondieren lassen, habe aber wie
immer die Antwort erhalten: „Ein Welf kann sich unter
einen Hohenzoller nicht beugen.“ Sie müssen mir doch Recht
geben, daß es schwer ist, mit Ihnen hier die Erhaltung der
Dynastie zu besprechen, während deren Träger in Wien fort-
während gegen Preußen aufhetzt und Intriguen anspinnt.“
Im weiteren Verlaufe des Gesprächs kam Münster noch
einmal auf die Abdikation des Königs zurück, und stellte