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mit jedem König von Hannover sind für die preußische Ak-
tion zu groß, wie schon das Beispiel Sachsens lehrt, wo
wahrscheinlich ein unhaltbarer Zustand hergestellt wird. Die
Annexion ist das einzige Mittel, darüber hinwegzukommen.“
Auf den Hinweis Hodenbergs, die Annexion Hannovers
werde sein Volk in die größte Verzweiflung, in die furcht-
barsten Gewissenszweifel und in einen moralischen Widerstand
drängen, von dessen Bedeutung der zehnjährige Widerstand,
den Hannover der französischen Herrschaft am Anfange dieses
Jahrhunderts entgegengesetzt, ein Vorbild gebe, erwiderte Bis-
marck: „Ich verkenne diese Schwierigkeiten nicht, ich achte die
Treue und Zähigkeit des hannoverschen Volkes, das ich kenne,
ich habe Sympathien für dasselbe, bin selbst plattdeutsch er-
zogen; ich bedauere, daß ein solcher Widerstand, den auch
ich vorhersehe, stattfinden wird. Indessen wird das mit einer
Generation zu Ende sein.“
Als Hodenberg Bismarck nochmals fragte, ob er wirklich
die Absicht habe, auf keine Verhandlungen mehr einzugehen
und die dem Grafen Platen versprochene Antwort nicht zu
geben, bemerkte Bismarck, daß er sich eines desfalls gege-
benen Versprechens nicht erinnern könne. Als Hodenberg dem
gegenüber geltend machte, der Adjutant seines Königs, von
Heimbruch, habe ihm noch vor wenigen Tagen dieses bezeugt
und den Vorgang erzählt, erwiderte Bismarck: „Ich werde
dem Grafen Platen persönlich antworten und ich bitte Sie,
ihm dieses zu sagen.“
Berlin, den 16., 17., 20. und 21. August 1866.
Vier Unterredungen mit dem bayerischen
Ministerpräsidenten Freiherr von der
Pfordten und dem baherischen Gesandten in
Wien, Grafen von Bray-Steinburg, betref-
fend den Friedensabschluß mit Bayern.“)
Die bayerischen Unterhändler verwahrten sich am 16. Au-
gust vor allem gegen jede Abtretungen in Unterfranken als
*) Nach dem wiederholt zitierten Werke: Aus dem Leben
des Grafen Otto von Bray-Steinburg.