Full text: Also sprach Bismarck. Band I. 1846 - 1870. (1)

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bach zurückgekommen. Ich habe aber Politik zu treiben, nicht 
bloßem persönlichem Gefühl und Familienreminiszenzen Rech- 
nung zu tragen, auch liegt mir nicht ob, die Rolle der Nemesis 
für gegen Preußen begangene Sünden zu übernehmen, dazu 
mag sich der König an seinen Hausminister wenden. Ich 
beharre deshalb bei meinem Projekte und mache Bayern 
folgenden Vorschlag: „Bayern bezahlt eine Kriegskostenent- 
schädigung von 30 Millionen und tritt in der Form einer 
Grenzregulierung die Distrikte Gersfeld und Orb an Preußen 
ab; der Ertrag der Orber Walddomänen wird nach 5 Pro- 
zent kapitalisiert und an der Kriegskostenentschädigung in Ab- 
zug gebracht.“ 
Die bayerischen Unterhändler erklärten sofort die An- 
nahme dieses Antrages, welcher am folgenden Tage in einem 
unter Vorsitz des Königs abzuhaltenden Ministerrat diesem 
zur Annahme empfohlen werden sollte. Bismarck sprach dabei 
seinen Entschluß aus, die Entscheidung nötigenfalls zur Ka- 
binettsfrage zu machen! Am 21. August um 6 Uhr, als 
die bayerischen Unterhändler noch bei Tisch saßen, kam Bis- 
marck zu Pfordten und erklärte ihm, daß obiger Vorschlag 
nach zweistündigem Kampfe vom Könige genehmigt worden 
sei, jedoch mit dem erschwerenden Zusatze, daß ein Abzug 
für die Domänen nicht stattfinden dürfe, die 30 Millionen 
vielmehr voll bezahlt werden müßten. Es wurde dabei die 
Zusicherung erteilt, daß man auf vollständige Abtretung bei- 
der Gebietsteile nicht bestehen, vielmehr Bayern eine günstigere 
Abgrenzung zulassen werde. « 
Berlin, den 22. August 1866. 
Unterrebung mit den bayerischen Unter- 
händlern, betr. die Unterzeichnung des 
Friedensvertrages mit Bayern.“) 
Um halb 11 Uhr wurden Pfordten und Bray Steinburg 
zur Unterzeichnung der Verträge zu Bismarck beschieden. 
*) Aus dem Leben des Grafen Otto von Bray-Steinburg, 
„Deutsche Revue“ 1900, Bd. III S. 40. 
u. Poschinger, „Also sprach Bismarck“, Band I. 17 
 
	        
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